Eisenmangelanämie
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Eisenmangel ist weltweit die häufigste Mangelerkrankung — Eisenmangelanämie macht 80 % aller Anämien aus
- 2. Drei Stadien: Eisenmangel → eisendefizitäre Erythropoese → manifeste Eisenmangelanämie
- 3. Leitsymptome: allgemeine Anämiesymptome + spezifische Zeichen (Mundwinkelrhagaden, Plummer-Vinson-Syndrom)
- 4. Diagnostik: Ferritin↓ ist sensitiver als Serumeisen — Schlüsselbefund
- 5. Therapie: Ursache suchen + orales Fe²⁺ für 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung
Fallvignette
Eine 28-jährige Patientin stellt sich vor mit Leistungsminderung, Haarausfall und rissigen Mundwinkeln seit 3 Monaten.
Sie ist Vegetarierin und berichtet über starke Regelblutungen. Körperliche Untersuchung: Blässe der Konjunktiven, Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel. RR 110/70 mmHg, HF 92/min. Labor: Hb 9,1 g/dL, MCV 68 fL, MCH 21 pg, Ferritin 4 µg/L, Serumeisen 5 µmol/L (Norm 10–30), Transferrinsättigung 7 %, CRP normal.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Eisenmangelanämie
Auf einen Blick
- Eisenmangel ist weltweit die häufigste Mangelerkrankung — Eisenmangelanämie macht 80 % aller Anämien aus
- Drei Stadien: Eisenmangel → eisendefizitäre Erythropoese → manifeste Eisenmangelanämie
- Leitsymptome: allgemeine Anämiesymptome + spezifische Zeichen (Mundwinkelrhagaden, Plummer-Vinson-Syndrom)
- Diagnostik: Ferritin↓ ist sensitiver als Serumeisen — Schlüsselbefund
- Therapie: Ursache suchen + orales Fe²⁺ für 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung
Fallvignette
Eine 28-jährige Patientin stellt sich vor mit Leistungsminderung, Haarausfall und rissigen Mundwinkeln seit 3 Monaten.
Sie ist Vegetarierin und berichtet über starke Regelblutungen. Körperliche Untersuchung: Blässe der Konjunktiven, Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel. RR 110/70 mmHg, HF 92/min. Labor: Hb 9,1 g/dL, MCV 68 fL, MCH 21 pg, Ferritin 4 µg/L, Serumeisen 5 µmol/L (Norm 10–30), Transferrinsättigung 7 %, CRP normal.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition & Stadien
Fortschreitender Prozess in drei Stadien:
| Stadium | Befund |
|---|---|
| Eisenmangel | Ferritin↓ — Körpereisenspeicher leer, Hb noch normal |
| Eisendefizitäre Erythropoese | Ferritin↓, Transferrinsättigung↓, sTfR↑, Retikulozyten↓ |
| Manifeste Eisenmangelanämie | Hb↓, Erythrozyten↓, Hämatokrit↓, MCV↓, MCH↓ — mikrozytär, hypochrom |
Ätiologie
Mangelhafte Eisenaufnahme
- Mangelernährung, vegane/vegetarische Ernährung
- Achlorhydrie (z.B. nach Magenresektion) → Fe³⁺ wird nicht zu Fe²⁺ reduziert
- Ausschaltung des Duodenums (Y-Roux-Rekonstruktion)
- Malabsorption (Morbus Crohn, Zöliakie)
Erhöhter Eisenbedarf
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Wachstumsphase
Eisenverluste
- Gastrointestinale Blutungen (häufigste Ursache bei Männern!)
- Hypermenorrhö / Menorrhagie (häufigste Ursache bei Frauen!)
Eisenverwertungsstörung
- Chronische Erkrankungen (Morbus Crohn, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Malignome)
Merkhilfe: Bei Männern immer nach gastrointestinaler Blutungsquelle suchen — Eisenmangelanämie beim Mann ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Kolonkarzinom!
Pathophysiologie
- Eisen wird fast ausschließlich als Fe²⁺ (zweiwertiges Eisen) im Duodenum und proximalen Jejunum resorbiert
- Bei Mangel: verminderte Hämoglobinsynthese durch reduzierten Einbau von Eisen in die Häm-Moleküle
- Ferritin (intrazellulärer Eisenspeicher) ist bei echtem Eisenmangel immer erniedrigt
Symptome & Klinik
Allgemeine Anämiesymptome
- Blässe von Haut und Schleimhäuten
- Ermüdbarkeit, Belastungsdyspnoe, Tachykardie
Spezifische Symptome der Eisenmangelanämie
- Mundwinkelrhagaden (Rhagaden = Einrisse)
- Rezidivierende Aphthen der Mundschleimhaut
- Plummer-Vinson-Syndrom: Atrophie der Schleimhaut von Mund, Pharynx und Ösophagus → brennende Zunge + Dysphagie
- Nagelbrüchigkeit und Haarausfall
- Kognitive Defizite (insbesondere bei Kindern)
Diagnostik
Labor
| Parameter | Befund bei Eisenmangelanämie |
|---|---|
| Hämoglobin | ↓ |
| MCV, MCH | ↓ (mikrozytär, hypochrom) |
| Ferritin | ↓ (Normalwert: ♀ 15–100 μg/L, ♂ 30–100 μg/L) |
| Transferrinsättigung | ↓ |
| Transferrin | ↑ |
| sTfR (löslicher Transferrinrezeptor) | ↑ |
| Retikulozytenzahl | ↓ |
Blutausstrich
- Poikilozytose (unterschiedlich geformte Erythrozyten)
- Anisozytose (unterschiedlich große Erythrozyten)
Differenzierung der hypochromen Anämien
| Parameter | Eisenmangel | ACD | Thalassämie | MDS |
|---|---|---|---|---|
| Ferritin | ↓ | ↔/↑ | ↔/↑ | ↔/↑ |
| Transferrinsättigung | ↓ | ↔/↓ | ↔/↑ | ↓ |
| sTfR | ↑ | ↔ | ↑ | ↔/↑ |
Achtung: Bei gleichzeitiger chronischer Entzündung kann Ferritin trotz echtem Eisenmangel erhöht sein → dann sTfR bestimmen (erhöhtes Ferritin schließt Eisenmangel nicht aus!)
Abklärung der Blutungsquelle
| Verdacht | Methode |
|---|---|
| Gastrointestinal | Stuhltest auf okkultes Blut (Haemoccult), ÖGD, Koloskopie |
| Urologisch | Urin-Stix, Zystoskopie |
| Gynäkologisch | Vaginale Sonographie |
Therapie
1. Kausale Therapie
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Ulkus, Kolonkarzinom)
- Ernährungsumstellung: eisenreiche Kost (Linsen, Rindfleisch, Hülsenfrüchte)
2. Orale Eisensubstitution (1. Wahl)
- Zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) — weit besser resorbiert als Fe³⁺
- Nüchterneinnahme oder ausreichender Abstand zur Mahlzeit
- Dauer: 3–6 Monate nach Normalisierung des Hb-Wertes (Speicher auffüllen!)
- Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Obstipation, Schwarzfärbung des Stuhls (harmlos!)
3. Parenterale Eisensubstitution (i.v. Fe³⁺)
- Indikation: orale Unverträglichkeit oder Eisenresorptionsstörung
- Nebenwirkungen: allergische Reaktionen (bis zum anaphylaktischen Schock!), Phlebitis, Hypotonie
Therapiekontrolle
| Zeitpunkt | Parameter | Zielwert |
|---|---|---|
| Nach 4 Wochen | Hb | Anstieg um ≥ 2 g/dL |
| 4 Wochen nach letzter Eiseneinnahme | Ferritin | 100 μg/L |
| Alle 3 Monate für 1 Jahr | Blutbild + Ferritin | Normwerte |
Klinische Perlen
1. Ferritin ist der wichtigste Laborparameter! Sensitiver als Serumeisen. Unterscheidet zuverlässig Eisenmangel (↓) von ACD (↑) — außer bei gleichzeitiger Entzündung.
2. Immer nach der Ursache suchen! Eine Eisenmangelanämie beim Mann oder in der Postmenopause ist ein Alarmsignal — gastrointestinale Blutungsquelle (Kolonkarzinom!) ausschließen.
3. Stuhl wird schwarz unter Eisentherapie — das ist kein Blut und harmlos. Wichtig, dem Patienten mitzuteilen, damit er nicht erschrickt.
4. Plummer-Vinson-Syndrom: Triade Eisenmangelanämie + Dysphagie + Mundschleimhautatrophie — erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom.
Prüfungstipps
- Ferritin↓ + MCV↓ + MCH↓ = klassische Eisenmangelanämie — diese Kombination sicher erkennen
- Dauer der Therapie: 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung — nicht früher absetzen!
- Orale Einnahme: nüchtern, zweiwertiges Eisen, schwarzer Stuhl als erwartete NW
- Plummer-Vinson-Syndrom als spezifisches klinisches Zeichen — Prüfungsklassiker
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Ferritin | Intrazelluläres Eisenspeicherprotein — bestes Maß für Körpereisenspeicher |
| Transferrin | Eisentransportprotein im Plasma — bei Eisenmangel erhöht (kompensatorisch) |
| sTfR | Löslicher Transferrinrezeptor — erhöht bei echtem Eisenmangel, auch bei Entzündung |
| Plummer-Vinson-Syndrom | Eisenmangelkomplikation: Dysphagie + Mundschleimhautatrophie |
| Poikilozytose | Unterschiedlich geformte Erythrozyten im Blutausstrich |
| Anisozytose | Unterschiedlich große Erythrozyten im Blutausstrich |
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Komplikationen
Die Eisenmangelanämie kann bei unzureichender Behandlung oder bei schwerer Ausprägung zu klinisch relevanten Komplikationen führen, die multiple Organsysteme betreffen:
- Kardiovaskuläre Komplikationen: Kompensatorische Tachykardie, erhöhtes Herzminutenvolumen; bei schwerer Anämie (Hb < 7 g/dl) Risiko für Herzinsuffizienz, Angina pectoris und Myokardinfarkt (insbesondere bei vorbestehender KHK)
- Pica-Syndrom: Pathologischer Hunger nach Erde, Eis, Kreide (Pagophagie, Geophagie) – pathognomonisch für Eisenmangel
- Plummer-Vinson-Syndrom: Dysphagie durch ösophageale Membranen + Glossitis + Eisenmangelanämie – leicht erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom
- Kognitive Beeinträchtigung: Konzentrationsstörungen, Fatigue, beeinträchtigte Neurotransmittersynthese (Eisen als Kofaktor)
- Immunschwäche: Eisen ist essenziell für Lymphozytenproliferation und Phagozytenaktivität – erhöhte Infektanfälligkeit
- Schwangerschaftskomplikationen: Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, postpartale Depression bei unbehandeltem Eisenmangel
- Restless-Legs-Syndrom: Assoziation mit Eisenmangel, besonders bei niedrigem Ferritin (< 50 µg/l)
- Diagnostische Fehler: Übersehen der zugrunde liegenden Blutungsquelle (Kolorektales Karzinom!) – Eisenmangelanämie bei Männern und postmenopausalen Frauen immer abklären
Prognose
Die Prognose der Eisenmangelanämie ist bei Behandlung der Grundursache und adäquater Eisensubstitution in der Regel sehr gut.
- Ansprechen auf Therapie: Hb-Anstieg beginnt nach 1–2 Wochen oraler Eisentherapie; Normalisierung der Eisenspeicher (Ferritin) dauert 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung
- Orale Therapie: Eisensulfat 100–200 mg Fe²⁺/Tag; bei Unverträglichkeit oder Resorptionsstörung (z.B. nach Magenresektion, CED) → i.v. Eisensubstitution
- Rezidivrisiko: Hoch, wenn die Grundursache nicht beseitigt wird (z.B. persistierende Blutungsquelle, anhaltende Fehlernährung)
- Kinder und Schwangere: Spezifische Supplementierungsziele; Eisenmangel in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für kognitive Entwicklungsstörungen des Kindes
- Wichtig im KP-Kontext: Bei Eisenmangelanämie bei Männern oder postmenopausalen Frauen immer Koloskopie zum Ausschluss eines kolorektalen Karzinoms veranlassen
Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Komplikationen
- Kardiovaskuläre Komplikationen: Chronisch schwere Anämie führt zu kompensatorischer Tachykardie, Herzdilatation und bei langem Verlauf zu High-Output-Herzinsuffizienz; erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
- Pica-Syndrom: Krankhafte Gelüste nach Nicht-Nahrungsmitteln (Erde, Kreide, Eis = Pagophagie) — charakteristisches Begleitsymptom des Eisenmangels
- Plummer-Vinson-Syndrom (Patterson-Kelly-Syndrom): Eisenmangelanämie + Dysphagie + Ösophagusschleimhautveränderungen (Sideropenic dysphagia) — Vorstufe des Ösophaguskarzinoms, v.a. bei Frauen
- Beeinträchtigte kognitive Funktion: Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung, Gedächtniseinschränkungen — besonders bei Kindern kritisch für die Entwicklung
- Verminderte Immunfunktion: Erhöhte Infektanfälligkeit durch beeinträchtigte Funktion von Neutrophilen und lymphozytäre Immunantwort
- Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit: Reduzierte Sauerstofftransportkapazität, schnelle Erschöpfung bei Belastung
- Perinatale Risiken: Schwerer mütterlicher Eisenmangel assoziiert mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und beeinträchtigter neurologischer Entwicklung beim Kind
Prognose
Bei adäquater Eisensubstitution und Therapie der zugrundeliegenden Ursache ist die Eisenmangelanämie gut reversibel. Die Hämoglobin-Normalisierung erfolgt unter oraler Eisentherapie (Ferrosulfat, Ferrogluconate 2–3 × tgl. vor den Mahlzeiten) typischerweise innerhalb von 4–8 Wochen. Die Eisenspeicher sind erst nach weiteren 3–6 Monaten vollständig aufgefüllt (Ferritin-Normalisierung).
Entscheidend für die langfristige Prognose ist die Behandlung der Ursache des Eisenmangels:
- Okkulte gastrointestinale Blutung (Karzinom, Ulcus) → Koloskopie/Gastroskopie obligat beim Erwachsenen
- Malabsorption (Zöliakie) → glutenfreie Diät
- Menorrhagie → gynäkologische Behandlung
Bei intravenöser Eisentherapie (z.B. Eisencarboxymaltose bei Unverträglichkeit oraler Präparate oder schnellem Auffüllbedarf) erfolgt eine raschere Korrektur. Regelmäßige Verlaufskontrollen (BB, Ferritin, Transferrinsättigung) sind bis zur Normalisierung notwendig.
Komplikationen
- Kardiovaskuläre Komplikationen: Chronisch schwere Anämie führt zu kompensatorischer Tachykardie, Herzdilatation und bei langem Verlauf zu High-Output-Herzinsuffizienz; erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
- Pica-Syndrom: Krankhafte Gelüste nach Nicht-Nahrungsmitteln (Erde, Kreide, Eis = Pagophagie) — charakteristisches Begleitsymptom des Eisenmangels
- Plummer-Vinson-Syndrom (Patterson-Kelly-Syndrom): Eisenmangelanämie + Dysphagie + Ösophagusschleimhautveränderungen (Sideropenic dysphagia) — Vorstufe des Ösophaguskarzinoms, v.a. bei Frauen
- Beeinträchtigte kognitive Funktion: Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung, Gedächtniseinschränkungen — besonders bei Kindern kritisch für die Entwicklung
- Verminderte Immunfunktion: Erhöhte Infektanfälligkeit durch beeinträchtigte Funktion von Neutrophilen und lymphozytäre Immunantwort
- Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit: Reduzierte Sauerstofftransportkapazität, schnelle Erschöpfung bei Belastung
- Perinatale Risiken: Schwerer mütterlicher Eisenmangel assoziiert mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und beeinträchtigter neurologischer Entwicklung beim Kind
Prognose
Bei adäquater Eisensubstitution und Therapie der zugrundeliegenden Ursache ist die Eisenmangelanämie gut reversibel. Die Hämoglobin-Normalisierung erfolgt unter oraler Eisentherapie (Ferrosulfat, Ferrogluconate 2–3 × tgl. vor den Mahlzeiten) typischerweise innerhalb von 4–8 Wochen. Die Eisenspeicher sind erst nach weiteren 3–6 Monaten vollständig aufgefüllt (Ferritin-Normalisierung).
Entscheidend für die langfristige Prognose ist die Behandlung der Ursache des Eisenmangels:
- Okkulte gastrointestinale Blutung (Karzinom, Ulcus) → Koloskopie/Gastroskopie obligat beim Erwachsenen
- Malabsorption (Zöliakie) → glutenfreie Diät
- Menorrhagie → gynäkologische Behandlung
Bei intravenöser Eisentherapie (z.B. Eisencarboxymaltose bei Unverträglichkeit oraler Präparate oder schnellem Auffüllbedarf) erfolgt eine raschere Korrektur. Regelmäßige Verlaufskontrollen (BB, Ferritin, Transferrinsättigung) sind bis zur Normalisierung notwendig.
Ätiologie 🔗
Mangelhafte Eisenaufnahme
- Mangelernährung, vegane/vegetarische Ernährung
- Achlorhydrie (z.B. nach Magenresektion) → Fe³⁺ wird nicht zu Fe²⁺ reduziert
- Ausschaltung des Duodenums (Y-Roux-Rekonstruktion)
- Malabsorption (Morbus Crohn, Zöliakie)
Erhöhter Eisenbedarf
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Wachstumsphase
Eisenverluste
- Gastrointestinale Blutungen (häufigste Ursache bei Männern!)
- Hypermenorrhö / Menorrhagie (häufigste Ursache bei Frauen!)
Eisenverwertungsstörung
- Chronische Erkrankungen (Morbus Crohn, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Malignome)
Merkhilfe: Bei Männern immer nach gastrointestinaler Blutungsquelle suchen — Eisenmangelanämie beim Mann ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Kolonkarzinom!
Pathophysiologie 🔗
- Eisen wird fast ausschließlich als Fe²⁺ (zweiwertiges Eisen) im Duodenum und proximalen Jejunum resorbiert
- Bei Mangel: verminderte Hämoglobinsynthese durch reduzierten Einbau von Eisen in die Häm-Moleküle
- Ferritin (intrazellulärer Eisenspeicher) ist bei echtem Eisenmangel immer erniedrigt
Symptome & Klinik 🔗
Allgemeine Anämiesymptome
- Blässe von Haut und Schleimhäuten
- Ermüdbarkeit, Belastungsdyspnoe, Tachykardie
Spezifische Symptome der Eisenmangelanämie
- Mundwinkelrhagaden (Rhagaden = Einrisse)
- Rezidivierende Aphthen der Mundschleimhaut
- Plummer-Vinson-Syndrom: Atrophie der Schleimhaut von Mund, Pharynx und Ösophagus → brennende Zunge + Dysphagie
- Nagelbrüchigkeit und Haarausfall
- Kognitive Defizite (insbesondere bei Kindern)
Diagnostik 🔗
Labor
| Parameter | Befund bei Eisenmangelanämie |
|---|---|
| Hämoglobin | ↓ |
| MCV, MCH | ↓ (mikrozytär, hypochrom) |
| Ferritin | ↓ (Normalwert: ♀ 15–100 μg/L, ♂ 30–100 μg/L) |
| Transferrinsättigung | ↓ |
| Transferrin | ↑ |
| sTfR (löslicher Transferrinrezeptor) | ↑ |
| Retikulozytenzahl | ↓ |
Blutausstrich
- Poikilozytose (unterschiedlich geformte Erythrozyten)
- Anisozytose (unterschiedlich große Erythrozyten)
Differenzierung der hypochromen Anämien
| Parameter | Eisenmangel | ACD | Thalassämie | MDS |
|---|---|---|---|---|
| Ferritin | ↓ | ↔/↑ | ↔/↑ | ↔/↑ |
| Transferrinsättigung | ↓ | ↔/↓ | ↔/↑ | ↓ |
| sTfR | ↑ | ↔ | ↑ | ↔/↑ |
Achtung: Bei gleichzeitiger chronischer Entzündung kann Ferritin trotz echtem Eisenmangel erhöht sein → dann sTfR bestimmen (erhöhtes Ferritin schließt Eisenmangel nicht aus!)
Abklärung der Blutungsquelle
| Verdacht | Methode |
|---|---|
| Gastrointestinal | Stuhltest auf okkultes Blut (Haemoccult), ÖGD, Koloskopie |
| Urologisch | Urin-Stix, Zystoskopie |
| Gynäkologisch | Vaginale Sonographie |
Therapie 🔗
1. Kausale Therapie
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Ulkus, Kolonkarzinom)
- Ernährungsumstellung: eisenreiche Kost (Linsen, Rindfleisch, Hülsenfrüchte)
2. Orale Eisensubstitution (1. Wahl)
- Zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) — weit besser resorbiert als Fe³⁺
- Nüchterneinnahme oder ausreichender Abstand zur Mahlzeit
- Dauer: 3–6 Monate nach Normalisierung des Hb-Wertes (Speicher auffüllen!)
- Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Obstipation, Schwarzfärbung des Stuhls (harmlos!)
3. Parenterale Eisensubstitution (i.v. Fe³⁺)
- Indikation: orale Unverträglichkeit oder Eisenresorptionsstörung
- Nebenwirkungen: allergische Reaktionen (bis zum anaphylaktischen Schock!), Phlebitis, Hypotonie
Therapiekontrolle
| Zeitpunkt | Parameter | Zielwert |
|---|---|---|
| Nach 4 Wochen | Hb | Anstieg um ≥ 2 g/dL |
| 4 Wochen nach letzter Eiseneinnahme | Ferritin | 100 μg/L |
| Alle 3 Monate für 1 Jahr | Blutbild + Ferritin | Normwerte |
✨ Clinical Pearls
**1. Ferritin ist der wichtigste Laborparameter!** Sensitiver als Serumeisen. Unterscheidet zuverlässig Eisenmangel (↓) von ACD (↑) — außer bei gleichzeitiger Entzündung.
**2. Immer nach der Ursache suchen!** Eine Eisenmangelanämie beim Mann oder in der Postmenopause ist ein Alarmsignal — gastrointestinale Blutungsquelle (Kolonkarzinom!) ausschließen.
**3. Stuhl wird schwarz unter Eisentherapie** — das ist kein Blut und harmlos. Wichtig, dem Patienten mitzuteilen, damit er nicht erschrickt.
**4. Plummer-Vinson-Syndrom:** Triade Eisenmangelanämie + Dysphagie + Mundschleimhautatrophie — erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom.
Prüfungstipps
- - Ferritin↓ + MCV↓ + MCH↓ = klassische Eisenmangelanämie — diese Kombination sicher erkennen
- - Dauer der Therapie: 3–6 Monate nach Hb-Normalisierung — nicht früher absetzen!
- - Orale Einnahme: nüchtern, zweiwertiges Eisen, schwarzer Stuhl als erwartete NW
- - Plummer-Vinson-Syndrom als spezifisches klinisches Zeichen — Prüfungsklassiker
Schlüsselbegriffe
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