★★ Wichtig Gastroenterologie 20 Min.

Pankreaskarzinom

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Keine Frühsymptome — Diagnose meist im fortgeschrittenen Stadium
  • 2. Leitsymptom: Schmerzloser Ikterus + Gewichtsverlust (Pankreaskopfkarzinom)
  • 3. Courvoisier-Zeichen: Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus
  • 4. Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign (Dilatation von Ductus choledochus und pankreaticus)
  • 5. Prognose extrem schlecht — 5-Jahres-Überleben <2 %

Fallvignette

Ein 69-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 6 Wochen zunehmend gelblich verfärbter Haut und Lederhaut, entfärbtem Stuhl, dunklem Urin sowie erheblichem Gewichtsverlust (8 kg) und dumpfen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken.

Kein Fieber, kein Schüttelfrost. Anamnestisch: langjähriger Raucher, Typ-2-Diabetes mellitus seit 2 Jahren (neu diagnostiziert). Körperliche Untersuchung: Ikterus, prallelastische, nicht druckdolente Gallenblase tastbar. Labor: Bilirubin gesamt 12,8 mg/dL (direkt 10,4 mg/dL), AP 520 U/L, GGT 780 U/L, CA 19-9 2840 U/mL (↑↑↑), CEA 18,2 ng/mL. Sonographie: Dilatation von Ductus choledochus (14 mm) und Ductus pancreaticus (6 mm), hypoechogene Raumforderung im Pankreaskopf (3,5 cm).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Pankreaskarzinom

Auf einen Blick

  1. Keine Frühsymptome — Diagnose meist im fortgeschrittenen Stadium
  2. Leitsymptom: Schmerzloser Ikterus + Gewichtsverlust (Pankreaskopfkarzinom)
  3. Courvoisier-Zeichen: Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus
  4. Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign (Dilatation von Ductus choledochus und pankreaticus)
  5. Prognose extrem schlecht — 5-Jahres-Überleben <2 %

Fallvignette

Ein 69-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 6 Wochen zunehmend gelblich verfärbter Haut und Lederhaut, entfärbtem Stuhl, dunklem Urin sowie erheblichem Gewichtsverlust (8 kg) und dumpfen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken.

Kein Fieber, kein Schüttelfrost. Anamnestisch: langjähriger Raucher, Typ-2-Diabetes mellitus seit 2 Jahren (neu diagnostiziert). Körperliche Untersuchung: Ikterus, prallelastische, nicht druckdolente Gallenblase tastbar. Labor: Bilirubin gesamt 12,8 mg/dL (direkt 10,4 mg/dL), AP 520 U/L, GGT 780 U/L, CA 19-9 2840 U/mL (↑↑↑), CEA 18,2 ng/mL. Sonographie: Dilatation von Ductus choledochus (14 mm) und Ductus pancreaticus (6 mm), hypoechogene Raumforderung im Pankreaskopf (3,5 cm).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Epidemiologie

  • Dritthäufigster Tumor des Gastrointestinaltrakts (hinter Kolon- und Magenkarzinom)
  • Häufigkeitsgipfel: 60.–80. Lebensjahr
  • Lokalisation: Pankreaskopf (70 %) — deshalb früh Ikterus

Ätiologie & Risikofaktoren

  • Ätiologie meist unklar
  • Genetische Disposition
  • Rauchen (wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor)
  • Adipositas
  • Alkoholkonsum
  • Chronische Pankreatitis

Pathologie

  • Lokalisation: Pankreaskopf (70 %), Korpus, Schwanz
  • Histologie: Fast immer Adenokarzinom (duktaler Typ)
  • Seltener: Insulinom, Gastrinom (funktionelle Tumoren)

Symptome & Klinik

Keine Frühsymptome!

Mögliche Symptome

  • Oberbauchschmerzen (dumpf, tief, ggf. Ausstrahlung in Rücken — DD: chronische Pankreatitis)
  • Schmerzloser Ikterus (bei Pankreaskopfkarzinom → Kompression Ductus choledochus)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwäche (B-Symptome)

Courvoisier-Zeichen

Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Verschluss des Ductus choledochus von außen (Tumor) → Gallenblase kann sich füllen, ohne vorher entzündet zu sein

Merke: Bei Choledocholithiasis ist die Gallenblase oft entzündet/narbig → nicht tastbar. Bei Tumor ist sie weich und prall → tastbar!

Paraneoplastische Syndrome

  • Hyperkoagulabilität
  • Trousseau-Syndrom: Thrombophlebitis migrans — rezidivierende Entzündungen oberflächlicher Venen an wechselnden Lokalisationen (v.a. bei Pankreas- und Bronchialkarzinom)
  • Rezidivierende Thrombosen (Phlebothrombose, Milzvenenthrombose)

Diagnostik

Labor

  • Tumormarker: CA 19-9 und CEA — nur zur Verlaufskontrolle, nicht zur Primärdiagnostik
  • Evtl. Lipase↑ bei Begleitpankreatitis

Bildgebung — Stufendiagnostik

  1. Abdomensonographie + Endosonographie (erste Schritte)
  2. CT-Abdomen mit KM (wichtigstes Staging-Verfahren)
  3. Ggf. MRT + MRCP + MR-Angiographie
  4. Ggf. ERCP

Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign

  • Gleichzeitige Dilatation des Ductus choledochus (Gallengang) UND des Ductus pancreaticus (Wirsung-Gang)
  • Entsteht durch Kompression/Infiltration beider Gänge durch den Tumor im Pankreaskopf

Typische Befunde:

  • Raumforderung meist im Pankreaskopf
  • Dilatation der Gallenwege (Double-Duct-Sign)
  • Ggf. Lebermetastasen, Peritonealkarzinose

Differentialdiagnosen

  • Chronische Pankreatitis (wichtigste DD — kann Karzinom imitieren; Begleitpankreatitis beim Karzinom möglich)
  • Pankreaszyste
  • Pankreasmetastasen (sehr selten)
  • Choledocholithiasis (Ikterus durch Stein, nicht Tumor)

Therapie

Kurative Therapie (nur ~15–20 % der Patienten)

Pankreaskopfkarzinom:

Verfahren Indikation
Pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie (nach Traverso) Methode der Wahl
Whipple-OP (partielle Duodenopankreatektomie) Bei Infiltration des Bulbus duodeni

Traverso-OP: Pankreaskopfresektion + Duodenumteilresektion + Resektion von Gallenblase und Ductus choledochus + Lymphadenektomie. Pylorus wird erhalten!

Whipple-OP: Wie Traverso, aber zusätzlich distale Magenteilresektion. Rekonstruktion durch Roux-Y-Schlinge.

Karzinom Korpus/Schwanz:

  • Pankreaslinksresektion mit Splenektomie
  • Ggf. totale Pankreatektomie

Adjuvante Chemotherapie nach R0-Resektion (Gemcitabin oder FOLFIRINOX)

Palliative Therapie (Mehrheit der Patienten)

Problem Lösung
Cholestase (Ikterus) ERCP mit Stenteinlage
Passagestörung Prokinetika, ggf. PEJ (perkutane endoskopische Jejunostomie)
Schmerzen WHO-Stufenschema; ggf. Plexus-coeliacus-Blockade
Exokrine Insuffizienz Substitution pankreatischer Enzyme
Systemisch Palliative Chemotherapie (Gemcitabin, FOLFIRINOX)

Komplikationen

  • Frühe Metastasierung: Peritonealkarzinose, Lebermetastasen, Lungen-/Knochenmetastasen
  • Magenausgangsstenose
  • Stenose des Ductus choledochus (Cholestase)
  • Pankreopriver Diabetes mellitus (exokrine + endokrine Insuffizienz)
  • Verbrauchskoagulopathie (DIC)

Prognose

  • 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit: <2 % (eine der schlechtesten Prognosen in der Onkologie)
  • Grund: Keine Frühsymptome → Diagnose meist im Stadium IV

Klinische Perlen

1. Courvoisier-Zeichen ist ein Tumorzeichen. Tastbare, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Tumor, der den Ductus choledochus von außen komprimiert (nicht Stein — der macht Entzündung).

2. Double-Duct-Sign ist pathognomonisch. Beide Gänge erweitert = Pankreaskopftumor.

3. Trousseau-Syndrom denken. Wandernde Thrombophlebitiden bei unbekanntem Primärtumor → immer Pankreas, Lunge und Magen untersuchen.

4. CA 19-9 nicht zur Diagnose. Erhöhter CA 19-9 ist auch bei benignen Erkrankungen möglich — nur für Verlaufskontrolle verwenden.


Prüfungstipps

  • Courvoisier-Zeichen auswendig lernen — klassische Prüfungsfrage
  • Double-Duct-Sign = Pankreaskopfkarzinom bis zum Beweis des Gegenteils
  • Trousseau-Syndrom = Thrombophlebitis migrans bei Karzinom — nicht mit Trousseau-Zeichen (Hypokalzämie) verwechseln!
  • Whipple vs. Traverso: Traverso = pylorus-erhaltend (Methode der Wahl)
  • Prognose merken: 5-JÜR <2 % — schlechteste unter den GI-Karzinomen

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Double-Duct-Sign Gleichzeitige Dilatation von Ductus choledochus und pankreaticus — Hinweis auf Pankreaskopftumor
Courvoisier-Zeichen Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus — Tumorbedingte Cholestase
Trousseau-Syndrom Thrombophlebitis migrans als paraneoplastisches Syndrom (Pankreas, Lunge)
Whipple-OP Partielle Duodenopankreatektomie mit distaler Magenresektion
Traverso-OP Pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie — Methode der Wahl
CA 19-9 Tumormarker zur Verlaufskontrolle (nicht Primärdiagnose)
Pankreopriver Diabetes Insulinmangel nach Pankreasresektion oder -zerstörung

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Ätiologie 🔗

  • Ätiologie meist unklar
  • Genetische Disposition
  • Rauchen (wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor)
  • Adipositas
  • Alkoholkonsum
  • Chronische Pankreatitis

Symptome & Klinik 🔗

Keine Frühsymptome!

Mögliche Symptome

  • Oberbauchschmerzen (dumpf, tief, ggf. Ausstrahlung in Rücken — DD: chronische Pankreatitis)
  • Schmerzloser Ikterus (bei Pankreaskopfkarzinom → Kompression Ductus choledochus)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwäche (B-Symptome)

Courvoisier-Zeichen

Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Verschluss des Ductus choledochus von außen (Tumor) → Gallenblase kann sich füllen, ohne vorher entzündet zu sein

Merke: Bei Choledocholithiasis ist die Gallenblase oft entzündet/narbig → nicht tastbar. Bei Tumor ist sie weich und prall → tastbar!

Paraneoplastische Syndrome

  • Hyperkoagulabilität
  • Trousseau-Syndrom: Thrombophlebitis migrans — rezidivierende Entzündungen oberflächlicher Venen an wechselnden Lokalisationen (v.a. bei Pankreas- und Bronchialkarzinom)
  • Rezidivierende Thrombosen (Phlebothrombose, Milzvenenthrombose)

Diagnostik 🔗

Labor

  • Tumormarker: CA 19-9 und CEA — nur zur Verlaufskontrolle, nicht zur Primärdiagnostik
  • Evtl. Lipase↑ bei Begleitpankreatitis

Bildgebung — Stufendiagnostik

  1. Abdomensonographie + Endosonographie (erste Schritte)
  2. CT-Abdomen mit KM (wichtigstes Staging-Verfahren)
  3. Ggf. MRT + MRCP + MR-Angiographie
  4. Ggf. ERCP

Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign

  • Gleichzeitige Dilatation des Ductus choledochus (Gallengang) UND des Ductus pancreaticus (Wirsung-Gang)
  • Entsteht durch Kompression/Infiltration beider Gänge durch den Tumor im Pankreaskopf

Typische Befunde:

  • Raumforderung meist im Pankreaskopf
  • Dilatation der Gallenwege (Double-Duct-Sign)
  • Ggf. Lebermetastasen, Peritonealkarzinose

Differentialdiagnosen 🔗

  • Chronische Pankreatitis (wichtigste DD — kann Karzinom imitieren; Begleitpankreatitis beim Karzinom möglich)
  • Pankreaszyste
  • Pankreasmetastasen (sehr selten)
  • Choledocholithiasis (Ikterus durch Stein, nicht Tumor)

Therapie 🔗

Kurative Therapie (nur ~15–20 % der Patienten)

Pankreaskopfkarzinom:

Verfahren Indikation
Pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie (nach Traverso) Methode der Wahl
Whipple-OP (partielle Duodenopankreatektomie) Bei Infiltration des Bulbus duodeni

Traverso-OP: Pankreaskopfresektion + Duodenumteilresektion + Resektion von Gallenblase und Ductus choledochus + Lymphadenektomie. Pylorus wird erhalten!

Whipple-OP: Wie Traverso, aber zusätzlich distale Magenteilresektion. Rekonstruktion durch Roux-Y-Schlinge.

Karzinom Korpus/Schwanz:

  • Pankreaslinksresektion mit Splenektomie
  • Ggf. totale Pankreatektomie

Adjuvante Chemotherapie nach R0-Resektion (Gemcitabin oder FOLFIRINOX)

Palliative Therapie (Mehrheit der Patienten)

Problem Lösung
Cholestase (Ikterus) ERCP mit Stenteinlage
Passagestörung Prokinetika, ggf. PEJ (perkutane endoskopische Jejunostomie)
Schmerzen WHO-Stufenschema; ggf. Plexus-coeliacus-Blockade
Exokrine Insuffizienz Substitution pankreatischer Enzyme
Systemisch Palliative Chemotherapie (Gemcitabin, FOLFIRINOX)

Komplikationen 🔗

  • Frühe Metastasierung: Peritonealkarzinose, Lebermetastasen, Lungen-/Knochenmetastasen
  • Magenausgangsstenose
  • Stenose des Ductus choledochus (Cholestase)
  • Pankreopriver Diabetes mellitus (exokrine + endokrine Insuffizienz)
  • Verbrauchskoagulopathie (DIC)

Prognose 🔗

  • 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit: <2 % (eine der schlechtesten Prognosen in der Onkologie)
  • Grund: Keine Frühsymptome → Diagnose meist im Stadium IV

✨ Clinical Pearls

**1. Courvoisier-Zeichen ist ein Tumorzeichen.** Tastbare, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Tumor, der den Ductus choledochus von außen komprimiert (nicht Stein — der macht Entzündung).

**2. Double-Duct-Sign ist pathognomonisch.** Beide Gänge erweitert = Pankreaskopftumor.

**3. Trousseau-Syndrom denken.** Wandernde Thrombophlebitiden bei unbekanntem Primärtumor → immer Pankreas, Lunge und Magen untersuchen.

**4. CA 19-9 nicht zur Diagnose.** Erhöhter CA 19-9 ist auch bei benignen Erkrankungen möglich — nur für Verlaufskontrolle verwenden.

Prüfungstipps

  • - Courvoisier-Zeichen auswendig lernen — klassische Prüfungsfrage
  • - Double-Duct-Sign = Pankreaskopfkarzinom bis zum Beweis des Gegenteils
  • - Trousseau-Syndrom = Thrombophlebitis migrans bei Karzinom — nicht mit Trousseau-Zeichen (Hypokalzämie) verwechseln!
  • - Whipple vs. Traverso: Traverso = pylorus-erhaltend (Methode der Wahl)
  • - Prognose merken: 5-JÜR <2 % — schlechteste unter den GI-Karzinomen

Schlüsselbegriffe

BegriffDouble-Duct-SignCourvoisier-ZeichenTrousseau-SyndromWhipple-OPTraverso-OPCA 19-9Pankreopriver Diabetes

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