★★ Wichtig Hämatologie 25 Min.

Gerinnungsstörungen

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Die Gerinnungskaskade gliedert sich in einen extrinsischen (Quick/INR) und intrinsischen Weg (PTT), die in einer gemeinsamen Endstrecke (Faktor X → Thrombin → Fibrin) münden.
  • 2. Thrombozytäre (primäre) Hämostasestörungen verursachen petechiale Blutungen; plasmatische (sekundäre) Störungen führen zu Hämatomen und Gelenkblutungen.
  • 3. Hämophilie A (Faktor-VIII-Mangel) und B (Faktor-IX-Mangel) sind X-chromosomal-rezessiv vererbt — fast ausschließlich Männer betroffen.
  • 4. Die DIC (Verbrauchskoagulopathie) ist ein lebensbedrohliches Syndrom mit gleichzeitiger Thrombosierung und hämorrhagischer Diathese.
  • 5. Bei HIT Typ II muss Heparin sofort gestoppt und durch einen alternativen Antikoagulans (Argatroban, Danaparoid) ersetzt werden.

Gerinnungsstörungen

Auf einen Blick

  1. Die Gerinnungskaskade gliedert sich in einen extrinsischen (Quick/INR) und intrinsischen Weg (PTT), die in einer gemeinsamen Endstrecke (Faktor X → Thrombin → Fibrin) münden.
  2. Thrombozytäre (primäre) Hämostasestörungen verursachen petechiale Blutungen; plasmatische (sekundäre) Störungen führen zu Hämatomen und Gelenkblutungen.
  3. Hämophilie A (Faktor-VIII-Mangel) und B (Faktor-IX-Mangel) sind X-chromosomal-rezessiv vererbt — fast ausschließlich Männer betroffen.
  4. Die DIC (Verbrauchskoagulopathie) ist ein lebensbedrohliches Syndrom mit gleichzeitiger Thrombosierung und hämorrhagischer Diathese.
  5. Bei HIT Typ II muss Heparin sofort gestoppt und durch einen alternativen Antikoagulans (Argatroban, Danaparoid) ersetzt werden.

Fallvignette

Ein 28-jähriger Mann stellt sich mit spontanen Kniegelenkblutungen seit der Kindheit vor. Die Mutter berichtet, sein Onkel mütterlicherseits habe dieselben Probleme. Laborwerte zeigen eine deutlich verlängerte PTT bei normalem Quick/INR und normaler Thrombozytenzahl. Der Mischversuch normalisiert die PTT. Die Diagnose wird durch eine stark erniedrigte Faktor-VIII-Aktivität bestätigt.


Definition

Gerinnungsstörungen bezeichnen angeborene oder erworbene Erkrankungen, bei denen die Blutstillung (Hämostase) durch Störung der thrombozytären Funktion, der plasmatischen Gerinnung oder beider Systeme beeinträchtigt ist. Die Folge ist eine erhöhte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese) oder — im Fall der DIC — ein paradoxes Gleichgewicht zwischen Blutung und Thrombose.


Klassifikation

  • Primäre Hämostase (Thrombozytär, von-Willebrand)
  • Thrombozytopenie (Quantität) oder Thrombozytopathie (Qualität)
  • Von-Willebrand-Syndrom (vWS): häufigste angeborene Blutungsneigung
  • Sekundäre Hämostase (Hämophilie A/B, Vitamin-K-Mangel)
  • Hämophilie A: Faktor-VIII-Mangel (X-chromosomal-rezessiv)
  • Hämophilie B: Faktor-IX-Mangel (X-chromosomal-rezessiv)
  • Vitamin-K-Mangel: Faktor II, VII, IX, X, Protein C/S vermindert
  • Kombiniert (DIC)
  • Disseminierte intravasale Koagulopathie: Verbrauch von Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren
  • Medikamentös induziert (HIT Typ II)
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II: immunvermittelt, paradoxe Thromboseneigung

Ätiologie & Risikofaktoren

Erkrankung Ursache Risikofaktoren
Hämophilie A/B X-chromosomale Mutation (FVIII/FIX-Gen) Positive Familienanamnese (männlich)
von-Willebrand-Syndrom Mutation im vWF-Gen (autosomal) Familienanamnese; Typ 3 schwer
DIC Systemische Aktivierung der Gerinnung Sepsis, Trauma, Malignome, Geburtskomplikationen, Verbrennung
HIT Typ I Direkte Heparin-Thrombozyten-Interaktion (nicht-immunologisch) Heparin-Therapie, bes. unfraktioniert
HIT Typ II IgG-AK gegen PF4-Heparin-Komplex UFH > NMH; 5.–14. Tag nach Heparinbeginn
Vitamin-K-Mangel Mangelnde Zufuhr, Malabsorption, Cumarin-Therapie Cholestase, Antibiotika (Darmflora), Neugeborene

Pathophysiologie (Gerinnungskaskade)

Extrinsischer Weg (Tissue-Factor-Weg) → gemessen durch Quick/INR

Gewebeschaden → Tissue Factor (TF) + Faktor VII
                         ↓
               Faktor X → Xa (gemeinsame Endstrecke)

Intrinsischer Weg (Kontaktaktivierungsweg) → gemessen durch PTT

Kontaktaktivierung → Faktor XII → XI → IX + VIII
                                        ↓
                              Faktor X → Xa (gemeinsame Endstrecke)

Gemeinsame Endstrecke

Faktor Xa + Va → Prothrombinase-Komplex
                         ↓
         Prothrombin (II) → Thrombin (IIa)
                         ↓
         Fibrinogen → Fibrin (+ Faktor XIII → vernetzt)

DIC — Pathomechanismus (Verbrauchskoagulopathie)

  1. Triggerereignis (Sepsis, Trauma, Malignome) → systemische TF-Expression
  2. Exzessive Thrombinbildung → diffuse Mikrothromben → Organischämie
  3. Verbrauch von Thrombozyten, Fibrinogen, Faktor V/VIII/X/XIII
  4. Reaktive Fibrinolyse → Fibrinspaltprodukte (D-Dimere ↑↑)
  5. Ergebnis: gleichzeitig Thrombose (Organversagen) und Blutung (Verbrauch)

HIT Typ II — Immunpathomechanismus

  • Heparin bindet Plättchenfaktor 4 (PF4) → PF4-Heparin-Komplex → Antigen
  • IgG-Antikörper gegen PF4-Heparin → Fcγ-Rezeptor-Aktivierung → Thrombozytenaktivierung
  • Resultat: Thrombozytopenie + paradoxe Hyperkoagulabilität (Thromboseneigung!)

Symptome & Klinik

Vergleichstabelle: Thrombozytäre vs. Plasmatische Blutungsneigung

Merkmal Thrombozytäre Blutung (primäre Hämostase) Plasmatische Blutung (sekundäre Hämostase)
Blutungstyp Petechien, Purpura, Ekchymosen Hämatome (tief), Gelenkblutungen (Hämarthros)
Lokalisation Haut, Schleimhäute Muskeln, Gelenke, tief
Blutungsbeginn Sofort nach Trauma Verzögert (Stunden)
Blutungsdauer Kurz, oberflächlich Lang, anhaltend
Spontanblutungen Häufig bei Schleimhaut/Haut Häufig in Gelenke/Muskeln
Typische Erkrankung ITP, vWS, Thrombozytopathie Hämophilie A/B, Faktorenmangel

Klinische Besonderheiten pro Erkrankung

Hämophilie A/B:

  • Hämarthros (Knie, Ellenbogen, Knöchel) → Arthropathie bei Unbehandlung
  • Muskelblutungen (M. iliopsoas → Leistenschmerz, Nerven-Kompressionssyndrom)
  • ZNS-Blutungen (lebensbedrohlich!)
  • Schweregrad: schwer <1% Faktor, moderat 1–5%, mild 6–40%

von-Willebrand-Syndrom:

  • Schleimhautblutungen (Epistaxis, Menorrhagie, Zahnextraktionsblutung)
  • Typ 1 (75%): quantitativ mild; Typ 2: qualitativ (Varianten); Typ 3: schwer (fast kein vWF)
  • Verlängerte Blutungszeit, oft verlängerte PTT (vWF ist Trägerprotein für FVIII)

DIC:

  • Petechien + tiefe Hämatome gleichzeitig
  • Organversagen durch Mikrothromben (Niere, Lunge, Leber, ZNS)
  • Blutung aus Katheter-Einstichstellen, Wunden

HIT Typ II:

  • Thrombozytensturz um >50% innerhalb von 5–14 Tagen nach Heparinbeginn
  • Paradoxe Thrombosen: TVT, Lungenembolie, arterielle Verschlüsse, Nebennierenvenenthrombose
  • CAVE: Thrombozytenzahl ≥20.000/µl (selten Blutungen, aber häufig Thrombosen!)

Diagnostik

Laborparameter — Übersicht

Parameter Normwert Interpretation
Thrombozytenzahl 150–400 G/l ↓ bei ITP, DIC, HIT II
Blutungszeit (in vivo) <9 min ↑ bei thrombozytärer Störung, vWS
PTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) 25–38 s ↑ bei intrinsischem Weg (FVIII/IX/XI/XII-Mangel), Heparin, Lupus-AK
Quick (Prothrombinzeit) / INR Quick >70% / INR 0,8–1,2 ↑ INR bei extrinsischem Weg (FVII), Cumarin, Vitamin-K-Mangel
Fibrinogen 200–400 mg/dl ↓ bei DIC, Hyperfibrinolyse
D-Dimere <0,5 mg/l ↑↑ bei DIC, Thrombose, Fibrinolyse
Antithrombin III (AT III) 80–120% ↓ bei DIC, Lebererkrankung, Verbrauch
Faktor-VIII-Aktivität 50–150% ↓ bei Hämophilie A, vWS Typ 3
Faktor-IX-Aktivität 50–150% ↓ bei Hämophilie B
vWF-Antigen 50–200% ↓ bei vWS Typ 1+3
vWF-Aktivität (Ristocetin-Kofaktor) 50–200% ↓ bei vWS Typ 1, 2, 3
Mischversuch Normalisierung der PTT Normalisierung → Faktormangel; keine Normalisierung → Inhibitor (AK)

Diagnostischer Algorithmus

Verlängerte PTT bei normalem Quick?
    → Hämophilie A/B, vWS (FVIII-Träger), Heparin, Lupus-Antikoagulans
    → Mischversuch: normalisiert? → Faktormangel → Faktorbestimmung
                    nicht normalisiert? → Inhibitor (AK)

Verlängerter Quick/INR bei normaler PTT?
    → Faktor-VII-Mangel, Cumarin-Therapie, früher Vitamin-K-Mangel

Beide verlängert (PTT + Quick)?
    → Schwerer Faktormangel (gemeinsame Endstrecke), DIC, Lebererkrankung, Vitamin-K-Mangel fortgeschritten

Thrombozytopenie + verlängerte PTT + Quick + D-Dimere ↑ + Fibrinogen ↓?
    → DIC bis Beweis des Gegenteils

HIT-Diagnostik

  • Klinisch: 4T-Score (Thrombozytopenie, Timing, Thrombose, andere Ursachen)
  • Labor: PF4-Heparin-Antikörper-ELISA (sensitiv, wenig spezifisch) → Bestätigung durch Aktivierungstest (HIPA/SRA)

Differentialdiagnosen

Erkrankung PTT Quick/INR Thrombozyten Besonderheit
Hämophilie A normal normal FVIII ↓, Hämarthros
Hämophilie B normal normal FIX ↓, wie Hämophilie A
vWS Typ 1/2 leicht ↑ oder normal normal normal vWF ↓, Schleimhautblutung
DIC D-Dimere ↑↑, Fibrinogen ↓
Vitamin-K-Mangel normal PPSB-Faktoren ↓
Leberzirrhose ↓ (Hypersplenismus) Alle Faktoren ↓ außer FVIII
ITP normal normal ↓↓ Anti-Thrombozyten-AK
HIT Typ II normal normal PF4-AK ↑, Thrombose!
Urämie normal normal normal (Funktion ↓) Thrombozytendysfunktion
Hämophilia acquisita normal normal FVIII-Inhibitor, kein Familienanamnese

Komplikationen

Hämophilie A/B:

  • Hämophile Arthropathie (chronisch-destruktiv, Invalidisierung)
  • Lebensbedrohliche ZNS-, Retroperitoneal- oder Atemwegsblutungen
  • Inhibitorentwicklung (IgG-AK gegen Faktorkonzentrate, 20–30% bei Hämophilie A)

vWS:

DIC:

  • Multiorganversagen (Niere, Lunge → ARDS, Leber, ZNS)
  • Purpura fulminans (schwere Hautekrosen durch Mikrothromben)
  • Letalität hoch, abhängig von Grunderkrankung

HIT Typ II:

  • Tiefe Venenthrombose, Lungenembolie
  • Arterielle Thrombosen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Extremitätenverschluss)
  • Nebennierenvenenthrombose → Nebenniereninsuffizienz
  • Mortalität bei thrombotischen Komplikationen ~20–30%

Therapie

Hämophilie A/B: Faktorsubstitution

Schweregrad Therapiestrategie
Prophylaxe (schwer) Regelmäßige Faktorsubstitution 3×/Woche (FVIII) oder 2×/Woche (FIX)
Blutungsepisode Substitution bis Hämostase-Faktoraktivität >50% (gelenk/muskel) oder >80% (ZNS)
Inhibitorpatienten Bypassing-Agenzien: FEIBA (activated prothrombin complex) oder rFVIIa (NovoSeven)
Neu Emicizumab (bispezifischer AK, imitiert FVIII, subkutan; Hämophilie A)

von-Willebrand-Syndrom: DDAVP, Faktor-VIII/vWF-Konzentrate

  • DDAVP (Desmopressin): Freisetzung von vWF aus Endothelzellen (Weibel-Palade-Körperchen); wirksam bei Typ 1; nicht bei Typ 3; tachyphylaktisch
  • vWF/FVIII-Konzentrate: bei schwerem vWS (Typ 3), vor OPs, bei DDAVP-Versagen
  • Tranexamsäure: Antifibrinolytikum, adjuvant bei Schleimhautblutungen (Epistaxis, Menorrhagie)

DIC: Grunderkrankung behandeln, Heparin, AT-III

  1. Kausaltherapie (Priorität!): Sepsis-Therapie (Antibiotika), Schock-Behandlung, Entbindung bei geburtshilflicher DIC
  2. Substitution bei aktiver Blutung: FFP (frisch gefrorenes Plasma), Fibrinogen-Konzentrat, Thrombozytenkonzentrate
  3. Heparin: nur bei thrombotischer DIC (Mikrothromben) ohne aktive Blutung
  4. Antithrombin III (AT III): Substitution bei AT-III-Verbrauch <70%
  5. Tranexamsäure: kontraindiziert bei Thrombosen/DIC mit thrombotischer Komponente (CAVE!)

HIT II: Heparin sofort stoppen, Argatroban/Danaparoid

  1. Heparin sofort stoppen (auch alle heparinhaltigen Spülungen, Katheter-Beschichtungen)
  2. Alternative Antikoagulation (sofort! Thromboserisiko ohne Antikoagulation sehr hoch):
  3. Argatroban (direkter Thrombininhibitor, hepatisch metabolisiert) → bevorzugt bei Niereninsuffizienz
  4. Danaparoid (Heparinoid, kreuzreaktiv in <10%; renal eliminiert) → bevorzugt bei Leberinsuffizienz
  5. Fondaparinux (off-label, aber in Praxis verwendet)
  6. Kein Warfarin in akuter Phase (Protein-C-Abfall → thrombotische Hautnekrose!)
  7. Keine Thrombozytentransfusion ohne vitale Indikation (Thromboserisiko steigt!)
  8. Übergang zu Cumarin: erst wenn Thrombozyten >150 G/l unter alternatives Antikoagulans

Vitamin-K-Mangel: Vitamin K, PPSB

  • Vitamin K i.v./oral: Wirkungseintritt nach 6–12 Stunden
  • PPSB (Prothrombinkomplex-Konzentrat): Faktoren II, VII, IX, X → sofortige Wirkung bei akuter Blutung oder dringender OP
  • FFP: bei PPSB-Mangel oder kombiniertem Faktorenmangel (große Volumina nötig)

Prognose

Erkrankung Prognose
Hämophilie A/B Gut bei adäquater Prophylaxe; Arthropathie vermeidbar; Inhibitorentwicklung verschlechtert Prognose
vWS Typ 1 Sehr gut; normales Leben möglich
vWS Typ 3 Ähnlich Hämophilie, lebenslange Therapie nötig
DIC Ernst; Letalität 30–80% abhängig von Grunderkrankung und Organversagen
HIT Typ II Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie gut; thrombotische Komplikationen erhöhen Mortalität deutlich

Klinische Perlen

  1. HIT-Paradoxon: Bei HIT Typ II nie Thrombozytenkonzentrate geben — die Thrombozyten werden paradoxerweise aktiviert und erhöhen das Thromboserisiko weiter. Das Heparin-Stopp ist die einzige richtige Erstmaßnahme.

  2. Mischversuch als Schlüsseltest: Wenn eine verlängerte PTT nach Mischung mit Normalplasma (1:1) nicht korrigiert wird, liegt ein Inhibitor vor (z.B. Lupus-Antikoagulans, Faktor-VIII-Antikörper) — kein Faktormangel! Diese Unterscheidung ist prüfungsrelevant.

  3. DIC-Diagnose klinisch denken: Bei einem Patienten mit Sepsis + Thrombozytopenie + verlängerter PTT/Quick + D-Dimere ↑ + Fibrinogen ↓ ist DIC die Arbeitsdiagnose. Die Kausaltherapie (Sepsis behandeln!) hat absolute Priorität vor allen anderen Maßnahmen.

  4. vWF als FVIII-Träger: Der von-Willebrand-Faktor schützt Faktor VIII vor vorzeitigem Abbau. Daher ist bei vWS Typ 3 (kein vWF) auch FVIII deutlich erniedrigt → PTT verlängert → klinisch ähnlich wie milde Hämophilie A!

  5. Cumarin und HIT: Bei HIT Typ II darf Cumarin (Warfarin/Phenprocoumon) erst begonnen werden, wenn die Thrombozyten >150 G/l sind. Frühzeitiger Cumarin-Einsatz supprimiert Protein C → paradoxe Hautthrombosen (Warfarin-Nekrose)!


Prüfungstipps

Wichtige Prüfungsthemen für die Kenntnisprüfung/FSP:

  • PTT ↑ + Quick normal + Thrombozyten normal → immer an Hämophilie A/B oder vWS denken
  • PTT ↑ + Quick ↑ + Thrombozyten ↓ + D-Dimere ↑ → DIC (häufigste Kombination im Examen)
  • Thrombozytensturz nach 5–14 Tagen Heparin + Thrombose → HIT Typ II → Heparin SOFORT stoppen
  • Quick ↑ + PTT normal → Faktor-VII-Mangel (extrinsischer Weg, kürzeste HWZ) oder frühes Vitamin-K-Mangel-Stadium
  • Hämarthros + X-chromosomal + Männer → Hämophilie A (FVIII) oder B (FIX)
  • Schleimhautblutung + Epistaxis + Menorrhagie + familiär → von-Willebrand-Syndrom
  • DDAVP wirkt nur bei vWS Typ 1 (Weibel-Palade-Körperchen haben noch vWF-Reserven)
  • Mischversuch: normalisiert sich die PTT? Ja = Faktormangel. Nein = Inhibitor (AK)
  • DIC-Therapie: erst Grunderkrankung behandeln — alles andere ist supportiv
  • HIT-Alternativen: Argatroban bei Niereninsuffizienz, Danaparoid bei Leberinsuffizienz

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Hämostase Gesamter Prozess der Blutstillung: primär (Thrombozyten) + sekundär (Gerinnung) + Fibrinolyse
Hämarthros Blutung in einen Gelenkraum; typisch bei Hämophilie
PTT Aktivierte partielle Thromboplastinzeit; misst intrinsischen Weg (FVIII, FIX, FXI, FXII) und Heparin
Quick/INR Prothrombinzeit; misst extrinsischen Weg (FVII) + gemeinsame Endstrecke (FX, FV, FII) + Cumarin
Mischversuch Mischung von Patientenplasma mit Normalplasma; normalisiert sich PTT → Faktormangel; bleibt verlängert → Inhibitor
Verbrauchskoagulopathie (DIC) Systemische Gerinnung → Verbrauch aller Faktoren und Thrombozyten → Blutung und Thrombose
PF4 (Plättchenfaktor 4) Chemokine, das bei HIT II mit Heparin einen Antigen-Komplex bildet
DDAVP (Desmopressin) Vasopressin-Analogon → Freisetzung von vWF aus Endothelzellen; Therapie bei vWS Typ 1
PPSB Prothrombinkomplex-Konzentrat; enthält Faktoren II, VII, IX, X; sofortige Wirkung bei Vitamin-K-Mangel-Blutung
Bypassing-Agenzien FEIBA oder rFVIIa; umgehen den blockierten Faktor bei Inhibitorpatienten (Hämophilie)
Inhibitor IgG-Antikörper gegen Gerinnungsfaktor (v.a. FVIII); entstehen nach Faktorexposition
4T-Score Klinisches Scoring-System zur HIT-II-Wahrscheinlichkeit: Thrombozytopenie, Timing, Thrombose, andere Ursachen
Fibrinolyse Abbau von Fibrin durch Plasmin; physiologisch; bei DIC reaktiv verstärkt → D-Dimere ↑
Tissue Factor (TF) Membranprotein, das bei Gefäßverletzung FVII aktiviert → extrinsischer Weg; überexprimiert bei DIC-Trigger
Weibel-Palade-Körperchen Speicherorganellen in Endothelzellen; enthalten vWF und FVIII; Freisetzung durch DDAVP

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Gerinnungsstörungen bezeichnen angeborene oder erworbene Erkrankungen, bei denen die Blutstillung (Hämostase) durch Störung der thrombozytären Funktion, der plasmatischen Gerinnung oder beider Systeme beeinträchtigt ist. Die Folge ist eine erhöhte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese) oder — im Fall der DIC — ein paradoxes Gleichgewicht zwischen Blutung und Thrombose.


Ätiologie 🔗

Erkrankung Ursache Risikofaktoren
Hämophilie A/B X-chromosomale Mutation (FVIII/FIX-Gen) Positive Familienanamnese (männlich)
von-Willebrand-Syndrom Mutation im vWF-Gen (autosomal) Familienanamnese; Typ 3 schwer
DIC Systemische Aktivierung der Gerinnung Sepsis, Trauma, Malignome, Geburtskomplikationen, Verbrennung
HIT Typ I Direkte Heparin-Thrombozyten-Interaktion (nicht-immunologisch) Heparin-Therapie, bes. unfraktioniert
HIT Typ II IgG-AK gegen PF4-Heparin-Komplex UFH > NMH; 5.–14. Tag nach Heparinbeginn
Vitamin-K-Mangel Mangelnde Zufuhr, Malabsorption, Cumarin-Therapie Cholestase, Antibiotika (Darmflora), Neugeborene

Pathophysiologie 🔗

Extrinsischer Weg (Tissue-Factor-Weg) → gemessen durch Quick/INR

Gewebeschaden → Tissue Factor (TF) + Faktor VII
                         ↓
               Faktor X → Xa (gemeinsame Endstrecke)

Intrinsischer Weg (Kontaktaktivierungsweg) → gemessen durch PTT

Kontaktaktivierung → Faktor XII → XI → IX + VIII
                                        ↓
                              Faktor X → Xa (gemeinsame Endstrecke)

Gemeinsame Endstrecke

Faktor Xa + Va → Prothrombinase-Komplex
                         ↓
         Prothrombin (II) → Thrombin (IIa)
                         ↓
         Fibrinogen → Fibrin (+ Faktor XIII → vernetzt)

DIC — Pathomechanismus (Verbrauchskoagulopathie)

  1. Triggerereignis (Sepsis, Trauma, Malignome) → systemische TF-Expression
  2. Exzessive Thrombinbildung → diffuse Mikrothromben → Organischämie
  3. Verbrauch von Thrombozyten, Fibrinogen, Faktor V/VIII/X/XIII
  4. Reaktive Fibrinolyse → Fibrinspaltprodukte (D-Dimere ↑↑)
  5. Ergebnis: gleichzeitig Thrombose (Organversagen) und Blutung (Verbrauch)

HIT Typ II — Immunpathomechanismus

  • Heparin bindet Plättchenfaktor 4 (PF4) → PF4-Heparin-Komplex → Antigen
  • IgG-Antikörper gegen PF4-Heparin → Fcγ-Rezeptor-Aktivierung → Thrombozytenaktivierung
  • Resultat: Thrombozytopenie + paradoxe Hyperkoagulabilität (Thromboseneigung!)

Symptome & Klinik 🔗

  • Primäre Hämostase (Thrombozytär, von-Willebrand)
  • Thrombozytopenie (Quantität) oder Thrombozytopathie (Qualität)
  • Von-Willebrand-Syndrom (vWS): häufigste angeborene Blutungsneigung
  • Sekundäre Hämostase (Hämophilie A/B, Vitamin-K-Mangel)
  • Hämophilie A: Faktor-VIII-Mangel (X-chromosomal-rezessiv)
  • Hämophilie B: Faktor-IX-Mangel (X-chromosomal-rezessiv)
  • Vitamin-K-Mangel: Faktor II, VII, IX, X, Protein C/S vermindert
  • Kombiniert (DIC)
  • Disseminierte intravasale Koagulopathie: Verbrauch von Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren
  • Medikamentös induziert (HIT Typ II)
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II: immunvermittelt, paradoxe Thromboseneigung

Vergleichstabelle: Thrombozytäre vs. Plasmatische Blutungsneigung

Merkmal Thrombozytäre Blutung (primäre Hämostase) Plasmatische Blutung (sekundäre Hämostase)
Blutungstyp Petechien, Purpura, Ekchymosen Hämatome (tief), Gelenkblutungen (Hämarthros)
Lokalisation Haut, Schleimhäute Muskeln, Gelenke, tief
Blutungsbeginn Sofort nach Trauma Verzögert (Stunden)
Blutungsdauer Kurz, oberflächlich Lang, anhaltend
Spontanblutungen Häufig bei Schleimhaut/Haut Häufig in Gelenke/Muskeln
Typische Erkrankung ITP, vWS, Thrombozytopathie Hämophilie A/B, Faktorenmangel

Klinische Besonderheiten pro Erkrankung

Hämophilie A/B:

  • Hämarthros (Knie, Ellenbogen, Knöchel) → Arthropathie bei Unbehandlung
  • Muskelblutungen (M. iliopsoas → Leistenschmerz, Nerven-Kompressionssyndrom)
  • ZNS-Blutungen (lebensbedrohlich!)
  • Schweregrad: schwer <1% Faktor, moderat 1–5%, mild 6–40%

von-Willebrand-Syndrom:

  • Schleimhautblutungen (Epistaxis, Menorrhagie, Zahnextraktionsblutung)
  • Typ 1 (75%): quantitativ mild; Typ 2: qualitativ (Varianten); Typ 3: schwer (fast kein vWF)
  • Verlängerte Blutungszeit, oft verlängerte PTT (vWF ist Trägerprotein für FVIII)

DIC:

  • Petechien + tiefe Hämatome gleichzeitig
  • Organversagen durch Mikrothromben (Niere, Lunge, Leber, ZNS)
  • Blutung aus Katheter-Einstichstellen, Wunden

HIT Typ II:

  • Thrombozytensturz um >50% innerhalb von 5–14 Tagen nach Heparinbeginn
  • Paradoxe Thrombosen: TVT, Lungenembolie, arterielle Verschlüsse, Nebennierenvenenthrombose
  • CAVE: Thrombozytenzahl ≥20.000/µl (selten Blutungen, aber häufig Thrombosen!)

Diagnostik 🔗

Laborparameter — Übersicht

Parameter Normwert Interpretation
Thrombozytenzahl 150–400 G/l ↓ bei ITP, DIC, HIT II
Blutungszeit (in vivo) <9 min ↑ bei thrombozytärer Störung, vWS
PTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) 25–38 s ↑ bei intrinsischem Weg (FVIII/IX/XI/XII-Mangel), Heparin, Lupus-AK
Quick (Prothrombinzeit) / INR Quick >70% / INR 0,8–1,2 ↑ INR bei extrinsischem Weg (FVII), Cumarin, Vitamin-K-Mangel
Fibrinogen 200–400 mg/dl ↓ bei DIC, Hyperfibrinolyse
D-Dimere <0,5 mg/l ↑↑ bei DIC, Thrombose, Fibrinolyse
Antithrombin III (AT III) 80–120% ↓ bei DIC, Lebererkrankung, Verbrauch
Faktor-VIII-Aktivität 50–150% ↓ bei Hämophilie A, vWS Typ 3
Faktor-IX-Aktivität 50–150% ↓ bei Hämophilie B
vWF-Antigen 50–200% ↓ bei vWS Typ 1+3
vWF-Aktivität (Ristocetin-Kofaktor) 50–200% ↓ bei vWS Typ 1, 2, 3
Mischversuch Normalisierung der PTT Normalisierung → Faktormangel; keine Normalisierung → Inhibitor (AK)

Diagnostischer Algorithmus

Verlängerte PTT bei normalem Quick?
    → Hämophilie A/B, vWS (FVIII-Träger), Heparin, Lupus-Antikoagulans
    → Mischversuch: normalisiert? → Faktormangel → Faktorbestimmung
                    nicht normalisiert? → Inhibitor (AK)

Verlängerter Quick/INR bei normaler PTT?
    → Faktor-VII-Mangel, Cumarin-Therapie, früher Vitamin-K-Mangel

Beide verlängert (PTT + Quick)?
    → Schwerer Faktormangel (gemeinsame Endstrecke), DIC, Lebererkrankung, Vitamin-K-Mangel fortgeschritten

Thrombozytopenie + verlängerte PTT + Quick + D-Dimere ↑ + Fibrinogen ↓?
    → DIC bis Beweis des Gegenteils

HIT-Diagnostik

  • Klinisch: 4T-Score (Thrombozytopenie, Timing, Thrombose, andere Ursachen)
  • Labor: PF4-Heparin-Antikörper-ELISA (sensitiv, wenig spezifisch) → Bestätigung durch Aktivierungstest (HIPA/SRA)

Differentialdiagnosen 🔗

Erkrankung PTT Quick/INR Thrombozyten Besonderheit
Hämophilie A normal normal FVIII ↓, Hämarthros
Hämophilie B normal normal FIX ↓, wie Hämophilie A
vWS Typ 1/2 leicht ↑ oder normal normal normal vWF ↓, Schleimhautblutung
DIC D-Dimere ↑↑, Fibrinogen ↓
Vitamin-K-Mangel normal PPSB-Faktoren ↓
Leberzirrhose ↓ (Hypersplenismus) Alle Faktoren ↓ außer FVIII
ITP normal normal ↓↓ Anti-Thrombozyten-AK
HIT Typ II normal normal PF4-AK ↑, Thrombose!
Urämie normal normal normal (Funktion ↓) Thrombozytendysfunktion
Hämophilia acquisita normal normal FVIII-Inhibitor, kein Familienanamnese

Therapie 🔗

Hämophilie A/B: Faktorsubstitution

Schweregrad Therapiestrategie
Prophylaxe (schwer) Regelmäßige Faktorsubstitution 3×/Woche (FVIII) oder 2×/Woche (FIX)
Blutungsepisode Substitution bis Hämostase-Faktoraktivität >50% (gelenk/muskel) oder >80% (ZNS)
Inhibitorpatienten Bypassing-Agenzien: FEIBA (activated prothrombin complex) oder rFVIIa (NovoSeven)
Neu Emicizumab (bispezifischer AK, imitiert FVIII, subkutan; Hämophilie A)

von-Willebrand-Syndrom: DDAVP, Faktor-VIII/vWF-Konzentrate

  • DDAVP (Desmopressin): Freisetzung von vWF aus Endothelzellen (Weibel-Palade-Körperchen); wirksam bei Typ 1; nicht bei Typ 3; tachyphylaktisch
  • vWF/FVIII-Konzentrate: bei schwerem vWS (Typ 3), vor OPs, bei DDAVP-Versagen
  • Tranexamsäure: Antifibrinolytikum, adjuvant bei Schleimhautblutungen (Epistaxis, Menorrhagie)

DIC: Grunderkrankung behandeln, Heparin, AT-III

  1. Kausaltherapie (Priorität!): Sepsis-Therapie (Antibiotika), Schock-Behandlung, Entbindung bei geburtshilflicher DIC
  2. Substitution bei aktiver Blutung: FFP (frisch gefrorenes Plasma), Fibrinogen-Konzentrat, Thrombozytenkonzentrate
  3. Heparin: nur bei thrombotischer DIC (Mikrothromben) ohne aktive Blutung
  4. Antithrombin III (AT III): Substitution bei AT-III-Verbrauch <70%
  5. Tranexamsäure: kontraindiziert bei Thrombosen/DIC mit thrombotischer Komponente (CAVE!)

HIT II: Heparin sofort stoppen, Argatroban/Danaparoid

  1. Heparin sofort stoppen (auch alle heparinhaltigen Spülungen, Katheter-Beschichtungen)
  2. Alternative Antikoagulation (sofort! Thromboserisiko ohne Antikoagulation sehr hoch):
  3. Argatroban (direkter Thrombininhibitor, hepatisch metabolisiert) → bevorzugt bei Niereninsuffizienz
  4. Danaparoid (Heparinoid, kreuzreaktiv in <10%; renal eliminiert) → bevorzugt bei Leberinsuffizienz
  5. Fondaparinux (off-label, aber in Praxis verwendet)
  6. Kein Warfarin in akuter Phase (Protein-C-Abfall → thrombotische Hautnekrose!)
  7. Keine Thrombozytentransfusion ohne vitale Indikation (Thromboserisiko steigt!)
  8. Übergang zu Cumarin: erst wenn Thrombozyten >150 G/l unter alternatives Antikoagulans

Vitamin-K-Mangel: Vitamin K, PPSB

  • Vitamin K i.v./oral: Wirkungseintritt nach 6–12 Stunden
  • PPSB (Prothrombinkomplex-Konzentrat): Faktoren II, VII, IX, X → sofortige Wirkung bei akuter Blutung oder dringender OP
  • FFP: bei PPSB-Mangel oder kombiniertem Faktorenmangel (große Volumina nötig)

Komplikationen 🔗

Hämophilie A/B:

  • Hämophile Arthropathie (chronisch-destruktiv, Invalidisierung)
  • Lebensbedrohliche ZNS-, Retroperitoneal- oder Atemwegsblutungen
  • Inhibitorentwicklung (IgG-AK gegen Faktorkonzentrate, 20–30% bei Hämophilie A)

vWS:

  • Menorrhagie → Eisenmangelanämie
  • Perioperative/postpartale Blutungen

DIC:

  • Multiorganversagen (Niere, Lunge → ARDS, Leber, ZNS)
  • Purpura fulminans (schwere Hautekrosen durch Mikrothromben)
  • Letalität hoch, abhängig von Grunderkrankung

HIT Typ II:

  • Tiefe Venenthrombose, Lungenembolie
  • Arterielle Thrombosen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Extremitätenverschluss)
  • Nebennierenvenenthrombose → Nebenniereninsuffizienz
  • Mortalität bei thrombotischen Komplikationen ~20–30%

Prognose 🔗

Erkrankung Prognose
Hämophilie A/B Gut bei adäquater Prophylaxe; Arthropathie vermeidbar; Inhibitorentwicklung verschlechtert Prognose
vWS Typ 1 Sehr gut; normales Leben möglich
vWS Typ 3 Ähnlich Hämophilie, lebenslange Therapie nötig
DIC Ernst; Letalität 30–80% abhängig von Grunderkrankung und Organversagen
HIT Typ II Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie gut; thrombotische Komplikationen erhöhen Mortalität deutlich

✨ Clinical Pearls

1. **HIT-Paradoxon**: Bei HIT Typ II nie Thrombozytenkonzentrate geben — die Thrombozyten werden paradoxerweise aktiviert und erhöhen das Thromboserisiko weiter. Das Heparin-Stopp ist die einzige richtige Erstmaßnahme.

2. **Mischversuch als Schlüsseltest**: Wenn eine verlängerte PTT nach Mischung mit Normalplasma (1:1) nicht korrigiert wird, liegt ein Inhibitor vor (z.B. Lupus-Antikoagulans, Faktor-VIII-Antikörper) — kein Faktormangel! Diese Unterscheidung ist prüfungsrelevant.

3. **DIC-Diagnose klinisch denken**: Bei einem Patienten mit Sepsis + Thrombozytopenie + verlängerter PTT/Quick + D-Dimere ↑ + Fibrinogen ↓ ist DIC die Arbeitsdiagnose. Die Kausaltherapie (Sepsis behandeln!) hat absolute Priorität vor allen anderen Maßnahmen.

4. **vWF als FVIII-Träger**: Der von-Willebrand-Faktor schützt Faktor VIII vor vorzeitigem Abbau. Daher ist bei vWS Typ 3 (kein vWF) auch FVIII deutlich erniedrigt → PTT verlängert → klinisch ähnlich wie milde Hämophilie A!

5. **Cumarin und HIT**: Bei HIT Typ II darf Cumarin (Warfarin/Phenprocoumon) erst begonnen werden, wenn die Thrombozyten >150 G/l sind. Frühzeitiger Cumarin-Einsatz supprimiert Protein C → paradoxe Hautthrombosen (Warfarin-Nekrose)!

Prüfungstipps

  • Wichtige Prüfungsthemen für die Kenntnisprüfung/FSP:
  • - PTT ↑ + Quick normal + Thrombozyten normal → immer an Hämophilie A/B oder vWS denken
  • - PTT ↑ + Quick ↑ + Thrombozyten ↓ + D-Dimere ↑ → DIC (häufigste Kombination im Examen)
  • - Thrombozytensturz nach 5–14 Tagen Heparin + Thrombose → HIT Typ II → Heparin SOFORT stoppen
  • - Quick ↑ + PTT normal → Faktor-VII-Mangel (extrinsischer Weg, kürzeste HWZ) oder frühes Vitamin-K-Mangel-Stadium
  • - Hämarthros + X-chromosomal + Männer → Hämophilie A (FVIII) oder B (FIX)
  • - Schleimhautblutung + Epistaxis + Menorrhagie + familiär → von-Willebrand-Syndrom
  • - DDAVP wirkt nur bei vWS Typ 1 (Weibel-Palade-Körperchen haben noch vWF-Reserven)
  • - Mischversuch: normalisiert sich die PTT? Ja = Faktormangel. Nein = Inhibitor (AK)
  • - DIC-Therapie: erst Grunderkrankung behandeln — alles andere ist supportiv
  • - HIT-Alternativen: Argatroban bei Niereninsuffizienz, Danaparoid bei Leberinsuffizienz

Schlüsselbegriffe

BegriffHämostaseHämarthrosPTTQuick/INRMischversuchVerbrauchskoagulopathie (DIC)PF4 (Plättchenfaktor 4)DDAVP (Desmopressin)PPSBBypassing-AgenzienInhibitor4T-ScoreFibrinolyseTissue Factor (TF)Weibel-Palade-Körperchen

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