Ikterus und Cholestase
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Ikterus = Gelbfärbung durch Bilirubinablagerung — Sklerenikterus ab 2 mg/dL, Hautikterus ab 3 mg/dL
- 2. Drei Formen: Prähepatisch (Hämolyse) → Intrahepatisch (Leberschaden) → Posthepatisch (Gallenabflussbehinderung)
- 3. Schlüssel: indirektes vs. direktes Bilirubin + Sono (Gallenwege gestaut?)
- 4. Cholestase-Zeichen: heller Stuhl + dunkler Urin + Pruritus + Steatorrhö
- 5. Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung
Fallvignette
Ein 72-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 3 Wochen progredientem Ikterus, deutlichem Gewichtsverlust (7 kg) und schmerzlosem Auftreten. Er berichtet über entfärbten Stuhl und dunkelbraunen Urin sowie Pruritus.
Keine Vorerkrankungen bekannt, kein Alkohol. Temperatur 36,6 °C. Körperliche Untersuchung: ausgeprägter Sklerenikterus und Hautikterus, Abdomen weich, prallelastische, nicht druckdolente Gallenblase tastbar. Labor: Bilirubin gesamt 14,2 mg/dL (direkt 11,8 mg/dL), AP 480 U/L (↑↑), GGT 620 U/L (↑↑), GOT 68 U/L, GPT 82 U/L, CA 19-9 890 U/mL (↑↑). Sonographie: Dilatation des Ductus choledochus (12 mm) und Ductus wirsungianus, echoarme Raumforderung im Pankreaskopfbereich.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Ikterus und Cholestase
Auf einen Blick
- Ikterus = Gelbfärbung durch Bilirubinablagerung — Sklerenikterus ab 2 mg/dL, Hautikterus ab 3 mg/dL
- Drei Formen: Prähepatisch (Hämolyse) → Intrahepatisch (Leberschaden) → Posthepatisch (Gallenabflussbehinderung)
- Schlüssel: indirektes vs. direktes Bilirubin + Sono (Gallenwege gestaut?)
- Cholestase-Zeichen: heller Stuhl + dunkler Urin + Pruritus + Steatorrhö
- Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung
Fallvignette
Ein 72-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 3 Wochen progredientem Ikterus, deutlichem Gewichtsverlust (7 kg) und schmerzlosem Auftreten. Er berichtet über entfärbten Stuhl und dunkelbraunen Urin sowie Pruritus.
Keine Vorerkrankungen bekannt, kein Alkohol. Temperatur 36,6 °C. Körperliche Untersuchung: ausgeprägter Sklerenikterus und Hautikterus, Abdomen weich, prallelastische, nicht druckdolente Gallenblase tastbar. Labor: Bilirubin gesamt 14,2 mg/dL (direkt 11,8 mg/dL), AP 480 U/L (↑↑), GGT 620 U/L (↑↑), GOT 68 U/L, GPT 82 U/L, CA 19-9 890 U/mL (↑↑). Sonographie: Dilatation des Ductus choledochus (12 mm) und Ductus wirsungianus, echoarme Raumforderung im Pankreaskopfbereich.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definitionen
- Ikterus (Gelbsucht): Gelbfärbung von Haut, Schleimhaut und Skleren durch Bilirubinablagerung
- Sklerenikterus: ab Serumbilirubin > 2 mg/dL
- Hautikterus: ab Serumbilirubin > 3 mg/dL
- Pseudoikterus: Farbstoffablagerungen ohne Bilirubinerhöhung (z.B. Karotenämie durch Karottengenuss) — DD!
- Cholestase: Störung der Gallensekretion oder des Gallenabflusses (intrahepatisch oder extrahepatisch)
Ein Ikterus ohne Cholestase ist möglich (prähepatisch). Eine Cholestase ohne Ikterus ist im Frühstadium möglich!
Ätiologie & Klassifikation
Prähepatischer Ikterus
Ursache: Übermäßiger Bilirubinanfall durch Hämolyse oder ineffektive Erythropoese
- G6PD-Mangel, Sphärozytose, SichelzellAnämie
- Perniziöse Anämie (ineffektive Erythropoese)
Intrahepatischer Ikterus
Nicht-obstruktive Cholestase:
- Hepatitis (viral, autoimmun, alkoholisch)
- Leberzirrhose
- Stauungsleber
- Primär biliäre Cholangitis (PBC)
Obstruktive Cholestase (intrahepatisch):
- Lebertumoren (HCC, Metastasen, cholangiozelluläres Karzinom)
- Intrahepatische Gallensteine
- Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Posthepatischer Ikterus (= obstruktive posthepatische Cholestase)
- Choledocholithiasis (häufigste Ursache!)
- Pankreaskarzinom (Klatskin-Tumor, Papillenkarzinom)
- Gallengangskarzinom
- Gallengangsstrikturen (postoperativ, entzündlich)
- PSC
Pathophysiologie des Bilirubinstoffwechsels
- Milz/KM: Häm aus Hämoglobin → unkonjugiertes (indirektes) Bilirubin (fettlöslich, an Albumin gebunden)
- Transport zur Leber (albumin-gebunden, wasserlöslich)
- Leber: Konjugierung mit Glucuronsäure → konjugiertes (direktes) Bilirubin (wasserlöslich, ausscheidbar)
- Galle: Ausscheidung ins Duodenum
- Darm: Bakterielle Dekonjugierung → Urobilinogen
- Ein Teil → Stercobilin (braune Stuhlfarbe)
- Ein Teil → enterohepat. Kreislauf (Rückresorption → Leber)
- Ein kleiner Teil → Urin als Urobilin (gelbe Farbe)
Differenzierung der Ikterusformen
| Merkmal | Prähepatisch | Intrahepatisch | Posthepatisch |
|---|---|---|---|
| Stuhlfarbe | Dunkel (normal) | Hell oder dunkel | Hell (acholisch) |
| Indirektes Bili im Serum | ↑↑ | ↑ | Normal |
| Direktes Bili im Serum | Normal | ↑ | ↑↑ |
| Bilirubin im Urin | Normal | ↑ (dunkler Urin) | ↑↑ (sehr dunkler Urin) |
| Urobilinogen im Urin | ↑↑ | Normal oder ↑ | Normal |
| Weitere Befunde | Hämolyse, Anämie | Transaminasen↑, Cholestaseparameter↑ | Gestaute Gallenwege, Cholestaseparameter↑↑ |
Begleitsymptome der Cholestase
- Heller Stuhl (fehlende Stercobilinausscheidung)
- Dunkler Urin (konjugiertes Bilirubin im Urin)
- Pruritus (Retention von Gallensäuren → Reizung peripherer Nerven)
- Steatorrhö und Gewichtsverlust (Fettmalabsorption ohne Gallensäure-Emulgierung)
Diagnostik
Anamnese
- Medikamente (insb. hepatotoxische), frühere Hepatitis, Alkoholabusus
- Klinische Zeichen der Leberzirrhose
Labor
Cholestaseparameter:
- Alkalische Phosphatase (AP)↑
- Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT)↑
- Bilirubin↑ (direkt und/oder indirekt)
Transaminasen (Leberzellschaden):
- AST (GOT) und ALT (GPT)↑
- De-Ritis-Quotient (AST/ALT):
- < 1 = „Entzündungstyp“ (z.B. virale Hepatitis)
- ≥ 1 = „Nekrosetyp“ (z.B. Leberzirrhose, Alkohol, Herzinfarkt!)
AST findet sich auch in Skelettmuskulatur und Herzmuskel — bei De-Ritis ≥ 1 immer Myokardinfarkt differenzialdiagnostisch bedenken!
Bildgebung
Sonographie (Methode der 1. Wahl):
- Obstruktive Cholestase: gestaute Gallenwege
- Extrahepatisch: Dilatierter DHC (Ductus hepatocholedochus) — ggf. Double-Duct-Sign (Pankreas-CA)
- Intrahepatisch: Doppelflintenphänomen (dilatierte intrahepatische Gallenwege parallel zur Pfortader)
- Nicht-obstruktiv: keine Stauungszeichen; ggf. Grunderkrankung sichtbar
Weitere Bildgebung: CT, MRCP, ERCP — je nach Klinik und Therapieplanung
Erbliche Hyperbilirubinämie-Syndrome
| Syndrom | Bili-Typ | Mechanismus | Therapie |
|---|---|---|---|
| Morbus Gilbert (Meulengracht) | Indirekt↑ | Geringe Aktivitätsminderung der Glucuronyltransferase | Keine — benigne! |
| Crigler-Najjar | Indirekt↑↑ | Stark verminderte Glucuronyltransferase | Phototherapie |
| Dubin-Johnson | Direkt↑ | Transportdefekt | Keine — benigne |
| Rotor-Syndrom | Direkt↑ | Transportdefekt | Keine — benigne |
Morbus Gilbert: Auslöser sind körperliche Anstrengung, Fasten, Alkohol. Diagnose: Indirekt-Bili↑, sonst normale Leberwerte.
Therapie
- Grundsätzlich: kausale Behandlung der Grunderkrankung
- Bei cholestatischem Pruritus: Colestyramin (Hemmung der intestinalen Gallensäureresorption)
- Interventionell bei posthepatischer Cholestase: ERCP mit Steinextraktion oder Stenteinlage
Komplikationen
- Komplikationen der Grunderkrankung
- Hepatomegalie durch Gallenrückstau
- Bei Neugeborenen: Kernikterus (Bilirubinenzephalopathie durch Ablagerung unkonjugierten Bilirubins im Hirngewebe) — Notfall!
Klinische Perlen
1. Dunkler Urin + heller Stuhl = posthepatische Cholestase, bis zum Beweis des Gegenteils.
2. Schmerzloser Ikterus + Gewichtsverlust + Courvoisier-Zeichen (tastbare, nicht schmerzhafte vergrößerte Gallenblase) → Pankreaskopfkarzinom.
3. Morbus Meulengracht ist harmlos — aber der Prüfer fragt: welches Enzym ist betroffen? → Glucuronyltransferase (UGT1A1).
Prüfungstipps
- Tabelle prähepatisch/intrahepatisch/posthepatisch auswendig — Prüfungsklassiker
- De-Ritis-Quotient: <1 = Hepatitis, ≥1 = Nekrose/Alkohol/Herzinfarkt
- Double-Duct-Sign in der Sono → denke sofort an Pankreaskarzinom
- Morbus Gilbert: einzige erbliche Hyperbilirubinämie ohne Therapiebedarf und ohne klinische Relevanz
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Direktes Bilirubin | Konjugiertes, wasserlösliches Bilirubin — im Urin nachweisbar |
| Indirektes Bilirubin | Unkonjugiertes, fettlösliches Bilirubin — an Albumin gebunden, nicht im Urin |
| De-Ritis-Quotient | AST/ALT-Verhältnis — gibt Auskunft über Schwere des Leberzellschadens |
| Cholestase | Störung der Gallensekretion oder des Gallenabflusses |
| Acholie | Fehlende Stuhlpigmentierung — heller/weißer Stuhl bei vollständiger Gallenabflussbehinderung |
| Kernikterus | Bilirubin-Enzephalopathie beim Neugeborenen durch nicht-konjugiertes Bilirubin |
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Symptome
Ikterus (Gelbsucht) ist die sichtbare Gelbfärbung von Haut, Skleren und Schleimhäuten durch erhöhtes Bilirubin (> 2–3 mg/dl im Serum). Die klinische Präsentation variiert je nach Ursache und Lokalisierung der Bilirubinstörung:
- Sklerenikterus: Frühestes klinisches Zeichen (Skleren haben hohe Affinität zu Bilirubin); bereits ab ~2,5 mg/dl sichtbar
- Hautverfärbung: Gelblich bis gelblich-grün (Grünfärbung bei Obstruktion); Pruritus durch Gallensalzablagerung in der Haut (cholestasebedingter Juckreiz)
- Acholie: Helle, lehmfarbene Stühle bei Cholestase (kein Sterkobilin im Stuhl)
- Dunkler Urin (Bierbraun): Konjugiertes Bilirubin wird renal ausgeschieden → Schaumbildung beim Schütteln
- Hämolytischer Ikterus: Keine Acholie, kein dunkler Urin; Urobilirubin im Urin erhöht; Hb ↓, Retikulozyten ↑, LDH ↑, Haptoglobin ↓
- Hepatozellulärer Ikterus: Gemischtes Bild; begleitet von Transaminasenanstieg (AST/ALT), verminderter Syntheseleistung (Quick ↓, Albumin ↓)
- Cholestatischer Ikterus: γGT und AP stark erhöht; ggf. Steatorrhö, fettlösliche Vitaminspiegel (A, D, E, K) erniedrigt
- Schmerzloser Ikterus: Klassisches Zeichen des Pankreaskopfkarzinoms (Courvoisier-Zeichen: tastbare Gallenblase)
- Schmerzlicher Ikterus: Typisch für Choledocholithiasis (Koliken) oder Cholangitis (Charcot-Trias: Fieber + Ikterus + Oberbauchschmerz)
Prognose
Die Prognose bei Ikterus und Cholestase ist stark von der Grunderkrankung abhängig und variiert erheblich:
- Hämolyse: Meist gut behandelbar; Prognose abhängig von Grunderkrankung (hereditäre Sphärozytose: sehr gut; Sichelzellkrise: variabel)
- Medikamentös-toxisch: Reversibel nach Absetzen des auslösenden Medikaments; Prognose gut bis auf DILI (Drug-Induced Liver Injury)-Sonderfälle
- Virale Hepatitis: Hepatitis A/E: selbstlimitierend, Prognose gut; Hepatitis B/C: chronifizierend, Zirrhoserisiko
- Choledocholithiasis: Sehr gute Prognose nach ERCP mit Steinextraktion; Cholangitis kann lebensbedrohlich sein (Sepsis)
- Maligne Ursachen (Pankreaskopf-Ca, Cholangiokarzinom): Sehr schlechte Prognose; 5-Jahres-Überleben < 10 %; palliative biliäre Drainage zur Symptomkontrolle
- Primär biliäre Cholangitis (PBC) / PSC: Chronisch progredient; ohne Therapie Zirrhoseentwicklung über Jahre bis Jahrzehnte
- Neonataler Ikterus: Physiologisch in den ersten Lebenstagen; Morbus haemolyticus neonatorum oder Bilirubinenzephalopathie (Kernikterus) bei unbehandeltem Hochbilirubin
Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Symptome & Klinik
Die klinischen Symptome des Ikterus und der Cholestase entstehen durch Bilirubinanstieg im Blut und Stauung der Gallensäuren:
- Ikterus (Gelbsucht): Gelbfärbung von Skleren (ab Bilirubin > 2–3 mg/dl), Haut und Schleimhäuten (ab > 3 mg/dl)
- Pruritus (Juckreiz): Häufig quälendstes Symptom bei cholestatischem Ikterus — durch Ablagerung von Gallensäuren in der Haut; bei intrahepatischer Cholestase oft ausgeprägter als bei extrahepatischer
- Entfärbter Stuhl (Acholia): Lehm-/tonartig bei vollständiger Gallengangsobstruktion — fehlendes Urobilinogen/Sterkobilin
- Dunkel-braun-trüber Urin (Bilirubinurie): Dunkler „Tee-/Bierfarbe“-Urin bei konjugiertem (direktem) Bilirubin im Urin — Hinweis auf hepatozelluläre oder obstruktive Ursache
- Schmerzen:
- Koliken (intermittierende rechtsseitige Oberbauchschmerzen): typisch für Cholelithiasis
- Dauerschmerz epigastrisch mit Ausstrahlung in den Rücken: Hinweis auf Pankreaskarzinom (schmerzloser Ikterus = Courvoisier-Zeichen)
- Druckschmerz im rechten Oberbauch + Fieber + Ikterus (Charcot-Trias): akute Cholangitis!
- Allgemeinsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Leistungsminderung
- Bei fortgeschrittener Lebererkrankung: Aszites, Ödeme, hepatische Enzephalopathie, Blutungsneigung (reduzierte Gerinnungsfaktoren)
Prognose
Die Prognose des Ikterus ist vollständig abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung:
- Benigne obstruktive Cholestase (Cholelithiasis, Choledocholithiasis): Ausgezeichnete Prognose nach endoskopischer oder chirurgischer Sanierung (ERCP, Cholezystektomie)
- Akute Cholangitis: Mild bis moderat — gute Prognose bei rechtzeitiger antibiotischer Therapie + Dekompression. Schwere Cholangitis (Charcot-Pentade: + Schock + Bewusstseinsveränderung) = lebensbedrohlich, Mortalität ohne rasche Intervention hoch
- Maligne Ursachen (Pankreaskopf-Ca, Cholangiokarzinom, Gallenblasenkarzinom): Schlechte Prognose — 5-Jahres-Überleben oft < 20 %; nur bei frühzeitiger Diagnose kurative Resektion möglich
- Intrahepatische Cholestase: Abhängig von der Grunderkrankung (primär biliäre Cholangitis, PSC — Verlauf progredient, Lebertransplantation bei Versagen)
- Neonataler Ikterus: In der Regel benigne; schwere Hyperbilirubinämie kann zu Kernikterus führen (Bilirubinenzephalopathie)
Regelmäßige Verlaufskontrollen mit Leberwerten (Bilirubin, GGT, AP, ALT/AST) und Bildgebung (Sonographie, MRT/MRCP) sind bei persistierendem oder rezidivierendem Ikterus unerlässlich.
Symptome & Klinik
Die klinischen Symptome des Ikterus und der Cholestase entstehen durch Bilirubinanstieg im Blut und Stauung der Gallensäuren:
- Ikterus (Gelbsucht): Gelbfärbung von Skleren (ab Bilirubin > 2–3 mg/dl), Haut und Schleimhäuten (ab > 3 mg/dl)
- Pruritus (Juckreiz): Häufig quälendstes Symptom bei cholestatischem Ikterus — durch Ablagerung von Gallensäuren in der Haut; bei intrahepatischer Cholestase oft ausgeprägter als bei extrahepatischer
- Entfärbter Stuhl (Acholia): Lehm-/tonartig bei vollständiger Gallengangsobstruktion — fehlendes Urobilinogen/Sterkobilin
- Dunkel-braun-trüber Urin (Bilirubinurie): Dunkler „Tee-/Bierfarbe“-Urin bei konjugiertem (direktem) Bilirubin im Urin — Hinweis auf hepatozelluläre oder obstruktive Ursache
- Schmerzen:
- Koliken (intermittierende rechtsseitige Oberbauchschmerzen): typisch für Cholelithiasis
- Dauerschmerz epigastrisch mit Ausstrahlung in den Rücken: Hinweis auf Pankreaskarzinom (schmerzloser Ikterus = Courvoisier-Zeichen)
- Druckschmerz im rechten Oberbauch + Fieber + Ikterus (Charcot-Trias): akute Cholangitis!
- Allgemeinsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Leistungsminderung
- Bei fortgeschrittener Lebererkrankung: Aszites, Ödeme, hepatische Enzephalopathie, Blutungsneigung (reduzierte Gerinnungsfaktoren)
Prognose
Die Prognose des Ikterus ist vollständig abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung:
- Benigne obstruktive Cholestase (Cholelithiasis, Choledocholithiasis): Ausgezeichnete Prognose nach endoskopischer oder chirurgischer Sanierung (ERCP, Cholezystektomie)
- Akute Cholangitis: Mild bis moderat — gute Prognose bei rechtzeitiger antibiotischer Therapie + Dekompression. Schwere Cholangitis (Charcot-Pentade: + Schock + Bewusstseinsveränderung) = lebensbedrohlich, Mortalität ohne rasche Intervention hoch
- Maligne Ursachen (Pankreaskopf-Ca, Cholangiokarzinom, Gallenblasenkarzinom): Schlechte Prognose — 5-Jahres-Überleben oft < 20 %; nur bei frühzeitiger Diagnose kurative Resektion möglich
- Intrahepatische Cholestase: Abhängig von der Grunderkrankung (primär biliäre Cholangitis, PSC — Verlauf progredient, Lebertransplantation bei Versagen)
- Neonataler Ikterus: In der Regel benigne; schwere Hyperbilirubinämie kann zu Kernikterus führen (Bilirubinenzephalopathie)
Regelmäßige Verlaufskontrollen mit Leberwerten (Bilirubin, GGT, AP, ALT/AST) und Bildgebung (Sonographie, MRT/MRCP) sind bei persistierendem oder rezidivierendem Ikterus unerlässlich.
Ätiologie 🔗
Prähepatischer Ikterus
Ursache: Übermäßiger Bilirubinanfall durch Hämolyse oder ineffektive Erythropoese
- G6PD-Mangel, Sphärozytose, Sichelzellanämie
- Perniziöse Anämie (ineffektive Erythropoese)
Intrahepatischer Ikterus
Nicht-obstruktive Cholestase:
- Hepatitis (viral, autoimmun, alkoholisch)
- Leberzirrhose
- Stauungsleber
- Primär biliäre Cholangitis (PBC)
Obstruktive Cholestase (intrahepatisch):
- Lebertumoren (HCC, Metastasen, cholangiozelluläres Karzinom)
- Intrahepatische Gallensteine
- Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Posthepatischer Ikterus (= obstruktive posthepatische Cholestase)
- Choledocholithiasis (häufigste Ursache!)
- Pankreaskarzinom (Klatskin-Tumor, Papillenkarzinom)
- Gallengangskarzinom
- Gallengangsstrikturen (postoperativ, entzündlich)
- PSC
Pathophysiologie 🔗
- Milz/KM: Häm aus Hämoglobin → unkonjugiertes (indirektes) Bilirubin (fettlöslich, an Albumin gebunden)
- Transport zur Leber (albumin-gebunden, wasserlöslich)
- Leber: Konjugierung mit Glucuronsäure → konjugiertes (direktes) Bilirubin (wasserlöslich, ausscheidbar)
- Galle: Ausscheidung ins Duodenum
- Darm: Bakterielle Dekonjugierung → Urobilinogen
- Ein Teil → Stercobilin (braune Stuhlfarbe)
- Ein Teil → enterohepat. Kreislauf (Rückresorption → Leber)
- Ein kleiner Teil → Urin als Urobilin (gelbe Farbe)
Diagnostik 🔗
Anamnese
- Medikamente (insb. hepatotoxische), frühere Hepatitis, Alkoholabusus
- Klinische Zeichen der Leberzirrhose
Labor
Cholestaseparameter:
- Alkalische Phosphatase (AP)↑
- Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT)↑
- Bilirubin↑ (direkt und/oder indirekt)
Transaminasen (Leberzellschaden):
- AST (GOT) und ALT (GPT)↑
- De-Ritis-Quotient (AST/ALT):
- < 1 = „Entzündungstyp" (z.B. virale Hepatitis)
- ≥ 1 = „Nekrosetyp" (z.B. Leberzirrhose, Alkohol, Herzinfarkt!)
AST findet sich auch in Skelettmuskulatur und Herzmuskel — bei De-Ritis ≥ 1 immer Myokardinfarkt differenzialdiagnostisch bedenken!
Bildgebung
Sonographie (Methode der 1. Wahl):
- Obstruktive Cholestase: gestaute Gallenwege
- Extrahepatisch: Dilatierter DHC (Ductus hepatocholedochus) — ggf. Double-Duct-Sign (Pankreas-CA)
- Intrahepatisch: Doppelflintenphänomen (dilatierte intrahepatische Gallenwege parallel zur Pfortader)
- Nicht-obstruktiv: keine Stauungszeichen; ggf. Grunderkrankung sichtbar
Weitere Bildgebung: CT, MRCP, ERCP — je nach Klinik und Therapieplanung
Therapie 🔗
- Grundsätzlich: kausale Behandlung der Grunderkrankung
- Bei cholestatischem Pruritus: Colestyramin (Hemmung der intestinalen Gallensäureresorption)
- Interventionell bei posthepatischer Cholestase: ERCP mit Steinextraktion oder Stenteinlage
Komplikationen 🔗
- Komplikationen der Grunderkrankung
- Hepatomegalie durch Gallenrückstau
- Bei Neugeborenen: Kernikterus (Bilirubinenzephalopathie durch Ablagerung unkonjugierten Bilirubins im Hirngewebe) — Notfall!
✨ Clinical Pearls
**1. Dunkler Urin + heller Stuhl = posthepatische Cholestase**, bis zum Beweis des Gegenteils.
**2. Schmerzloser Ikterus + Gewichtsverlust + Courvoisier-Zeichen** (tastbare, nicht schmerzhafte vergrößerte Gallenblase) → **Pankreaskopfkarzinom**.
**3. Morbus Meulengracht** ist harmlos — aber der Prüfer fragt: welches Enzym ist betroffen? → Glucuronyltransferase (UGT1A1).
Prüfungstipps
- - Tabelle prähepatisch/intrahepatisch/posthepatisch auswendig — Prüfungsklassiker
- - De-Ritis-Quotient: <1 = Hepatitis, ≥1 = Nekrose/Alkohol/Herzinfarkt
- - Double-Duct-Sign in der Sono → denke sofort an Pankreaskarzinom
- - Morbus Gilbert: einzige erbliche Hyperbilirubinämie ohne Therapiebedarf und ohne klinische Relevanz
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