★★ Wichtig Hämatologie 20 Min.

Eisenmangelanämie

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Eisenmangel ist weltweit die häufigste Mangelerkrankung — Eisenmangelanämie macht 80 % aller Anämien aus
  • 2. Drei Stadien: Eisenmangel → eisendefizitäre Erythropoese → manifeste Eisenmangelanämie
  • 3. Leitsymptome: allgemeine Anämiesymptome + spezifische Zeichen (Mundwinkelrhagaden, Plummer-Vinson-Syndrom)
  • 4. Diagnostik: Ferritin↓ ist sensitiver als Serumeisen — Schlüsselbefund
  • 5. Therapie: Ursache suchen + orales Fe²⁺ für 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung

Fallvignette

Eine 28-jährige Patientin stellt sich vor mit Leistungsminderung, Haarausfall und rissigen Mundwinkeln seit 3 Monaten.

Sie ist Vegetarierin und berichtet über starke Regelblutungen. Körperliche Untersuchung: Blässe der Konjunktiven, Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel. RR 110/70 mmHg, HF 92/min. Labor: Hb 9,1 g/dL, MCV 68 fL, MCH 21 pg, Ferritin 4 µg/L, Serumeisen 5 µmol/L (Norm 10–30), Transferrinsättigung 7 %, CRP normal.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Eisenmangelanämie

Auf einen Blick

  1. Eisenmangel ist weltweit die häufigste Mangelerkrankung — Eisenmangelanämie macht 80 % aller Anämien aus
  2. Drei Stadien: Eisenmangel → eisendefizitäre Erythropoese → manifeste Eisenmangelanämie
  3. Leitsymptome: allgemeine Anämiesymptome + spezifische Zeichen (Mundwinkelrhagaden, Plummer-Vinson-Syndrom)
  4. Diagnostik: Ferritin↓ ist sensitiver als Serumeisen — Schlüsselbefund
  5. Therapie: Ursache suchen + orales Fe²⁺ für 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung

Fallvignette

Eine 28-jährige Patientin stellt sich vor mit Leistungsminderung, Haarausfall und rissigen Mundwinkeln seit 3 Monaten.

Sie ist Vegetarierin und berichtet über starke Regelblutungen. Körperliche Untersuchung: Blässe der Konjunktiven, Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel. RR 110/70 mmHg, HF 92/min. Labor: Hb 9,1 g/dL, MCV 68 fL, MCH 21 pg, Ferritin 4 µg/L, Serumeisen 5 µmol/L (Norm 10–30), Transferrinsättigung 7 %, CRP normal.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition & Stadien

Fortschreitender Prozess in drei Stadien:

Stadium Befund
Eisenmangel Ferritin↓ — Körpereisenspeicher leer, Hb noch normal
Eisendefizitäre Erythropoese Ferritin↓, Transferrinsättigung↓, sTfR↑, Retikulozyten↓
Manifeste Eisenmangelanämie Hb↓, Erythrozyten↓, Hämatokrit↓, MCV↓, MCH↓ — mikrozytär, hypochrom

Ätiologie

Mangelhafte Eisenaufnahme

  • Mangelernährung, vegane/vegetarische Ernährung
  • Achlorhydrie (z.B. nach Magenresektion) → Fe³⁺ wird nicht zu Fe²⁺ reduziert
  • Ausschaltung des Duodenums (Y-Roux-Rekonstruktion)
  • Malabsorption (Morbus Crohn, Zöliakie)

Erhöhter Eisenbedarf

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Wachstumsphase

Eisenverluste

  • Gastrointestinale Blutungen (häufigste Ursache bei Männern!)
  • Hypermenorrhö / Menorrhagie (häufigste Ursache bei Frauen!)

Eisenverwertungsstörung

  • Chronische Erkrankungen (Morbus Crohn, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Malignome)

Merkhilfe: Bei Männern immer nach gastrointestinaler Blutungsquelle suchen — Eisenmangelanämie beim Mann ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Kolonkarzinom!


Pathophysiologie

  • Eisen wird fast ausschließlich als Fe²⁺ (zweiwertiges Eisen) im Duodenum und proximalen Jejunum resorbiert
  • Bei Mangel: verminderte Hämoglobinsynthese durch reduzierten Einbau von Eisen in die Häm-Moleküle
  • Ferritin (intrazellulärer Eisenspeicher) ist bei echtem Eisenmangel immer erniedrigt

Symptome & Klinik

Allgemeine Anämiesymptome

  • Blässe von Haut und Schleimhäuten
  • Ermüdbarkeit, Belastungsdyspnoe, Tachykardie

Spezifische Symptome der Eisenmangelanämie

  • Mundwinkelrhagaden (Rhagaden = Einrisse)
  • Rezidivierende Aphthen der Mundschleimhaut
  • Plummer-Vinson-Syndrom: Atrophie der Schleimhaut von Mund, Pharynx und Ösophagus → brennende Zunge + Dysphagie
  • Nagelbrüchigkeit und Haarausfall
  • Kognitive Defizite (insbesondere bei Kindern)

Diagnostik

Labor

Parameter Befund bei Eisenmangelanämie
Hämoglobin
MCV, MCH ↓ (mikrozytär, hypochrom)
Ferritin (Normalwert: ♀ 15–100 μg/L, ♂ 30–100 μg/L)
Transferrinsättigung
Transferrin
sTfR (löslicher Transferrinrezeptor)
Retikulozytenzahl

Blutausstrich

  • Poikilozytose (unterschiedlich geformte Erythrozyten)
  • Anisozytose (unterschiedlich große Erythrozyten)

Differenzierung der hypochromen Anämien

Parameter Eisenmangel ACD Thalassämie MDS
Ferritin ↔/↑ ↔/↑ ↔/↑
Transferrinsättigung ↔/↓ ↔/↑
sTfR ↔/↑

Achtung: Bei gleichzeitiger chronischer Entzündung kann Ferritin trotz echtem Eisenmangel erhöht sein → dann sTfR bestimmen (erhöhtes Ferritin schließt Eisenmangel nicht aus!)

Abklärung der Blutungsquelle

Verdacht Methode
Gastrointestinal Stuhltest auf okkultes Blut (Haemoccult), ÖGD, Koloskopie
Urologisch Urin-Stix, Zystoskopie
Gynäkologisch Vaginale Sonographie

Therapie

1. Kausale Therapie

  • Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Ulkus, Kolonkarzinom)
  • Ernährungsumstellung: eisenreiche Kost (Linsen, Rindfleisch, Hülsenfrüchte)

2. Orale Eisensubstitution (1. Wahl)

  • Zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) — weit besser resorbiert als Fe³⁺
  • Nüchterneinnahme oder ausreichender Abstand zur Mahlzeit
  • Dauer: 3–6 Monate nach Normalisierung des Hb-Wertes (Speicher auffüllen!)
  • Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Obstipation, Schwarzfärbung des Stuhls (harmlos!)

3. Parenterale Eisensubstitution (i.v. Fe³⁺)

  • Indikation: orale Unverträglichkeit oder Eisenresorptionsstörung
  • Nebenwirkungen: allergische Reaktionen (bis zum anaphylaktischen Schock!), Phlebitis, Hypotonie

Therapiekontrolle

Zeitpunkt Parameter Zielwert
Nach 4 Wochen Hb Anstieg um ≥ 2 g/dL
4 Wochen nach letzter Eiseneinnahme Ferritin 100 μg/L
Alle 3 Monate für 1 Jahr Blutbild + Ferritin Normwerte

Klinische Perlen

1. Ferritin ist der wichtigste Laborparameter! Sensitiver als Serumeisen. Unterscheidet zuverlässig Eisenmangel (↓) von ACD (↑) — außer bei gleichzeitiger Entzündung.

2. Immer nach der Ursache suchen! Eine Eisenmangelanämie beim Mann oder in der Postmenopause ist ein Alarmsignal — gastrointestinale Blutungsquelle (Kolonkarzinom!) ausschließen.

3. Stuhl wird schwarz unter Eisentherapie — das ist kein Blut und harmlos. Wichtig, dem Patienten mitzuteilen, damit er nicht erschrickt.

4. Plummer-Vinson-Syndrom: Triade Eisenmangelanämie + Dysphagie + Mundschleimhautatrophie — erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom.


Prüfungstipps

  • Ferritin↓ + MCV↓ + MCH↓ = klassische Eisenmangelanämie — diese Kombination sicher erkennen
  • Dauer der Therapie: 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung — nicht früher absetzen!
  • Orale Einnahme: nüchtern, zweiwertiges Eisen, schwarzer Stuhl als erwartete NW
  • Plummer-Vinson-Syndrom als spezifisches klinisches Zeichen — Prüfungsklassiker

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Ferritin Intrazelluläres Eisenspeicherprotein — bestes Maß für Körpereisenspeicher
Transferrin Eisentransportprotein im Plasma — bei Eisenmangel erhöht (kompensatorisch)
sTfR Löslicher Transferrinrezeptor — erhöht bei echtem Eisenmangel, auch bei Entzündung
Plummer-Vinson-Syndrom Eisenmangelkomplikation: Dysphagie + Mundschleimhautatrophie
Poikilozytose Unterschiedlich geformte Erythrozyten im Blutausstrich
Anisozytose Unterschiedlich große Erythrozyten im Blutausstrich

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Komplikationen

Die Eisenmangelanämie kann bei unzureichender Behandlung oder bei schwerer Ausprägung zu klinisch relevanten Komplikationen führen, die multiple Organsysteme betreffen:

  • Kardiovaskuläre Komplikationen: Kompensatorische Tachykardie, erhöhtes Herzminutenvolumen; bei schwerer Anämie (Hb < 7 g/dl) Risiko für Herzinsuffizienz, Angina pectoris und Myokardinfarkt (insbesondere bei vorbestehender KHK)
  • Pica-Syndrom: Pathologischer Hunger nach Erde, Eis, Kreide (Pagophagie, Geophagie) – pathognomonisch für Eisenmangel
  • Plummer-Vinson-Syndrom: Dysphagie durch ösophageale Membranen + Glossitis + Eisenmangelanämie – leicht erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom
  • Kognitive Beeinträchtigung: Konzentrationsstörungen, Fatigue, beeinträchtigte Neurotransmittersynthese (Eisen als Kofaktor)
  • Immunschwäche: Eisen ist essenziell für Lymphozytenproliferation und Phagozytenaktivität – erhöhte Infektanfälligkeit
  • Schwangerschaftskomplikationen: Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, postpartale Depression bei unbehandeltem Eisenmangel
  • Restless-Legs-Syndrom: Assoziation mit Eisenmangel, besonders bei niedrigem Ferritin (< 50 µg/l)
  • Diagnostische Fehler: Übersehen der zugrunde liegenden Blutungsquelle (Kolorektales Karzinom!) – Eisenmangelanämie bei Männern und postmenopausalen Frauen immer abklären

Prognose

Die Prognose der Eisenmangelanämie ist bei Behandlung der Grundursache und adäquater Eisensubstitution in der Regel sehr gut.

  • Ansprechen auf Therapie: Hb-Anstieg beginnt nach 1–2 Wochen oraler Eisentherapie; Normalisierung der Eisenspeicher (Ferritin) dauert 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung
  • Orale Therapie: Eisensulfat 100–200 mg Fe²⁺/Tag; bei Unverträglichkeit oder Resorptionsstörung (z.B. nach Magenresektion, CED) → i.v. Eisensubstitution
  • Rezidivrisiko: Hoch, wenn die Grundursache nicht beseitigt wird (z.B. persistierende Blutungsquelle, anhaltende Fehlernährung)
  • Kinder und Schwangere: Spezifische Supplementierungsziele; Eisenmangel in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für kognitive Entwicklungsstörungen des Kindes
  • Wichtig im KP-Kontext: Bei Eisenmangelanämie bei Männern oder postmenopausalen Frauen immer Koloskopie zum Ausschluss eines kolorektalen Karzinoms veranlassen

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Komplikationen

  • Kardiovaskuläre Komplikationen: Chronisch schwere Anämie führt zu kompensatorischer Tachykardie, Herzdilatation und bei langem Verlauf zu High-Output-Herzinsuffizienz; erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
  • Pica-Syndrom: Krankhafte Gelüste nach Nicht-Nahrungsmitteln (Erde, Kreide, Eis = Pagophagie) — charakteristisches Begleitsymptom des Eisenmangels
  • Plummer-Vinson-Syndrom (Patterson-Kelly-Syndrom): Eisenmangelanämie + Dysphagie + Ösophagusschleimhautveränderungen (Sideropenic dysphagia) — Vorstufe des Ösophaguskarzinoms, v.a. bei Frauen
  • Beeinträchtigte kognitive Funktion: Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung, Gedächtniseinschränkungen — besonders bei Kindern kritisch für die Entwicklung
  • Verminderte Immunfunktion: Erhöhte Infektanfälligkeit durch beeinträchtigte Funktion von Neutrophilen und lymphozytäre Immunantwort
  • Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit: Reduzierte Sauerstofftransportkapazität, schnelle Erschöpfung bei Belastung
  • Perinatale Risiken: Schwerer mütterlicher Eisenmangel assoziiert mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und beeinträchtigter neurologischer Entwicklung beim Kind

Prognose

Bei adäquater Eisensubstitution und Therapie der zugrundeliegenden Ursache ist die Eisenmangelanämie gut reversibel. Die Hämoglobin-Normalisierung erfolgt unter oraler Eisentherapie (Ferrosulfat, Ferrogluconate 2–3 × tgl. vor den Mahlzeiten) typischerweise innerhalb von 4–8 Wochen. Die Eisenspeicher sind erst nach weiteren 3–6 Monaten vollständig aufgefüllt (Ferritin-Normalisierung).

Entscheidend für die langfristige Prognose ist die Behandlung der Ursache des Eisenmangels:

  • Okkulte gastrointestinale Blutung (Karzinom, Ulcus) → Koloskopie/Gastroskopie obligat beim Erwachsenen
  • Malabsorption (Zöliakie) → glutenfreie Diät
  • Menorrhagie → gynäkologische Behandlung

Bei intravenöser Eisentherapie (z.B. Eisencarboxymaltose bei Unverträglichkeit oraler Präparate oder schnellem Auffüllbedarf) erfolgt eine raschere Korrektur. Regelmäßige Verlaufskontrollen (BB, Ferritin, Transferrinsättigung) sind bis zur Normalisierung notwendig.

Komplikationen

  • Kardiovaskuläre Komplikationen: Chronisch schwere Anämie führt zu kompensatorischer Tachykardie, Herzdilatation und bei langem Verlauf zu High-Output-Herzinsuffizienz; erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
  • Pica-Syndrom: Krankhafte Gelüste nach Nicht-Nahrungsmitteln (Erde, Kreide, Eis = Pagophagie) — charakteristisches Begleitsymptom des Eisenmangels
  • Plummer-Vinson-Syndrom (Patterson-Kelly-Syndrom): Eisenmangelanämie + Dysphagie + Ösophagusschleimhautveränderungen (Sideropenic dysphagia) — Vorstufe des Ösophaguskarzinoms, v.a. bei Frauen
  • Beeinträchtigte kognitive Funktion: Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung, Gedächtniseinschränkungen — besonders bei Kindern kritisch für die Entwicklung
  • Verminderte Immunfunktion: Erhöhte Infektanfälligkeit durch beeinträchtigte Funktion von Neutrophilen und lymphozytäre Immunantwort
  • Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit: Reduzierte Sauerstofftransportkapazität, schnelle Erschöpfung bei Belastung
  • Perinatale Risiken: Schwerer mütterlicher Eisenmangel assoziiert mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und beeinträchtigter neurologischer Entwicklung beim Kind

Prognose

Bei adäquater Eisensubstitution und Therapie der zugrundeliegenden Ursache ist die Eisenmangelanämie gut reversibel. Die Hämoglobin-Normalisierung erfolgt unter oraler Eisentherapie (Ferrosulfat, Ferrogluconate 2–3 × tgl. vor den Mahlzeiten) typischerweise innerhalb von 4–8 Wochen. Die Eisenspeicher sind erst nach weiteren 3–6 Monaten vollständig aufgefüllt (Ferritin-Normalisierung).

Entscheidend für die langfristige Prognose ist die Behandlung der Ursache des Eisenmangels:

  • Okkulte gastrointestinale Blutung (Karzinom, Ulcus) → Koloskopie/Gastroskopie obligat beim Erwachsenen
  • Malabsorption (Zöliakie) → glutenfreie Diät
  • Menorrhagie → gynäkologische Behandlung

Bei intravenöser Eisentherapie (z.B. Eisencarboxymaltose bei Unverträglichkeit oraler Präparate oder schnellem Auffüllbedarf) erfolgt eine raschere Korrektur. Regelmäßige Verlaufskontrollen (BB, Ferritin, Transferrinsättigung) sind bis zur Normalisierung notwendig.

Ätiologie 🔗

Mangelhafte Eisenaufnahme

  • Mangelernährung, vegane/vegetarische Ernährung
  • Achlorhydrie (z.B. nach Magenresektion) → Fe³⁺ wird nicht zu Fe²⁺ reduziert
  • Ausschaltung des Duodenums (Y-Roux-Rekonstruktion)
  • Malabsorption (Morbus Crohn, Zöliakie)

Erhöhter Eisenbedarf

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Wachstumsphase

Eisenverluste

  • Gastrointestinale Blutungen (häufigste Ursache bei Männern!)
  • Hypermenorrhö / Menorrhagie (häufigste Ursache bei Frauen!)

Eisenverwertungsstörung

  • Chronische Erkrankungen (Morbus Crohn, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Malignome)

Merkhilfe: Bei Männern immer nach gastrointestinaler Blutungsquelle suchen — Eisenmangelanämie beim Mann ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Kolonkarzinom!


Pathophysiologie 🔗

  • Eisen wird fast ausschließlich als Fe²⁺ (zweiwertiges Eisen) im Duodenum und proximalen Jejunum resorbiert
  • Bei Mangel: verminderte Hämoglobinsynthese durch reduzierten Einbau von Eisen in die Häm-Moleküle
  • Ferritin (intrazellulärer Eisenspeicher) ist bei echtem Eisenmangel immer erniedrigt

Symptome & Klinik 🔗

Allgemeine Anämiesymptome

  • Blässe von Haut und Schleimhäuten
  • Ermüdbarkeit, Belastungsdyspnoe, Tachykardie

Spezifische Symptome der Eisenmangelanämie

  • Mundwinkelrhagaden (Rhagaden = Einrisse)
  • Rezidivierende Aphthen der Mundschleimhaut
  • Plummer-Vinson-Syndrom: Atrophie der Schleimhaut von Mund, Pharynx und Ösophagus → brennende Zunge + Dysphagie
  • Nagelbrüchigkeit und Haarausfall
  • Kognitive Defizite (insbesondere bei Kindern)

Diagnostik 🔗

Labor

Parameter Befund bei Eisenmangelanämie
Hämoglobin
MCV, MCH ↓ (mikrozytär, hypochrom)
Ferritin (Normalwert: ♀ 15–100 μg/L, ♂ 30–100 μg/L)
Transferrinsättigung
Transferrin
sTfR (löslicher Transferrinrezeptor)
Retikulozytenzahl

Blutausstrich

  • Poikilozytose (unterschiedlich geformte Erythrozyten)
  • Anisozytose (unterschiedlich große Erythrozyten)

Differenzierung der hypochromen Anämien

Parameter Eisenmangel ACD Thalassämie MDS
Ferritin ↔/↑ ↔/↑ ↔/↑
Transferrinsättigung ↔/↓ ↔/↑
sTfR ↔/↑

Achtung: Bei gleichzeitiger chronischer Entzündung kann Ferritin trotz echtem Eisenmangel erhöht sein → dann sTfR bestimmen (erhöhtes Ferritin schließt Eisenmangel nicht aus!)

Abklärung der Blutungsquelle

Verdacht Methode
Gastrointestinal Stuhltest auf okkultes Blut (Haemoccult), ÖGD, Koloskopie
Urologisch Urin-Stix, Zystoskopie
Gynäkologisch Vaginale Sonographie

Therapie 🔗

1. Kausale Therapie

  • Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Ulkus, Kolonkarzinom)
  • Ernährungsumstellung: eisenreiche Kost (Linsen, Rindfleisch, Hülsenfrüchte)

2. Orale Eisensubstitution (1. Wahl)

  • Zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) — weit besser resorbiert als Fe³⁺
  • Nüchterneinnahme oder ausreichender Abstand zur Mahlzeit
  • Dauer: 3–6 Monate nach Normalisierung des Hb-Wertes (Speicher auffüllen!)
  • Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Obstipation, Schwarzfärbung des Stuhls (harmlos!)

3. Parenterale Eisensubstitution (i.v. Fe³⁺)

  • Indikation: orale Unverträglichkeit oder Eisenresorptionsstörung
  • Nebenwirkungen: allergische Reaktionen (bis zum anaphylaktischen Schock!), Phlebitis, Hypotonie

Therapiekontrolle

Zeitpunkt Parameter Zielwert
Nach 4 Wochen Hb Anstieg um ≥ 2 g/dL
4 Wochen nach letzter Eiseneinnahme Ferritin 100 μg/L
Alle 3 Monate für 1 Jahr Blutbild + Ferritin Normwerte

✨ Clinical Pearls

**1. Ferritin ist der wichtigste Laborparameter!** Sensitiver als Serumeisen. Unterscheidet zuverlässig Eisenmangel (↓) von ACD (↑) — außer bei gleichzeitiger Entzündung.

**2. Immer nach der Ursache suchen!** Eine Eisenmangelanämie beim Mann oder in der Postmenopause ist ein Alarmsignal — gastrointestinale Blutungsquelle (Kolonkarzinom!) ausschließen.

**3. Stuhl wird schwarz unter Eisentherapie** — das ist kein Blut und harmlos. Wichtig, dem Patienten mitzuteilen, damit er nicht erschrickt.

**4. Plummer-Vinson-Syndrom:** Triade Eisenmangelanämie + Dysphagie + Mundschleimhautatrophie — erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom.

Prüfungstipps

  • - Ferritin↓ + MCV↓ + MCH↓ = klassische Eisenmangelanämie — diese Kombination sicher erkennen
  • - Dauer der Therapie: 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung — nicht früher absetzen!
  • - Orale Einnahme: nüchtern, zweiwertiges Eisen, schwarzer Stuhl als erwartete NW
  • - Plummer-Vinson-Syndrom als spezifisches klinisches Zeichen — Prüfungsklassiker

Schlüsselbegriffe

BegriffFerritinTransferrinsTfRPlummer-Vinson-SyndromPoikilozytoseAnisozytose

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