Magenkarzinom
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. „Stummer" Tumor — Frühsymptome fehlen, Diagnose oft erst im fortgeschrittenen Stadium
- 2. Wichtigster Risikofaktor: Helicobacter-pylori-Infektion (Typ-B-Gastritis)
- 3. Goldstandard der Diagnostik: Gastroskopie mit Mehrfachbiopsien
- 4. Kurative Therapie: Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (ab T1b)
- 5. Prognose schlecht — 60 % der Diagnosen erfolgen bereits im fortgeschrittenen Stadium
Fallvignette
Ein 67-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 4 Monaten zunehmendem Druckgefühl im Epigastrium, frühem Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit und ungewolltem Gewichtsverlust von 9 kg.
Er berichtet über gelegentliche Übelkeit, aber kein Erbrechen und kein Blut im Stuhl. Anamnestisch: bekannte Helicobacter-pylori-Infektion, bisher nicht behandelt. Körperliche Untersuchung: Druckdolenz im Epigastrium, tastbare vergrößerte Lymphknoten supraklavikulär links (Virchow-Drüse). Labor: Hb 10,2 g/dL (hypochrom, mikrozytär), CEA 12,6 ng/mL, CA 72-4 38 U/mL (↑↑). Gastroskopie: ulzerierte, unregelmäßige Schleimhautläsion im Antrum von ca. 3 cm, Biopsien entnommen.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Magenkarzinom
Auf einen Blick
- „Stummer“ Tumor — Frühsymptome fehlen, Diagnose oft erst im fortgeschrittenen Stadium
- Wichtigster Risikofaktor: Helicobacter-pylori-Infektion (Typ-B-Gastritis)
- Goldstandard der Diagnostik: Gastroskopie mit Mehrfachbiopsien
- Kurative Therapie: Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (ab T1b)
- Prognose schlecht — 60 % der Diagnosen erfolgen bereits im fortgeschrittenen Stadium
Fallvignette
Ein 67-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 4 Monaten zunehmendem Druckgefühl im Epigastrium, frühem Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit und ungewolltem Gewichtsverlust von 9 kg.
Er berichtet über gelegentliche Übelkeit, aber kein Erbrechen und kein Blut im Stuhl. Anamnestisch: bekannte Helicobacter-pylori-Infektion, bisher nicht behandelt. Körperliche Untersuchung: Druckdolenz im Epigastrium, tastbare vergrößerte Lymphknoten supraklavikulär links (Virchow-Drüse). Labor: Hb 10,2 g/dL (hypochrom, mikrozytär), CEA 12,6 ng/mL, CA 72-4 38 U/mL (↑↑). Gastroskopie: ulzerierte, unregelmäßige Schleimhautläsion im Antrum von ca. 3 cm, Biopsien entnommen.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Maligner Tumor des Magens. Zu 90 % Adenokarzinom, ausgehend vom Drüsenepithel der Magenschleimhaut.
Prävalenz: Erhebliche regionale Unterschiede — gehäuft in Teilen Südamerikas und Asiens. In Westeuropa und den USA rückläufig. Häufigkeitsgipfel jenseits des 50. Lebensjahres (mittleres Erkrankungsalter: 70–75 Jahre). Geschlecht: ♂ = ♀.
Ätiologie & Risikofaktoren
Exogene Faktoren
- Hoher Nitratgehalt in der Nahrung (geräucherte, gesalzene, getrocknete Speisen)
- Alkohol- und Nikotinabusus
- Niedriger sozioökonomischer Status
Endogene Faktoren
- Typ-B-Gastritis (Helicobacter-pylori-Infektion) — wichtigster Risikofaktor
- Typ-A-Gastritis (Autoimmungastritis)
- Ulcus ventriculi
- Morbus Ménétrier (Riesenfaltengastritis)
- Zustand nach Magenteilresektion
- Positive Familienanamnese
- Blutgruppe A
Karzinome des gastroösophagealen Übergangs (Sonderform)
- Übergewicht
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Klassifikation
TNM-Klassifikation
| TNM | Ausdehnung |
|---|---|
| Tis | Carcinoma in situ — Basalmembran nicht überschritten, keine Metastasierung |
| T1 | Mukosa (T1a) und Submukosa (T1b) — Metastasierung möglich! |
| T2 | Infiltration der Muscularis propria |
| T3 | Infiltration der Subserosa |
| T4a | Durchbruch der Serosa |
| T4b | Infiltration benachbarter Strukturen |
| N1 | 1–2 regionäre Lymphknoten |
| N2 | 3–6 regionäre Lymphknoten |
| N3 | ≥ 7 regionäre Lymphknoten |
| M1 | Fernmetastasen / Peritonealkarzinose |
Histologische Typen (Laurén-Klassifikation)
| Typ | Wachstum | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Intestinaler Typ | Polypös, drüsig differenziert, klar begrenzt | 50 % |
| Diffuser Typ | Infiltrativ, diffuse Ausbreitung, schlecht begrenzt | 40 % |
| Mischtyp | Kombiniert | 10 % |
Merkhilfe: Siegelringzellkarzinom = diffuser Typ — schlechteste Prognose, diffuses Wachstum.
Symptome & Klinik
Das Magenkarzinom ist meist ein „stummer Tumor“ — Beschwerden oft diskret und unspezifisch.
Allgemeinsymptome
- Gewichtsabnahme
- Chronische Eisenmangelanämie
- Abneigung gegen Fleisch (charakteristisch!)
Gastrointestinale Symptome
- Oberbauchbeschwerden (Völlegefühl, Nüchternschmerz)
- Blutungszeichen: Teerstuhl (Meläna), Hämatemesis
Fortgeschrittenes Stadium
- Tastbarer Tumor im Oberbauch
- Hepatomegalie, Aszites (Peritonealkarzinose)
- Virchow-Lymphknoten: Vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten — pathognomonisch für abdominale Karzinome
Metastasierung
- Lymphogen: Lokale Lymphknoten (große/kleine Kurvatur), Truncus coeliacus, paraaortal, mesenterial
- Hämatogen: Leber, Lunge, Skelettsystem, Gehirn
- Per continuitatem: Ösophagus, Colon transversum, Pankreas
- Peritonealkarzinose (Abtropfmetastasen)
- Krukenberg-Tumor: Abtropfmetastasen in den Ovarien
Ca. 70 % der Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Lymphknotenmetastasen!
Diagnostik
Labor
- EisenmangelAnämie (Blutungsanämie)
- Tumormarker CA 72-4, CA 19-9, CEA — für Primärdiagnostik nicht geeignet, aber zur Verlaufskontrolle verwertbar
Apparative Diagnostik
Gastroskopie (Mittel der Wahl)
- Makroskopische Beurteilung der Tumorausdehnung
- Mehrfachbiopsien tumorverdächtiger Areale
Staging:
| Methode | Zweck |
|---|---|
| Abdomen-Sonographie (± KM) | Lebermetastasen? Aszites (Peritonealkarzinose?) |
| Endosonographie | Tiefenausdehnung, lokale Lymphknoten (T-Staging) |
| CT-Abdomen/-Becken mit KM | Peritonealkarzinosse? Lokoregionale und Fernmetastasen? |
| CT-Thorax | Lungenmetastasen? |
| Ggf. Laparoskopie | Bei unklarem LK-Status oder fraglicher Peritonealkarzinose |
Differentialdiagnosen
| Erkrankung | Unterscheidungsmerkmale |
|---|---|
| Magenulkus | Keine Raumforderung, benigne Histologie, heilt unter PPI |
| Chronische Gastritis | Histologisch keine malignen Zellen |
| Morbus Ménétrier | Riesenfaltengastritis, keine Infiltration |
| MALT-Lymphom | Lymphatischer Ursprung, HP-assoziiert, andere Therapie |
| GIST | Mesenchymaler Ursprung, CD117-positiv |
| Funktionelle Dyspepsie | Ausschlussdiagnose |
Therapie
Endoskopische Resektion (kurativ)
- Indikation: bis T1a, N0, M0
- Verfahren: Endoskopische Mukosaresektion (EMR) oder Submukosadissektion (ESD)
Chirurgische Resektion (kurativ)
- Indikation: ab T1b (NxM0) bis T3 — sofern Operabilität und Resektabilität gegeben
- Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (Kompartimente I und II)
- Mitresektion von Omentum minus und majus
- Passagewiederherstellung durch Roux-Y-Anastomose (mit Ösophagojejunostomie und Duodenojejunostomie)
- Alternativ: Subtotale Gastrektomie
Perioperative Therapie (ab T3)
- Kombination aus neoadjuvanter und adjuvanter (Radio-)Chemotherapie
Palliative Therapie
- Indikation: T4b, M1, N3 oder inoperabler Patient
- Analgetische Therapie
- Chemotherapie
- Endoskopische Passagewiederherstellung (PEG-Sonde oder Stenteinlage)
Komplikationen
Postoperative Komplikationen nach Gastrektomie
Postgastrektomie-Syndrom (Maldigestion):
- Eiweißmangel → Pankreasenzymsupstitution
- Steatorrhö (Fettmalabsorption) → Pankreasenzyme
- Eisenmangel → Eisensubstitution
- Perniziöse Anämie (Vitamin-B12-Mangel) → Vitamin-B12-Substitution (i.m.)
Dumping-Syndrome:
| Typ | Zeitpunkt | Mechanismus | Symptome |
|---|---|---|---|
| Frühdumping | ~20 min nach Essen | Hyperosmolalität im Dünndarm → Volumenverlagerung | Schmerzen, Übelkeit, Diarrhö, Schock |
| Spätdumping | 1–3 h nach Essen | Schnelle Glukoseresorption → Hyperglykämie → reaktive Hypoglykämie | Kaltschweißigkeit, Schock |
Schlingen-Syndrome:
- Syndrom der abführenden Schlinge: Erbrechen, Völlegefühl
- Syndrom der blinden Schlinge: Bakterielle Fehlsiedlung → Diarrhö, Steatorrhö
- Syndrom der zuführenden Schlinge: Galliges Erbrechen mit Besserung danach
Prognose
- Diagnose in 60 % der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium
- Insgesamt schlechte Prognose aufgrund fehlender Frühsymptome
- 5-Jahres-Überlebensrate bei lokal begrenzten Tumoren (T1/T2): ~70 %
- 5-Jahres-Überlebensrate bei fortgeschrittenen Tumoren (T3/T4, Metastasen): <20 %
Klinische Perlen
1. Virchow-Lymphknoten = Alarmsignal. Ein vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten bei unklaren Oberbauchbeschwerden ist immer gastrointestinal bis zum Beweis des Gegenteils.
2. Abneigung gegen Fleisch ist kein Zufall. Dieses Symptom tritt bei vielen Magenkarzinom-Patienten auf und sollte zusammen mit Gewichtsverlust und Anämie sofort zur Gastroskopie führen.
3. Jedes Magenulkus braucht Kontrolle. Bis zur vollständigen Abheilung muss jedes Ulcus ventriculi endoskopisch kontrolliert werden — Karzinom ausschließen!
4. Krukenberg-Tumor denken. Ovarialmetastasen durch Abtropfung bei jungen Frauen mit Gewichtsverlust und Aszites — immer Magendiagnostik einschließen.
Prüfungstipps
- Virchow-Lymphknoten = klassische Prüfungsfalle — links supraklavikulär, Abtropfmetastase abdominaler Karzinome
- Krukenberg-Tumor = Ovarialmetastase des Magenkarzinoms — merken!
- Dumping-Früh vs. Spät: Früh = osmotisch (Volumenverlagerung), Spät = reaktive Hypoglykämie
- Laurén-Klassifikation: Intestinaler vs. diffuser Typ — diffus hat schlechtere Prognose
- D2-Lymphadenektomie ist Standard bei kurativer Resektion
- Tumormarker (CA 72-4) für Verlaufskontrolle, NICHT für Erstdiagnose
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Virchow-Lymphknoten | Linker supraklavikulärer Lymphknoten als Metastasierungsort abdominaler Karzinome |
| Krukenberg-Tumor | Abtropfmetastase des Magenkarzinoms in den Ovarien |
| D2-Lymphadenektomie | Radikale LK-Dissektion der Kompartimente I und II — Standard beim Magenkarzinom |
| Roux-Y-Anastomose | Standardverfahren zur Passagerekonstruktion nach Gastrektomie |
| Frühdumping | Osmotisch bedingte Hypovolämie ~20 min nach Mahlzeit nach Gastrektomie |
| Spätdumping | Reaktive Hypoglykämie 1–3 h nach Mahlzeit nach Gastrektomie |
| Laurén-Klassifikation | Histologische Einteilung: intestinaler Typ (50 %) vs. diffuser Typ (40 %) |
| Siegelringzellkarzinom | Diffuser Subtyp mit schlechtester Prognose |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Maligner Tumor des Magens. Zu 90 % Adenokarzinom, ausgehend vom Drüsenepithel der Magenschleimhaut.
Prävalenz: Erhebliche regionale Unterschiede — gehäuft in Teilen Südamerikas und Asiens. In Westeuropa und den USA rückläufig. Häufigkeitsgipfel jenseits des 50. Lebensjahres (mittleres Erkrankungsalter: 70–75 Jahre). Geschlecht: ♂ = ♀.
Ätiologie 🔗
Exogene Faktoren
- Hoher Nitratgehalt in der Nahrung (geräucherte, gesalzene, getrocknete Speisen)
- Alkohol- und Nikotinabusus
- Niedriger sozioökonomischer Status
Endogene Faktoren
- Typ-B-Gastritis (Helicobacter-pylori-Infektion) — wichtigster Risikofaktor
- Typ-A-Gastritis (Autoimmungastritis)
- Ulcus ventriculi
- Morbus Ménétrier (Riesenfaltengastritis)
- Zustand nach Magenteilresektion
- Positive Familienanamnese
- Blutgruppe A
Karzinome des gastroösophagealen Übergangs (Sonderform)
- Übergewicht
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Symptome & Klinik 🔗
TNM-Klassifikation
| TNM | Ausdehnung |
|---|---|
| Tis | Carcinoma in situ — Basalmembran nicht überschritten, keine Metastasierung |
| T1 | Mukosa (T1a) und Submukosa (T1b) — Metastasierung möglich! |
| T2 | Infiltration der Muscularis propria |
| T3 | Infiltration der Subserosa |
| T4a | Durchbruch der Serosa |
| T4b | Infiltration benachbarter Strukturen |
| N1 | 1–2 regionäre Lymphknoten |
| N2 | 3–6 regionäre Lymphknoten |
| N3 | ≥ 7 regionäre Lymphknoten |
| M1 | Fernmetastasen / Peritonealkarzinose |
Histologische Typen (Laurén-Klassifikation)
| Typ | Wachstum | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Intestinaler Typ | Polypös, drüsig differenziert, klar begrenzt | 50 % |
| Diffuser Typ | Infiltrativ, diffuse Ausbreitung, schlecht begrenzt | 40 % |
| Mischtyp | Kombiniert | 10 % |
Merkhilfe: Siegelringzellkarzinom = diffuser Typ — schlechteste Prognose, diffuses Wachstum.
Das Magenkarzinom ist meist ein „stummer Tumor" — Beschwerden oft diskret und unspezifisch.
Allgemeinsymptome
- Gewichtsabnahme
- Chronische Eisenmangelanämie
- Abneigung gegen Fleisch (charakteristisch!)
Gastrointestinale Symptome
- Oberbauchbeschwerden (Völlegefühl, Nüchternschmerz)
- Blutungszeichen: Teerstuhl (Meläna), Hämatemesis
Fortgeschrittenes Stadium
- Tastbarer Tumor im Oberbauch
- Hepatomegalie, Aszites (Peritonealkarzinose)
- Virchow-Lymphknoten: Vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten — pathognomonisch für abdominale Karzinome
Diagnostik 🔗
Labor
- Eisenmangelanämie (Blutungsanämie)
- Tumormarker CA 72-4, CA 19-9, CEA — für Primärdiagnostik nicht geeignet, aber zur Verlaufskontrolle verwertbar
Apparative Diagnostik
Gastroskopie (Mittel der Wahl)
- Makroskopische Beurteilung der Tumorausdehnung
- Mehrfachbiopsien tumorverdächtiger Areale
Staging:
| Methode | Zweck |
|---|---|
| Abdomen-Sonographie (± KM) | Lebermetastasen? Aszites (Peritonealkarzinose?) |
| Endosonographie | Tiefenausdehnung, lokale Lymphknoten (T-Staging) |
| CT-Abdomen/-Becken mit KM | Peritonealkarzinosse? Lokoregionale und Fernmetastasen? |
| CT-Thorax | Lungenmetastasen? |
| Ggf. Laparoskopie | Bei unklarem LK-Status oder fraglicher Peritonealkarzinose |
Differentialdiagnosen 🔗
| Erkrankung | Unterscheidungsmerkmale |
|---|---|
| Magenulkus | Keine Raumforderung, benigne Histologie, heilt unter PPI |
| Chronische Gastritis | Histologisch keine malignen Zellen |
| Morbus Ménétrier | Riesenfaltengastritis, keine Infiltration |
| MALT-Lymphom | Lymphatischer Ursprung, HP-assoziiert, andere Therapie |
| GIST | Mesenchymaler Ursprung, CD117-positiv |
| Funktionelle Dyspepsie | Ausschlussdiagnose |
Therapie 🔗
Endoskopische Resektion (kurativ)
- Indikation: bis T1a, N0, M0
- Verfahren: Endoskopische Mukosaresektion (EMR) oder Submukosadissektion (ESD)
Chirurgische Resektion (kurativ)
- Indikation: ab T1b (NxM0) bis T3 — sofern Operabilität und Resektabilität gegeben
- Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (Kompartimente I und II)
- Mitresektion von Omentum minus und majus
- Passagewiederherstellung durch Roux-Y-Anastomose (mit Ösophagojejunostomie und Duodenojejunostomie)
- Alternativ: Subtotale Gastrektomie
Perioperative Therapie (ab T3)
- Kombination aus neoadjuvanter und adjuvanter (Radio-)Chemotherapie
Palliative Therapie
- Indikation: T4b, M1, N3 oder inoperabler Patient
- Analgetische Therapie
- Chemotherapie
- Endoskopische Passagewiederherstellung (PEG-Sonde oder Stenteinlage)
Komplikationen 🔗
Postoperative Komplikationen nach Gastrektomie
Postgastrektomie-Syndrom (Maldigestion):
- Eiweißmangel → Pankreasenzymsupstitution
- Steatorrhö (Fettmalabsorption) → Pankreasenzyme
- Eisenmangel → Eisensubstitution
- Perniziöse Anämie (Vitamin-B12-Mangel) → Vitamin-B12-Substitution (i.m.)
Dumping-Syndrome:
| Typ | Zeitpunkt | Mechanismus | Symptome |
|---|---|---|---|
| Frühdumping | ~20 min nach Essen | Hyperosmolalität im Dünndarm → Volumenverlagerung | Schmerzen, Übelkeit, Diarrhö, Schock |
| Spätdumping | 1–3 h nach Essen | Schnelle Glukoseresorption → Hyperglykämie → reaktive Hypoglykämie | Kaltschweißigkeit, Schock |
Schlingen-Syndrome:
- Syndrom der abführenden Schlinge: Erbrechen, Völlegefühl
- Syndrom der blinden Schlinge: Bakterielle Fehlsiedlung → Diarrhö, Steatorrhö
- Syndrom der zuführenden Schlinge: Galliges Erbrechen mit Besserung danach
Prognose 🔗
- Diagnose in 60 % der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium
- Insgesamt schlechte Prognose aufgrund fehlender Frühsymptome
- 5-Jahres-Überlebensrate bei lokal begrenzten Tumoren (T1/T2): ~70 %
- 5-Jahres-Überlebensrate bei fortgeschrittenen Tumoren (T3/T4, Metastasen): <20 %
✨ Clinical Pearls
**1. Virchow-Lymphknoten = Alarmsignal.** Ein vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten bei unklaren Oberbauchbeschwerden ist immer gastrointestinal bis zum Beweis des Gegenteils.
**2. Abneigung gegen Fleisch ist kein Zufall.** Dieses Symptom tritt bei vielen Magenkarzinom-Patienten auf und sollte zusammen mit Gewichtsverlust und Anämie sofort zur Gastroskopie führen.
**3. Jedes Magenulkus braucht Kontrolle.** Bis zur vollständigen Abheilung muss jedes Ulcus ventriculi endoskopisch kontrolliert werden — Karzinom ausschließen!
**4. Krukenberg-Tumor denken.** Ovarialmetastasen durch Abtropfung bei jungen Frauen mit Gewichtsverlust und Aszites — immer Magendiagnostik einschließen.
Prüfungstipps
- - Virchow-Lymphknoten = klassische Prüfungsfalle — links supraklavikulär, Abtropfmetastase abdominaler Karzinome
- - Krukenberg-Tumor = Ovarialmetastase des Magenkarzinoms — merken!
- - Dumping-Früh vs. Spät: Früh = osmotisch (Volumenverlagerung), Spät = reaktive Hypoglykämie
- - Laurén-Klassifikation: Intestinaler vs. diffuser Typ — diffus hat schlechtere Prognose
- - D2-Lymphadenektomie ist Standard bei kurativer Resektion
- - Tumormarker (CA 72-4) für Verlaufskontrolle, NICHT für Erstdiagnose
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