Gastrointestinale Blutung
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. 90 % aller GI-Blutungen sind obere GI-Blutungen (proximal des Treitz-Bandes)
- 2. Häufigste Ursache: Ulcus ventriculi/duodeni (50 %)
- 3. Symptom obere Blutung: Hämatemesis + Meläna; untere Blutung: Hämatochezie
- 4. Wichtigste Diagnostik: (Notfall-)Endoskopie — ÖGD zuerst, dann Koloskopie
- 5. Bei akuter schwerer Blutung: 2 i.v.-Zugänge + Volumenzufuhr + i.v. PPI + Notfallendoskopie
Fallvignette
Ein 60-jähriger Patient unter dualer Thrombozytenaggregationshemmung (ASS + Clopidogrel) stellt sich vor mit schwarzem, teerartigem Stuhlgang seit gestern und einer Episode von Hämatemesis.
Vitalzeichen: RR 95/60 mmHg, Tachykardie 115/min, blasses Hautkolorit. Labor: Hb 7,2 g/dl, Kreatinin 1,4 mg/dl.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Gastrointestinale Blutung
Auf einen Blick
- 90 % aller GI-Blutungen sind Obere GI-Blutungen (proximal des Treitz-Bandes)
- Häufigste Ursache: Ulcus ventriculi/duodeni (50 %)
- Symptom obere Blutung: Hämatemesis + Meläna; untere Blutung: Hämatochezie
- Wichtigste Diagnostik: (Notfall-)Endoskopie — ÖGD zuerst, dann Koloskopie
- Bei akuter schwerer Blutung: 2 i.v.-Zugänge + Volumenzufuhr + i.v. PPI + Notfallendoskopie
Fallvignette
Ein 60-jähriger Patient unter dualer Thrombozytenaggregationshemmung (ASS + Clopidogrel) stellt sich vor mit schwarzem, teerartigem Stuhlgang seit gestern und einer Episode von Hämatemesis.
Vitalzeichen: RR 95/60 mmHg, Tachykardie 115/min, blasses Hautkolorit. Labor: Hb 7,2 g/dl, Kreatinin 1,4 mg/dl.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition & Klassifikation
Nach Lokalisation
| Typ | Lokalisation | Anteil |
|---|---|---|
| Obere GI-Blutung | Proximal des Treitz-Bandes (Ösophagus, Magen, Duodenum) | 90 % |
| Untere GI-Blutung | Distal des Treitz-Bandes (Jejunum, Ileum, Kolon, Rektum) | 10 % |
Forrest-Klassifikation (gastroduodenale Ulzera)
| Stadium | Befund | Rezidivrisiko |
|---|---|---|
| Ia | Spritzende arterielle Blutung | Sehr hoch |
| Ib | Sickerblutung | Hoch |
| IIa | Läsion mit sichtbarem Gefäßstumpf | Erhöht |
| IIb | Koagelbedeckte Läsion | Erhöht |
| IIc | Hämatinbelegte Läsion | Niedrig |
| III | Läsion ohne Blutungszeichen | Sehr niedrig |
Ätiologie
Obere GI-Blutung (90 % aller Fälle)
- Ulcus ventriculi/duodeni (50 % — häufigste Ursache)
- Ösophagusvarizen (Hinweis auf Leberzirrhose / portale Hypertension)
- Mallory-Weiss-Syndrom (bei fulminantem Erbrechen — Schleimhautriss am gastroösophagealen Übergang)
- Tumoren (Ösophagus-, Magenkarzinom)
- Erosive Gastritis / erosive Duodenitis
- Ösophagitis, Hiatushernie, Angiodysplasie
- Ulcus Dieulafoy (Blutung aus submuköser Arterie, in 5–10 % keine Quelle auffindbar)
Untere GI-Blutung
- Vaskulär: Hämorrhoiden, Angiodysplasien
- Tumoren: Kolorektales Karzinom, Kolonpolypen
- Entzündlich: CED (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Divertikulose
Symptome & Klinik
Allgemeinsymptome
| Verlauf | Klinik |
|---|---|
| Chronische Blutung | Blutungsanämie: Blässe, Schwäche, Müdigkeit, Belastungsdyspnoe |
| Akute schwere Blutung | Hypovolämischer Schock: Tachykardie, Hypotonie, Oligurie, Vigilanzminderung |
Spezifische Symptome
- Obere GI-Blutung: Hämatemesis (Bluterbrechen), Meläna (Teerstuhl — schwarzer, teerähnlicher Stuhl), Hämatochezie
- Untere GI-Blutung: Hämatochezie (hellrotes Blut im Stuhl), Meläna
Eine Meläna ist bei BEIDEN Formen möglich!
Andere Ursachen schwarzen Stuhls: Heidelbeeren, rote Bete, Eisentabletten, Kohletabletten
Diagnostik
Anamnese
- Blutungszeichen (Farbe, Menge)
- Medikamentenanamnese: NSAR, Antikoagulantien
- Vorerkrankungen: Leberzirrhose, Ulkusanamnese
Körperliche Untersuchung
- Vitalparameter (Schockzeichen?)
- Anale Inspektion und digital-rektale Untersuchung
Labor
- BB: Hb↓, Hkt↓ (Cave: bei hochakuter Blutung initial normal!)
- Quick, aPTT, Glukose, Kreatinin, K⁺, Na⁺
- Blutgruppenbestimmung
- Stuhltest auf okkultes Blut
Apparative Diagnostik
Endoskopie (wichtigste Maßnahme):
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| Hämatochezie + stabiler Patient | Koloskopie zuerst |
| Hämatochezie + instabiler Patient | ÖGD zuerst |
| Verdacht obere Blutung | ÖGD (ÖGD dann Koloskopie) |
| Dünndarmblutung nicht lokalisierbar | Kapselendoskopie, Doppelballonendoskopie |
Bei nicht lokalisierbarer Quelle: CT-Angiographie oder DSA (Digitale Subtraktionsangiographie)
Therapie
Allgemeine Maßnahmen (sofort)
- Stationäre Aufnahme (IMC/ITS)
- O₂-Gabe
- 2 periphere i.v.-Zugänge legen
- Volumensubstitution: Kristalloide bevorzugen, ggf. Bluttransfusion
- Transfusionsziel: Hb ~8 g/dL; 1 EK hebt Hb um ~1 g/dL
- Ziel: Systolischer RR >100 mmHg, ZVD ~10 mmHg
Kausale Therapie
- I.v. PPI bei relevanter Blutung (Säurehemmung schützt Gerinnsel)
- Notfallendoskopie mit Blutstillung:
- Unterspritzung (Adrenalin)
- Sklerosierung
- Ligatur (bei Varizen)
- Koagulation
- Clip-Applikation
- Bei endoskopisch nicht beherrschbarer Blutung (selten): Chirurgisches Vorgehen oder angiographische Embolisation
Komplikationen
- Hypovolämischer Schock — häufigste akute Komplikation
- Anämie (chronisch oder akut)
- Hepatische Enzephalopathie bei Leberzirrhose (Blut = Proteinbelastung → NH₃↑)
- Aspirationspneumonie bei Hämatemesis
Klinische Perlen
1. Meläna ≠ nur untere Blutung. Teerstuhl kann bei oberer UND unterer GI-Blutung auftreten. Bei instabilem Patienten immer erst ÖGD.
2. Hb initial normal bei akuter Blutung. Das Hb fällt erst nach Hämodilution ab — bei frischer Blutung kann der Wert noch normal sein!
3. Forrest Ia/Ib = sofortige endoskopische Intervention. Aktive Blutung braucht sofortige Blutstillung — keine Beobachtung.
4. PPI i.v. vor Endoskopie. Säurehemmung schützt Blutgerinnsel und erleichtert die endoskopische Therapie.
Prüfungstipps
- Forrest-Klassifikation kennen: Ia = spritzend, Ib = sickernd, IIa = Gefäßstumpf, III = ohne Zeichen
- Treitz-Band = Grenze obere/Untere GI-Blutung (Flexura duodenojejunalis)
- Meläna = teerschwarz, klebrig, stinkt — obere GI-Blutung (NICHT Hämatochezie verwechseln)
- Hämatochezie + instabiler Patient → ÖGD zuerst (wegen höherer Wahrscheinlichkeit einer oberen Quelle)
- 1 Erythrozytenkonzentrat = Hb-Anstieg um ~1 g/dL
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Hämatemesis | Bluterbrechen — Zeichen der oberen GI-Blutung |
| Meläna | Teerstuhl — schwarzer, übelriechender Stuhl durch verdautes Blut |
| Hämatochezie | Hellrotes Blut im Stuhl — meist untere GI-Blutung |
| Treitz-Band | Flexura duodenojejunalis — Grenze zwischen oberer und unterer GI-Blutung |
| Forrest-Klassifikation | Einschätzung der Blutungsaktivität bei gastroduodenalen Ulzera |
| Ulcus Dieulafoy | Seltene Schleimhauterosion durch submuköse Arterie — massive Blutung |
| Mallory-Weiss-Syndrom | Schleimhauteinriss am GÖ-Übergang durch starkes Erbrechen |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Ätiologie 🔗
Obere GI-Blutung (90 % aller Fälle)
- Ulcus ventriculi/duodeni (50 % — häufigste Ursache)
- Ösophagusvarizen (Hinweis auf Leberzirrhose / portale Hypertension)
- Mallory-Weiss-Syndrom (bei fulminantem Erbrechen — Schleimhautriss am gastroösophagealen Übergang)
- Tumoren (Ösophagus-, Magenkarzinom)
- Erosive Gastritis / erosive Duodenitis
- Ösophagitis, Hiatushernie, Angiodysplasie
- Ulcus Dieulafoy (Blutung aus submuköser Arterie, in 5–10 % keine Quelle auffindbar)
Untere GI-Blutung
- Vaskulär: Hämorrhoiden, Angiodysplasien
- Tumoren: Kolorektales Karzinom, Kolonpolypen
- Entzündlich: CED (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Divertikulose
Symptome & Klinik 🔗
Allgemeinsymptome
| Verlauf | Klinik |
|---|---|
| Chronische Blutung | Blutungsanämie: Blässe, Schwäche, Müdigkeit, Belastungsdyspnoe |
| Akute schwere Blutung | Hypovolämischer Schock: Tachykardie, Hypotonie, Oligurie, Vigilanzminderung |
Spezifische Symptome
- Obere GI-Blutung: Hämatemesis (Bluterbrechen), Meläna (Teerstuhl — schwarzer, teerähnlicher Stuhl), Hämatochezie
- Untere GI-Blutung: Hämatochezie (hellrotes Blut im Stuhl), Meläna
Eine Meläna ist bei BEIDEN Formen möglich! Andere Ursachen schwarzen Stuhls: Heidelbeeren, rote Bete, Eisentabletten, Kohletabletten
Diagnostik 🔗
Anamnese
- Blutungszeichen (Farbe, Menge)
- Medikamentenanamnese: NSAR, Antikoagulantien
- Vorerkrankungen: Leberzirrhose, Ulkusanamnese
Körperliche Untersuchung
- Vitalparameter (Schockzeichen?)
- Anale Inspektion und digital-rektale Untersuchung
Labor
- BB: Hb↓, Hkt↓ (Cave: bei hochakuter Blutung initial normal!)
- Quick, aPTT, Glukose, Kreatinin, K⁺, Na⁺
- Blutgruppenbestimmung
- Stuhltest auf okkultes Blut
Apparative Diagnostik
Endoskopie (wichtigste Maßnahme):
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| Hämatochezie + stabiler Patient | Koloskopie zuerst |
| Hämatochezie + instabiler Patient | ÖGD zuerst |
| Verdacht obere Blutung | ÖGD (ÖGD dann Koloskopie) |
| Dünndarmblutung nicht lokalisierbar | Kapselendoskopie, Doppelballonendoskopie |
Bei nicht lokalisierbarer Quelle: CT-Angiographie oder DSA (Digitale Subtraktionsangiographie)
Therapie 🔗
Allgemeine Maßnahmen (sofort)
- Stationäre Aufnahme (IMC/ITS)
- O₂-Gabe
- 2 periphere i.v.-Zugänge legen
- Volumensubstitution: Kristalloide bevorzugen, ggf. Bluttransfusion
- Transfusionsziel: Hb ~8 g/dL; 1 EK hebt Hb um ~1 g/dL
- Ziel: Systolischer RR >100 mmHg, ZVD ~10 mmHg
Kausale Therapie
- I.v. PPI bei relevanter Blutung (Säurehemmung schützt Gerinnsel)
- Notfallendoskopie mit Blutstillung:
- Unterspritzung (Adrenalin)
- Sklerosierung
- Ligatur (bei Varizen)
- Koagulation
- Clip-Applikation
- Bei endoskopisch nicht beherrschbarer Blutung (selten): Chirurgisches Vorgehen oder angiographische Embolisation
Komplikationen 🔗
- Hypovolämischer Schock — häufigste akute Komplikation
- Anämie (chronisch oder akut)
- Hepatische Enzephalopathie bei Leberzirrhose (Blut = Proteinbelastung → NH₃↑)
- Aspirationspneumonie bei Hämatemesis
✨ Clinical Pearls
**1. Meläna ≠ nur untere Blutung.** Teerstuhl kann bei oberer UND unterer GI-Blutung auftreten. Bei instabilem Patienten immer erst ÖGD.
**2. Hb initial normal bei akuter Blutung.** Das Hb fällt erst nach Hämodilution ab — bei frischer Blutung kann der Wert noch normal sein!
**3. Forrest Ia/Ib = sofortige endoskopische Intervention.** Aktive Blutung braucht sofortige Blutstillung — keine Beobachtung.
**4. PPI i.v. vor Endoskopie.** Säurehemmung schützt Blutgerinnsel und erleichtert die endoskopische Therapie.
Prüfungstipps
- - Forrest-Klassifikation kennen: Ia = spritzend, Ib = sickernd, IIa = Gefäßstumpf, III = ohne Zeichen
- - Treitz-Band = Grenze obere/untere GI-Blutung (Flexura duodenojejunalis)
- - Meläna = teerschwarz, klebrig, stinkt — obere GI-Blutung (NICHT Hämatochezie verwechseln)
- - Hämatochezie + instabiler Patient → ÖGD zuerst (wegen höherer Wahrscheinlichkeit einer oberen Quelle)
- - 1 Erythrozytenkonzentrat = Hb-Anstieg um ~1 g/dL
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