★★ Wichtig Endokrinologie 30 Min.

Diabetes mellitus

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Metabolische Erkrankung durch Hyperglykämie — Typ 1 (Insulinmangel) vs. Typ 2 (Insulinresistenz)
  • 2. Diagnose: Nüchternglukose ≥126 mg/dL oder HbA1c ≥6,5 % oder 2h-OGTT ≥200 mg/dL
  • 3. Typ 1 immer Insulin | Typ 2: Stufenschema → Lifestyle → Metformin → Insulin
  • 4. Mikroangiopathie: Nephropathie + Retinopathie + Neuropathie — strenge BZ-Kontrolle schützt!
  • 5. Notfall: Diabetische Ketoazidose (DKA) bei Typ 1 vs. Hyperosmolares Koma bei Typ 2

Fallvignette

Ein 52-jähriger Patient stellt sich vor mit seit mehreren Wochen bestehenden vermehrten Wasserlassen, starkem Durst und Abgeschlagenheit.

Er hat einen BMI von 34 und eine positive Familienanamnese für Diabetes. Labor: Nüchtern-Blutzucker 186 mg/dl, HbA1c 9,2 %, Gesamtcholesterin 248 mg/dl. Blutdruck 152/94 mmHg.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Diabetes mellitus

Auf einen Blick

  1. Metabolische Erkrankung durch Hyperglykämie — Typ 1 (Insulinmangel) vs. Typ 2 (Insulinresistenz)
  2. Diagnose: Nüchternglukose ≥126 mg/dL oder HbA1c ≥6,5 % oder 2h-OGTT ≥200 mg/dL
  3. Typ 1 immer Insulin | Typ 2: Stufenschema → Lifestyle → Metformin → Insulin
  4. Mikroangiopathie: Nephropathie + Retinopathie + Neuropathie — strenge BZ-Kontrolle schützt!
  5. Notfall: Diabetische Ketoazidose (DKA) bei Typ 1 vs. Hyperosmolares Koma bei Typ 2

Fallvignette

Ein 52-jähriger Patient stellt sich vor mit seit mehreren Wochen bestehenden vermehrten Wasserlassen, starkem Durst und Abgeschlagenheit.

Er hat einen BMI von 34 und eine positive Familienanamnese für Diabetes. Labor: Nüchtern-Blutzucker 186 mg/dl, HbA1c 9,2 %, Gesamtcholesterin 248 mg/dl. Blutdruck 152/94 mmHg.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition & Klassifikation

Typ Pathogenese Häufigkeit
Typ 1 („juveniler Diabetes“) Autoimmun-Zerstörung der β-Zellen → absoluter Insulinmangel 15 %
Typ 2 („Altersdiabetes“) Periphere Insulinresistenz + relative Insulinsekretionsstörung 85 %
Typ 3 Spezifische Ursachen: Pankreaserkrankungen, Endokrinopathien, Medikamente (MODY) Selten
Typ 4 Gestationsdiabetes (in der Schwangerschaft) 3–5 % der Schwangerschaften

Ätiologie & Pathophysiologie

Typ-1-Diabetes

  • HLA-Assoziation (HLA-DR3, HLA-DR4) — genetische Prädisposition
  • Autoimmune T-Zell-Reaktion zerstört β-Zellen der Langerhans-Inseln
  • Assoziiert mit anderen Autoimmunerkrankungen: Hashimoto, Morbus Addison, Zöliakie
  • Ergebnis: Absoluter Insulinmangel → Hyperglykämie + Ketoazidose möglich

Typ-2-Diabetes

  • Starke genetische Prädisposition (keine HLA-Assoziation)
  • Periphere Insulinresistenz (Muskel, Leber, Fettgewebe reagieren nicht auf Insulin)
  • Zunächst Kompensation durch erhöhte Insulinsekretion → später Erschöpfung der β-Zellen
  • Assoziiert mit: Adipositas, metabolischem Syndrom, körperliche Inaktivität

Insulin — wichtiges Basiswissen

  • Einziges blutzuckersenkende Hormon im menschlichen Körper
  • Wirkungen:
  • Glukoseaufnahme in Muskel und Fettzellen (antiglykämisch)
  • Hemmung der Lipolyse (antilipolytisch) → verhindert Ketonkörperbildung
  • Stimulation der Proteinsynthese (anabol)
  • K⁺-Verschiebung in die Zelle (bei DKA-Therapie relevant!)

Vergleich Typ 1 vs. Typ 2

Merkmal Typ 1 Typ 2
Häufigkeit 15 % 85 %
Alter bei Beginn 15.–25. Lebensjahr >40 Jahre
Beginn Akut (Koma als Erstmanifestation!) Schleichend (Zufallsbefund)
Körperbau Asthenisch Adipös
Pathogenese Absoluter Insulinmangel Initial Insulinresistenz
C-Peptid Niedrig bis fehlend Anfangs erhöht
Ketoseneigung Hoch Gering
Stoffwechsellage Labil Stabil
Therapie Immer Insulin Lifestyle → Metformin → Insulin

Symptome & Klinik

Klassische Symptome (bei erheblicher Hyperglykämie)

  • Polyurie → Polydipsie (osmotische Diurese ab Nierenschwelle 180 mg/dL)
  • Leistungsminderung, Müdigkeit
  • Gewichtsabnahme (bei absolutem Insulinmangel — Typ 1)
  • Pruritus, Sehstörungen (Linsenschwellung durch Osmoseverschiebung)
  • Wadenkrämpfe

Klinische Besonderheiten

  • Typ 1: Rasche Manifestation, häufig nach Virusinfektion, Koma als Erstmanifestation möglich
  • Typ 2: Oft jahrelang asymptomatisch — Zufallsbefund bei Routineuntersuchung

Diagnostik

Diagnosesicherung

Kriterium Diabetes Prädiabetes Normal
Nüchternglukose (nach 8h Karenz) ≥126 mg/dL (≥7,0 mmol/L) 100–125 mg/dL <100 mg/dL
HbA1c ≥6,5 % 5,7–6,4 % <5,7 %
2h-OGTT ≥200 mg/dL 140–199 mg/dL <140 mg/dL

Merkhilfe: Ein erhöhter Wert + Symptome = Diagnose. Ohne Symptome: zwei unabhängige Messungen erforderlich. OGTT nur bei unklarer Diagnose (aufwändig).

Weitere Diagnostik

  • C-Peptid: ↓ bei Typ 1 (Maß für endogene Insulinsekretion)
  • Autoantikörper (nur bei unklarer Diagnose): GAD65-AK, IA-2-AK, ICA-AK, IAA
  • Urin: Mikroalbuminurie (Frühzeichen der Nephropathie), Glukosurie
  • HbA1c alle 3 Monate als Verlaufsparameter (spiegelt BZ der letzten 8–12 Wochen)

Therapie

Typ-1-Diabetes — immer Insulin

Basis-Bolus-Konzept (ICT = intensivierte konventionelle Therapie):

  • Basalinsulin (Insulin Glargin oder Detemir) 1× täglich — deckt Grundbedarf
  • Bolusinsulin (Normalinsulin oder schnell wirksame Analoga) zu jeder Mahlzeit — richtet sich nach KE
  • 1 IE Insulin senkt BZ um ~30–40 mg/dL
  • 1 KE (Kohlenhydrateinheit = 10 g KH) erhöht BZ um ~30–40 mg/dL
  • → Grob: 1 IE pro 1 KE

Insulinpumpe (CSII): Kontinuierliche s.c.-Infusion von Normalinsulin — individuell programmierbar

Typ-2-Diabetes — Stufenschema

Stufe I:   Basistherapie — Lifestyle 3–6 Monate
           (Tabakkarenz, Sport, Gewichtsreduktion, Ernährungsberatung)

Stufe II:  + Metformin (1. Wahl bei Typ 2)
           (verstärkt Insulinwirkung, keine Hypoglykämien, Gewichtsreduktion)

Stufe III: + 2. Antidiabetikum
           z.B. SGLT-2-Inhibitor (kardioprotektiv!), GLP-1-Analogon (Gewichtsreduktion)
           oder: Metformin + Basalinsulin (BOT)

Stufe IV:  Intensivierte Insulintherapie ± Metformin

Antidiabetika im Überblick

Klasse Beispiel Mechanismus NW KI
Biguanide Metformin Erhöht Insulinwirkung Laktatazidose, GI-Störungen GFR <30, Herzinsuffizienz NYHA III/IV
Sulfonylharnstoffe Glimepirid ↑ Insulinsekretion Hypoglykämie! Gewichtszunahme Niereninsuffizienz
SGLT-2-Hemmer Empagliflozin Renale Glukoseausscheidung↑ HWI, Polyurie GFR <60
GLP-1-Analoga Liraglutid ↑ glucoseabh. Insulinsekretion GI-Störungen, Gewichtsabnahme Schwere Niereninsuff.
DPP-4-Hemmer Sitagliptin ↑ glucoseabh. Insulinsekretion GI-Störungen
Glitazone Pioglitazon ↓ Insulinresistenz Gewichtszunahme, Herzinsuffizienz Herzinsuffizienz

Komplikationen

Akute Komplikationen

Hyperglykämisches Koma — Typ 1 (DKA) vs. Typ 2 (hyperosmolares Koma):

Diabetische Ketoazidose (DKA) Hyperosmolares Koma
Typ Typ 1 Typ 2
Beginn Schnell (<24h) Langsam (Tage)
BZ 400–700 mg/dL 600–1200 mg/dL
Ketone Ja → Azidose, Azeton-Atem Nein
Kußmaul-Atmung Ja (resp. Kompensation) Nein
Therapie NaCl + Insulin + Kalium NaCl + vorsichtig Insulin

Langfristige Komplikationen

Mikroangiopathie (durch chronische Hyperglykämie, alle Diabetestypen):
| Organ | Erkrankung | Klinik | Therapie |
|–|–|–|–|
| Niere | Diabetische Nephropathie | Mikroalbuminurie → Makroalbuminurie → Niereninsuffizienz | ACE-Hemmer, BZ-Kontrolle |
| Auge | Diabetische Retinopathie | Lange symptomlos → Sehverschlechterung → Erblindung | Laserkoagulation |
| Nerven | Diabetische Neuropathie (sensomotorisch) | Parästhesien, Areflexie distal-symmetrisch | Symptomatisch |
| Nerven | Autonome Neuropathie | Stummer Herzinfarkt!, Gastroparese, erektile Dysfunktion | Symptomatisch |
| Fuß | Diabetisches Fußsyndrom | Neuropathisch (warm, trocken) oder ischämisch (kalt, blass) | Wundversorgung, Entlastung |

Makroangiopathie (v.a. Typ 2):

  • KHK, pAVK, Karotisstenose (Schlaganfall)
  • Mönckeberg-Mediasklerose (verkalkte Gefäße → ABI falsch hoch!)

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Mikroangiopathie: strenge Blutzuckereinstellung! Ziel: HbA1c 6,5–7 % für die meisten Patienten.


Prognose

  • Todesursachen meist: Myokardinfarkt + Nierenversagen
  • Entscheidend: Blutzuckereinstellung + Behandlung von Komorbiditäten (Hypertonie, Dyslipidämie)

Klinische Perlen

1. „Stummer Herzinfarkt“ bei Diabetikern. Autonome Neuropathie → fehlende Schmerzwahrnehmung → Herzinfarkt ohne typische Brustschmerzen. EKG bei jeder stationären Aufnahme eines Diabetikers.

2. BZ-Messung bei jedem Bewusstlosen. Hypoglykämie ist häufig, sofort behandelbar und imitiert alle neurologischen Erkrankungen. Glucose i.v. gibt man auch, wenn man unsicher ist.

3. Metformin-Regel: bei GFR <30 absetzen. Laktatazidose als schwere NW. Auch vor Kontrastmittelgabe pausieren (GFR-abhängig).

4. Diabetischer Fuß: neuropathisch ≠ ischämisch. Neuropathisch: warm, rosig, Pulse tastbar, schmerzlos (Malum perforans). Ischämisch: kalt, blass, Pulse fehlend, schmerzhaft. In 1/3 kombiniert.


Prüfungstipps

  • Diagnosewerte auswendig: Nüchternglukose ≥126, HbA1c ≥6,5, OGTT ≥200
  • DKA-Trias: Hyperglykämie + Ketonurie + metabolische Azidose + Anionenlücke
  • Kußmaul-Atmung = respiratorische Kompensation der metabolischen Azidose (nur DKA!)
  • Metformin = 1. Wahl bei Typ 2 — keine Hypoglykämien, Gewichtsreduktion, kardioprotektiv
  • SGLT-2-Hemmer kardioprotektiv — bei Herzinsuffizienz + Diabetes besonders wertvoll
  • Mikroalbuminurie = frühestes Zeichen der diabetischen Nephropathie

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
HbA1c Glykiertes Hämoglobin — Langzeitparameter (letzte 8–12 Wochen)
OGTT Oraler Glukosetoleranztest — 75 g Glukose → 2h-BZ-Messung
DKA Diabetische Ketoazidose — Notfall bei Typ-1-Diabetikern
Kußmaul-Atmung Tiefe, langsame Atemzüge bei metabolischer Azidose
Mikroalbuminurie 30–300 mg Albumin/24h — Frühzeichen der Nephropathie
Mönckeberg-Mediasklerose Gefäßwandverkalkung bei Diabetes → ABI falsch hoch
ICT Intensivierte konventionelle Insulintherapie (Basis-Bolus-Prinzip)

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Ätiologie 🔗

Typ-1-Diabetes

  • HLA-Assoziation (HLA-DR3, HLA-DR4) — genetische Prädisposition
  • Autoimmune T-Zell-Reaktion zerstört β-Zellen der Langerhans-Inseln
  • Assoziiert mit anderen Autoimmunerkrankungen: Hashimoto, Morbus Addison, Zöliakie
  • Ergebnis: Absoluter Insulinmangel → Hyperglykämie + Ketoazidose möglich

Typ-2-Diabetes

  • Starke genetische Prädisposition (keine HLA-Assoziation)
  • Periphere Insulinresistenz (Muskel, Leber, Fettgewebe reagieren nicht auf Insulin)
  • Zunächst Kompensation durch erhöhte Insulinsekretion → später Erschöpfung der β-Zellen
  • Assoziiert mit: Adipositas, metabolischem Syndrom, körperliche Inaktivität

Insulin — wichtiges Basiswissen

  • Einziges blutzuckersenkende Hormon im menschlichen Körper
  • Wirkungen:
  • Glukoseaufnahme in Muskel und Fettzellen (antiglykämisch)
  • Hemmung der Lipolyse (antilipolytisch) → verhindert Ketonkörperbildung
  • Stimulation der Proteinsynthese (anabol)
  • K⁺-Verschiebung in die Zelle (bei DKA-Therapie relevant!)

Symptome & Klinik 🔗

Klassische Symptome (bei erheblicher Hyperglykämie)

  • Polyurie → Polydipsie (osmotische Diurese ab Nierenschwelle 180 mg/dL)
  • Leistungsminderung, Müdigkeit
  • Gewichtsabnahme (bei absolutem Insulinmangel — Typ 1)
  • Pruritus, Sehstörungen (Linsenschwellung durch Osmoseverschiebung)
  • Wadenkrämpfe

Klinische Besonderheiten

  • Typ 1: Rasche Manifestation, häufig nach Virusinfektion, Koma als Erstmanifestation möglich
  • Typ 2: Oft jahrelang asymptomatisch — Zufallsbefund bei Routineuntersuchung

Diagnostik 🔗

Diagnosesicherung

Kriterium Diabetes Prädiabetes Normal
Nüchternglukose (nach 8h Karenz) ≥126 mg/dL (≥7,0 mmol/L) 100–125 mg/dL <100 mg/dL
HbA1c ≥6,5 % 5,7–6,4 % <5,7 %
2h-OGTT ≥200 mg/dL 140–199 mg/dL <140 mg/dL

Merkhilfe: Ein erhöhter Wert + Symptome = Diagnose. Ohne Symptome: zwei unabhängige Messungen erforderlich. OGTT nur bei unklarer Diagnose (aufwändig).

Weitere Diagnostik

  • C-Peptid: ↓ bei Typ 1 (Maß für endogene Insulinsekretion)
  • Autoantikörper (nur bei unklarer Diagnose): GAD65-AK, IA-2-AK, ICA-AK, IAA
  • Urin: Mikroalbuminurie (Frühzeichen der Nephropathie), Glukosurie
  • HbA1c alle 3 Monate als Verlaufsparameter (spiegelt BZ der letzten 8–12 Wochen)

Therapie 🔗

Typ-1-Diabetes — immer Insulin

Basis-Bolus-Konzept (ICT = intensivierte konventionelle Therapie):

  • Basalinsulin (Insulin Glargin oder Detemir) 1× täglich — deckt Grundbedarf
  • Bolusinsulin (Normalinsulin oder schnell wirksame Analoga) zu jeder Mahlzeit — richtet sich nach KE
  • 1 IE Insulin senkt BZ um ~30–40 mg/dL
  • 1 KE (Kohlenhydrateinheit = 10 g KH) erhöht BZ um ~30–40 mg/dL
  • → Grob: 1 IE pro 1 KE

Insulinpumpe (CSII): Kontinuierliche s.c.-Infusion von Normalinsulin — individuell programmierbar

Typ-2-Diabetes — Stufenschema

Stufe I:   Basistherapie — Lifestyle 3–6 Monate
           (Tabakkarenz, Sport, Gewichtsreduktion, Ernährungsberatung)

Stufe II:  + Metformin (1. Wahl bei Typ 2)
           (verstärkt Insulinwirkung, keine Hypoglykämien, Gewichtsreduktion)

Stufe III: + 2. Antidiabetikum
           z.B. SGLT-2-Inhibitor (kardioprotektiv!), GLP-1-Analogon (Gewichtsreduktion)
           oder: Metformin + Basalinsulin (BOT)

Stufe IV:  Intensivierte Insulintherapie ± Metformin

Antidiabetika im Überblick

Klasse Beispiel Mechanismus NW KI
Biguanide Metformin Erhöht Insulinwirkung Laktatazidose, GI-Störungen GFR <30, Herzinsuffizienz NYHA III/IV
Sulfonylharnstoffe Glimepirid ↑ Insulinsekretion Hypoglykämie! Gewichtszunahme Niereninsuffizienz
SGLT-2-Hemmer Empagliflozin Renale Glukoseausscheidung↑ HWI, Polyurie GFR <60
GLP-1-Analoga Liraglutid ↑ glucoseabh. Insulinsekretion GI-Störungen, Gewichtsabnahme Schwere Niereninsuff.
DPP-4-Hemmer Sitagliptin ↑ glucoseabh. Insulinsekretion GI-Störungen
Glitazone Pioglitazon ↓ Insulinresistenz Gewichtszunahme, Herzinsuffizienz Herzinsuffizienz

Komplikationen 🔗

Akute Komplikationen

Hyperglykämisches Koma — Typ 1 (DKA) vs. Typ 2 (hyperosmolares Koma):

Diabetische Ketoazidose (DKA) Hyperosmolares Koma
Typ Typ 1 Typ 2
Beginn Schnell (<24h) Langsam (Tage)
BZ 400–700 mg/dL 600–1200 mg/dL
Ketone Ja → Azidose, Azeton-Atem Nein
Kußmaul-Atmung Ja (resp. Kompensation) Nein
Therapie NaCl + Insulin + Kalium NaCl + vorsichtig Insulin

Langfristige Komplikationen

Mikroangiopathie (durch chronische Hyperglykämie, alle Diabetestypen): | Organ | Erkrankung | Klinik | Therapie | |---|---|---|---| | Niere | Diabetische Nephropathie | Mikroalbuminurie → Makroalbuminurie → Niereninsuffizienz | ACE-Hemmer, BZ-Kontrolle | | Auge | Diabetische Retinopathie | Lange symptomlos → Sehverschlechterung → Erblindung | Laserkoagulation | | Nerven | Diabetische Neuropathie (sensomotorisch) | Parästhesien, Areflexie distal-symmetrisch | Symptomatisch | | Nerven | Autonome Neuropathie | Stummer Herzinfarkt!, Gastroparese, erektile Dysfunktion | Symptomatisch | | Fuß | Diabetisches Fußsyndrom | Neuropathisch (warm, trocken) oder ischämisch (kalt, blass) | Wundversorgung, Entlastung |

Makroangiopathie (v.a. Typ 2):

  • KHK, pAVK, Karotisstenose (Schlaganfall)
  • Mönckeberg-Mediasklerose (verkalkte Gefäße → ABI falsch hoch!)

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Mikroangiopathie: strenge Blutzuckereinstellung! Ziel: HbA1c 6,5–7 % für die meisten Patienten.


Prognose 🔗

  • Todesursachen meist: Myokardinfarkt + Nierenversagen
  • Entscheidend: Blutzuckereinstellung + Behandlung von Komorbiditäten (Hypertonie, Dyslipidämie)

Prüfungstipps

  • - Diagnosewerte auswendig: Nüchternglukose ≥126, HbA1c ≥6,5, OGTT ≥200
  • - DKA-Trias: Hyperglykämie + Ketonurie + metabolische Azidose + Anionenlücke
  • - Kußmaul-Atmung = respiratorische Kompensation der metabolischen Azidose (nur DKA!)
  • - Metformin = 1. Wahl bei Typ 2 — keine Hypoglykämien, Gewichtsreduktion, kardioprotektiv
  • - SGLT-2-Hemmer kardioprotektiv — bei Herzinsuffizienz + Diabetes besonders wertvoll
  • - Mikroalbuminurie = frühestes Zeichen der diabetischen Nephropathie

Schlüsselbegriffe

BegriffHbA1cOGTTDKAKußmaul-AtmungMikroalbuminurieMönckeberg-MediaskleroseICT