★★★ Sehr wichtig Gastroenterologie 25 Min.

Magenkarzinom

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. „Stummer" Tumor — Frühsymptome fehlen, Diagnose oft erst im fortgeschrittenen Stadium
  • 2. Wichtigster Risikofaktor: Helicobacter-pylori-Infektion (Typ-B-Gastritis)
  • 3. Goldstandard der Diagnostik: Gastroskopie mit Mehrfachbiopsien
  • 4. Kurative Therapie: Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (ab T1b)
  • 5. Prognose schlecht — 60 % der Diagnosen erfolgen bereits im fortgeschrittenen Stadium

Fallvignette

Ein 67-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 4 Monaten zunehmendem Druckgefühl im Epigastrium, frühem Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit und ungewolltem Gewichtsverlust von 9 kg.

Er berichtet über gelegentliche Übelkeit, aber kein Erbrechen und kein Blut im Stuhl. Anamnestisch: bekannte Helicobacter-pylori-Infektion, bisher nicht behandelt. Körperliche Untersuchung: Druckdolenz im Epigastrium, tastbare vergrößerte Lymphknoten supraklavikulär links (Virchow-Drüse). Labor: Hb 10,2 g/dL (hypochrom, mikrozytär), CEA 12,6 ng/mL, CA 72-4 38 U/mL (↑↑). Gastroskopie: ulzerierte, unregelmäßige Schleimhautläsion im Antrum von ca. 3 cm, Biopsien entnommen.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Magenkarzinom

Auf einen Blick

  1. „Stummer“ Tumor — Frühsymptome fehlen, Diagnose oft erst im fortgeschrittenen Stadium
  2. Wichtigster Risikofaktor: Helicobacter-pylori-Infektion (Typ-B-Gastritis)
  3. Goldstandard der Diagnostik: Gastroskopie mit Mehrfachbiopsien
  4. Kurative Therapie: Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (ab T1b)
  5. Prognose schlecht — 60 % der Diagnosen erfolgen bereits im fortgeschrittenen Stadium

Fallvignette

Ein 67-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 4 Monaten zunehmendem Druckgefühl im Epigastrium, frühem Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit und ungewolltem Gewichtsverlust von 9 kg.

Er berichtet über gelegentliche Übelkeit, aber kein Erbrechen und kein Blut im Stuhl. Anamnestisch: bekannte Helicobacter-pylori-Infektion, bisher nicht behandelt. Körperliche Untersuchung: Druckdolenz im Epigastrium, tastbare vergrößerte Lymphknoten supraklavikulär links (Virchow-Drüse). Labor: Hb 10,2 g/dL (hypochrom, mikrozytär), CEA 12,6 ng/mL, CA 72-4 38 U/mL (↑↑). Gastroskopie: ulzerierte, unregelmäßige Schleimhautläsion im Antrum von ca. 3 cm, Biopsien entnommen.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Maligner Tumor des Magens. Zu 90 % Adenokarzinom, ausgehend vom Drüsenepithel der Magenschleimhaut.

Prävalenz: Erhebliche regionale Unterschiede — gehäuft in Teilen Südamerikas und Asiens. In Westeuropa und den USA rückläufig. Häufigkeitsgipfel jenseits des 50. Lebensjahres (mittleres Erkrankungsalter: 70–75 Jahre). Geschlecht: ♂ = ♀.


Ätiologie & Risikofaktoren

Exogene Faktoren

  • Hoher Nitratgehalt in der Nahrung (geräucherte, gesalzene, getrocknete Speisen)
  • Alkohol- und Nikotinabusus
  • Niedriger sozioökonomischer Status

Endogene Faktoren

  • Typ-B-Gastritis (Helicobacter-pylori-Infektion) — wichtigster Risikofaktor
  • Typ-A-Gastritis (Autoimmungastritis)
  • Ulcus ventriculi
  • Morbus Ménétrier (Riesenfaltengastritis)
  • Zustand nach Magenteilresektion
  • Positive Familienanamnese
  • Blutgruppe A

Karzinome des gastroösophagealen Übergangs (Sonderform)

  • Übergewicht
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Klassifikation

TNM-Klassifikation

TNM Ausdehnung
Tis Carcinoma in situ — Basalmembran nicht überschritten, keine Metastasierung
T1 Mukosa (T1a) und Submukosa (T1b) — Metastasierung möglich!
T2 Infiltration der Muscularis propria
T3 Infiltration der Subserosa
T4a Durchbruch der Serosa
T4b Infiltration benachbarter Strukturen
N1 1–2 regionäre Lymphknoten
N2 3–6 regionäre Lymphknoten
N3 ≥ 7 regionäre Lymphknoten
M1 Fernmetastasen / Peritonealkarzinose

Histologische Typen (Laurén-Klassifikation)

Typ Wachstum Häufigkeit
Intestinaler Typ Polypös, drüsig differenziert, klar begrenzt 50 %
Diffuser Typ Infiltrativ, diffuse Ausbreitung, schlecht begrenzt 40 %
Mischtyp Kombiniert 10 %

Merkhilfe: Siegelringzellkarzinom = diffuser Typ — schlechteste Prognose, diffuses Wachstum.


Symptome & Klinik

Das Magenkarzinom ist meist ein „stummer Tumor“ — Beschwerden oft diskret und unspezifisch.

Allgemeinsymptome

  • Gewichtsabnahme
  • Chronische Eisenmangelanämie
  • Abneigung gegen Fleisch (charakteristisch!)

Gastrointestinale Symptome

  • Oberbauchbeschwerden (Völlegefühl, Nüchternschmerz)
  • Blutungszeichen: Teerstuhl (Meläna), Hämatemesis

Fortgeschrittenes Stadium

  • Tastbarer Tumor im Oberbauch
  • Hepatomegalie, Aszites (Peritonealkarzinose)
  • Virchow-Lymphknoten: Vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten — pathognomonisch für abdominale Karzinome

Metastasierung

  • Lymphogen: Lokale Lymphknoten (große/kleine Kurvatur), Truncus coeliacus, paraaortal, mesenterial
  • Hämatogen: Leber, Lunge, Skelettsystem, Gehirn
  • Per continuitatem: Ösophagus, Colon transversum, Pankreas
  • Peritonealkarzinose (Abtropfmetastasen)
  • Krukenberg-Tumor: Abtropfmetastasen in den Ovarien

Ca. 70 % der Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Lymphknotenmetastasen!


Diagnostik

Labor

  • EisenmangelAnämie (Blutungsanämie)
  • Tumormarker CA 72-4, CA 19-9, CEA — für Primärdiagnostik nicht geeignet, aber zur Verlaufskontrolle verwertbar

Apparative Diagnostik

Gastroskopie (Mittel der Wahl)

  • Makroskopische Beurteilung der Tumorausdehnung
  • Mehrfachbiopsien tumorverdächtiger Areale

Staging:

Methode Zweck
Abdomen-Sonographie (± KM) Lebermetastasen? Aszites (Peritonealkarzinose?)
Endosonographie Tiefenausdehnung, lokale Lymphknoten (T-Staging)
CT-Abdomen/-Becken mit KM Peritonealkarzinosse? Lokoregionale und Fernmetastasen?
CT-Thorax Lungenmetastasen?
Ggf. Laparoskopie Bei unklarem LK-Status oder fraglicher Peritonealkarzinose

Differentialdiagnosen

Erkrankung Unterscheidungsmerkmale
Magenulkus Keine Raumforderung, benigne Histologie, heilt unter PPI
Chronische Gastritis Histologisch keine malignen Zellen
Morbus Ménétrier Riesenfaltengastritis, keine Infiltration
MALT-Lymphom Lymphatischer Ursprung, HP-assoziiert, andere Therapie
GIST Mesenchymaler Ursprung, CD117-positiv
Funktionelle Dyspepsie Ausschlussdiagnose

Therapie

Endoskopische Resektion (kurativ)

  • Indikation: bis T1a, N0, M0
  • Verfahren: Endoskopische Mukosaresektion (EMR) oder Submukosadissektion (ESD)

Chirurgische Resektion (kurativ)

  • Indikation: ab T1b (NxM0) bis T3 — sofern Operabilität und Resektabilität gegeben
  • Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (Kompartimente I und II)
  • Mitresektion von Omentum minus und majus
  • Passagewiederherstellung durch Roux-Y-Anastomose (mit Ösophagojejunostomie und Duodenojejunostomie)
  • Alternativ: Subtotale Gastrektomie

Perioperative Therapie (ab T3)

  • Kombination aus neoadjuvanter und adjuvanter (Radio-)Chemotherapie

Palliative Therapie

  • Indikation: T4b, M1, N3 oder inoperabler Patient
  • Analgetische Therapie
  • Chemotherapie
  • Endoskopische Passagewiederherstellung (PEG-Sonde oder Stenteinlage)

Komplikationen

Postoperative Komplikationen nach Gastrektomie

Postgastrektomie-Syndrom (Maldigestion):

  • Eiweißmangel → Pankreasenzymsupstitution
  • Steatorrhö (Fettmalabsorption) → Pankreasenzyme
  • Eisenmangel → Eisensubstitution
  • Perniziöse Anämie (Vitamin-B12-Mangel) → Vitamin-B12-Substitution (i.m.)

Dumping-Syndrome:

Typ Zeitpunkt Mechanismus Symptome
Frühdumping ~20 min nach Essen Hyperosmolalität im Dünndarm → Volumenverlagerung Schmerzen, Übelkeit, Diarrhö, Schock
Spätdumping 1–3 h nach Essen Schnelle Glukoseresorption → Hyperglykämie → reaktive Hypoglykämie Kaltschweißigkeit, Schock

Schlingen-Syndrome:

  • Syndrom der abführenden Schlinge: Erbrechen, Völlegefühl
  • Syndrom der blinden Schlinge: Bakterielle Fehlsiedlung → Diarrhö, Steatorrhö
  • Syndrom der zuführenden Schlinge: Galliges Erbrechen mit Besserung danach

Prognose

  • Diagnose in 60 % der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium
  • Insgesamt schlechte Prognose aufgrund fehlender Frühsymptome
  • 5-Jahres-Überlebensrate bei lokal begrenzten Tumoren (T1/T2): ~70 %
  • 5-Jahres-Überlebensrate bei fortgeschrittenen Tumoren (T3/T4, Metastasen): <20 %

Klinische Perlen

1. Virchow-Lymphknoten = Alarmsignal. Ein vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten bei unklaren Oberbauchbeschwerden ist immer gastrointestinal bis zum Beweis des Gegenteils.

2. Abneigung gegen Fleisch ist kein Zufall. Dieses Symptom tritt bei vielen Magenkarzinom-Patienten auf und sollte zusammen mit Gewichtsverlust und Anämie sofort zur Gastroskopie führen.

3. Jedes Magenulkus braucht Kontrolle. Bis zur vollständigen Abheilung muss jedes Ulcus ventriculi endoskopisch kontrolliert werden — Karzinom ausschließen!

4. Krukenberg-Tumor denken. Ovarialmetastasen durch Abtropfung bei jungen Frauen mit Gewichtsverlust und Aszites — immer Magendiagnostik einschließen.


Prüfungstipps

  • Virchow-Lymphknoten = klassische Prüfungsfalle — links supraklavikulär, Abtropfmetastase abdominaler Karzinome
  • Krukenberg-Tumor = Ovarialmetastase des Magenkarzinoms — merken!
  • Dumping-Früh vs. Spät: Früh = osmotisch (Volumenverlagerung), Spät = reaktive Hypoglykämie
  • Laurén-Klassifikation: Intestinaler vs. diffuser Typ — diffus hat schlechtere Prognose
  • D2-Lymphadenektomie ist Standard bei kurativer Resektion
  • Tumormarker (CA 72-4) für Verlaufskontrolle, NICHT für Erstdiagnose

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Virchow-Lymphknoten Linker supraklavikulärer Lymphknoten als Metastasierungsort abdominaler Karzinome
Krukenberg-Tumor Abtropfmetastase des Magenkarzinoms in den Ovarien
D2-Lymphadenektomie Radikale LK-Dissektion der Kompartimente I und II — Standard beim Magenkarzinom
Roux-Y-Anastomose Standardverfahren zur Passagerekonstruktion nach Gastrektomie
Frühdumping Osmotisch bedingte Hypovolämie ~20 min nach Mahlzeit nach Gastrektomie
Spätdumping Reaktive Hypoglykämie 1–3 h nach Mahlzeit nach Gastrektomie
Laurén-Klassifikation Histologische Einteilung: intestinaler Typ (50 %) vs. diffuser Typ (40 %)
Siegelringzellkarzinom Diffuser Subtyp mit schlechtester Prognose

🎓 Jetzt für KP & FSP vorbereiten

Dieses KP-Buch-Kapitel ist Teil unserer Kursvorbereitung. Im All-in-One Masterkurs findest du alle Fachgebiete, Prüfungsprotokolle und Arztbrief-Training.

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Maligner Tumor des Magens. Zu 90 % Adenokarzinom, ausgehend vom Drüsenepithel der Magenschleimhaut.

Prävalenz: Erhebliche regionale Unterschiede — gehäuft in Teilen Südamerikas und Asiens. In Westeuropa und den USA rückläufig. Häufigkeitsgipfel jenseits des 50. Lebensjahres (mittleres Erkrankungsalter: 70–75 Jahre). Geschlecht: ♂ = ♀.


Ätiologie 🔗

Exogene Faktoren

  • Hoher Nitratgehalt in der Nahrung (geräucherte, gesalzene, getrocknete Speisen)
  • Alkohol- und Nikotinabusus
  • Niedriger sozioökonomischer Status

Endogene Faktoren

  • Typ-B-Gastritis (Helicobacter-pylori-Infektion) — wichtigster Risikofaktor
  • Typ-A-Gastritis (Autoimmungastritis)
  • Ulcus ventriculi
  • Morbus Ménétrier (Riesenfaltengastritis)
  • Zustand nach Magenteilresektion
  • Positive Familienanamnese
  • Blutgruppe A

Karzinome des gastroösophagealen Übergangs (Sonderform)

  • Übergewicht
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Symptome & Klinik 🔗

TNM-Klassifikation

TNM Ausdehnung
Tis Carcinoma in situ — Basalmembran nicht überschritten, keine Metastasierung
T1 Mukosa (T1a) und Submukosa (T1b) — Metastasierung möglich!
T2 Infiltration der Muscularis propria
T3 Infiltration der Subserosa
T4a Durchbruch der Serosa
T4b Infiltration benachbarter Strukturen
N1 1–2 regionäre Lymphknoten
N2 3–6 regionäre Lymphknoten
N3 ≥ 7 regionäre Lymphknoten
M1 Fernmetastasen / Peritonealkarzinose

Histologische Typen (Laurén-Klassifikation)

Typ Wachstum Häufigkeit
Intestinaler Typ Polypös, drüsig differenziert, klar begrenzt 50 %
Diffuser Typ Infiltrativ, diffuse Ausbreitung, schlecht begrenzt 40 %
Mischtyp Kombiniert 10 %

Merkhilfe: Siegelringzellkarzinom = diffuser Typ — schlechteste Prognose, diffuses Wachstum.


Das Magenkarzinom ist meist ein „stummer Tumor" — Beschwerden oft diskret und unspezifisch.

Allgemeinsymptome

  • Gewichtsabnahme
  • Chronische Eisenmangelanämie
  • Abneigung gegen Fleisch (charakteristisch!)

Gastrointestinale Symptome

  • Oberbauchbeschwerden (Völlegefühl, Nüchternschmerz)
  • Blutungszeichen: Teerstuhl (Meläna), Hämatemesis

Fortgeschrittenes Stadium

  • Tastbarer Tumor im Oberbauch
  • Hepatomegalie, Aszites (Peritonealkarzinose)
  • Virchow-Lymphknoten: Vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten — pathognomonisch für abdominale Karzinome

Diagnostik 🔗

Labor

  • Eisenmangelanämie (Blutungsanämie)
  • Tumormarker CA 72-4, CA 19-9, CEA — für Primärdiagnostik nicht geeignet, aber zur Verlaufskontrolle verwertbar

Apparative Diagnostik

Gastroskopie (Mittel der Wahl)

  • Makroskopische Beurteilung der Tumorausdehnung
  • Mehrfachbiopsien tumorverdächtiger Areale

Staging:

Methode Zweck
Abdomen-Sonographie (± KM) Lebermetastasen? Aszites (Peritonealkarzinose?)
Endosonographie Tiefenausdehnung, lokale Lymphknoten (T-Staging)
CT-Abdomen/-Becken mit KM Peritonealkarzinosse? Lokoregionale und Fernmetastasen?
CT-Thorax Lungenmetastasen?
Ggf. Laparoskopie Bei unklarem LK-Status oder fraglicher Peritonealkarzinose

Differentialdiagnosen 🔗

Erkrankung Unterscheidungsmerkmale
Magenulkus Keine Raumforderung, benigne Histologie, heilt unter PPI
Chronische Gastritis Histologisch keine malignen Zellen
Morbus Ménétrier Riesenfaltengastritis, keine Infiltration
MALT-Lymphom Lymphatischer Ursprung, HP-assoziiert, andere Therapie
GIST Mesenchymaler Ursprung, CD117-positiv
Funktionelle Dyspepsie Ausschlussdiagnose

Therapie 🔗

Endoskopische Resektion (kurativ)

  • Indikation: bis T1a, N0, M0
  • Verfahren: Endoskopische Mukosaresektion (EMR) oder Submukosadissektion (ESD)

Chirurgische Resektion (kurativ)

  • Indikation: ab T1b (NxM0) bis T3 — sofern Operabilität und Resektabilität gegeben
  • Radikale Gastrektomie mit D2-Lymphadenektomie (Kompartimente I und II)
  • Mitresektion von Omentum minus und majus
  • Passagewiederherstellung durch Roux-Y-Anastomose (mit Ösophagojejunostomie und Duodenojejunostomie)
  • Alternativ: Subtotale Gastrektomie

Perioperative Therapie (ab T3)

  • Kombination aus neoadjuvanter und adjuvanter (Radio-)Chemotherapie

Palliative Therapie

  • Indikation: T4b, M1, N3 oder inoperabler Patient
  • Analgetische Therapie
  • Chemotherapie
  • Endoskopische Passagewiederherstellung (PEG-Sonde oder Stenteinlage)

Komplikationen 🔗

Postoperative Komplikationen nach Gastrektomie

Postgastrektomie-Syndrom (Maldigestion):

  • Eiweißmangel → Pankreasenzymsupstitution
  • Steatorrhö (Fettmalabsorption) → Pankreasenzyme
  • Eisenmangel → Eisensubstitution
  • Perniziöse Anämie (Vitamin-B12-Mangel) → Vitamin-B12-Substitution (i.m.)

Dumping-Syndrome:

Typ Zeitpunkt Mechanismus Symptome
Frühdumping ~20 min nach Essen Hyperosmolalität im Dünndarm → Volumenverlagerung Schmerzen, Übelkeit, Diarrhö, Schock
Spätdumping 1–3 h nach Essen Schnelle Glukoseresorption → Hyperglykämie → reaktive Hypoglykämie Kaltschweißigkeit, Schock

Schlingen-Syndrome:

  • Syndrom der abführenden Schlinge: Erbrechen, Völlegefühl
  • Syndrom der blinden Schlinge: Bakterielle Fehlsiedlung → Diarrhö, Steatorrhö
  • Syndrom der zuführenden Schlinge: Galliges Erbrechen mit Besserung danach

Prognose 🔗

  • Diagnose in 60 % der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium
  • Insgesamt schlechte Prognose aufgrund fehlender Frühsymptome
  • 5-Jahres-Überlebensrate bei lokal begrenzten Tumoren (T1/T2): ~70 %
  • 5-Jahres-Überlebensrate bei fortgeschrittenen Tumoren (T3/T4, Metastasen): <20 %

✨ Clinical Pearls

**1. Virchow-Lymphknoten = Alarmsignal.** Ein vergrößerter linker supraklavikulärer Lymphknoten bei unklaren Oberbauchbeschwerden ist immer gastrointestinal bis zum Beweis des Gegenteils.

**2. Abneigung gegen Fleisch ist kein Zufall.** Dieses Symptom tritt bei vielen Magenkarzinom-Patienten auf und sollte zusammen mit Gewichtsverlust und Anämie sofort zur Gastroskopie führen.

**3. Jedes Magenulkus braucht Kontrolle.** Bis zur vollständigen Abheilung muss jedes Ulcus ventriculi endoskopisch kontrolliert werden — Karzinom ausschließen!

**4. Krukenberg-Tumor denken.** Ovarialmetastasen durch Abtropfung bei jungen Frauen mit Gewichtsverlust und Aszites — immer Magendiagnostik einschließen.

Prüfungstipps

  • - Virchow-Lymphknoten = klassische Prüfungsfalle — links supraklavikulär, Abtropfmetastase abdominaler Karzinome
  • - Krukenberg-Tumor = Ovarialmetastase des Magenkarzinoms — merken!
  • - Dumping-Früh vs. Spät: Früh = osmotisch (Volumenverlagerung), Spät = reaktive Hypoglykämie
  • - Laurén-Klassifikation: Intestinaler vs. diffuser Typ — diffus hat schlechtere Prognose
  • - D2-Lymphadenektomie ist Standard bei kurativer Resektion
  • - Tumormarker (CA 72-4) für Verlaufskontrolle, NICHT für Erstdiagnose

Schlüsselbegriffe

BegriffVirchow-LymphknotenKrukenberg-TumorD2-LymphadenektomieRoux-Y-AnastomoseFrühdumpingSpätdumpingLaurén-KlassifikationSiegelringzellkarzinom

Wissen testen

Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.