Pankreaskarzinom
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Keine Frühsymptome — Diagnose meist im fortgeschrittenen Stadium
- 2. Leitsymptom: Schmerzloser Ikterus + Gewichtsverlust (Pankreaskopfkarzinom)
- 3. Courvoisier-Zeichen: Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus
- 4. Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign (Dilatation von Ductus choledochus und pankreaticus)
- 5. Prognose extrem schlecht — 5-Jahres-Überleben <2 %
Fallvignette
Ein 69-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 6 Wochen zunehmend gelblich verfärbter Haut und Lederhaut, entfärbtem Stuhl, dunklem Urin sowie erheblichem Gewichtsverlust (8 kg) und dumpfen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken.
Kein Fieber, kein Schüttelfrost. Anamnestisch: langjähriger Raucher, Typ-2-Diabetes mellitus seit 2 Jahren (neu diagnostiziert). Körperliche Untersuchung: Ikterus, prallelastische, nicht druckdolente Gallenblase tastbar. Labor: Bilirubin gesamt 12,8 mg/dL (direkt 10,4 mg/dL), AP 520 U/L, GGT 780 U/L, CA 19-9 2840 U/mL (↑↑↑), CEA 18,2 ng/mL. Sonographie: Dilatation von Ductus choledochus (14 mm) und Ductus pancreaticus (6 mm), hypoechogene Raumforderung im Pankreaskopf (3,5 cm).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Pankreaskarzinom
Auf einen Blick
- Keine Frühsymptome — Diagnose meist im fortgeschrittenen Stadium
- Leitsymptom: Schmerzloser Ikterus + Gewichtsverlust (Pankreaskopfkarzinom)
- Courvoisier-Zeichen: Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus
- Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign (Dilatation von Ductus choledochus und pankreaticus)
- Prognose extrem schlecht — 5-Jahres-Überleben <2 %
Fallvignette
Ein 69-jähriger Patient stellt sich vor mit seit 6 Wochen zunehmend gelblich verfärbter Haut und Lederhaut, entfärbtem Stuhl, dunklem Urin sowie erheblichem Gewichtsverlust (8 kg) und dumpfen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken.
Kein Fieber, kein Schüttelfrost. Anamnestisch: langjähriger Raucher, Typ-2-Diabetes mellitus seit 2 Jahren (neu diagnostiziert). Körperliche Untersuchung: Ikterus, prallelastische, nicht druckdolente Gallenblase tastbar. Labor: Bilirubin gesamt 12,8 mg/dL (direkt 10,4 mg/dL), AP 520 U/L, GGT 780 U/L, CA 19-9 2840 U/mL (↑↑↑), CEA 18,2 ng/mL. Sonographie: Dilatation von Ductus choledochus (14 mm) und Ductus pancreaticus (6 mm), hypoechogene Raumforderung im Pankreaskopf (3,5 cm).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Epidemiologie
- Dritthäufigster Tumor des Gastrointestinaltrakts (hinter Kolon- und Magenkarzinom)
- Häufigkeitsgipfel: 60.–80. Lebensjahr
- Lokalisation: Pankreaskopf (70 %) — deshalb früh Ikterus
Ätiologie & Risikofaktoren
- Ätiologie meist unklar
- Genetische Disposition
- Rauchen (wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor)
- Adipositas
- Alkoholkonsum
- Chronische Pankreatitis
Pathologie
- Lokalisation: Pankreaskopf (70 %), Korpus, Schwanz
- Histologie: Fast immer Adenokarzinom (duktaler Typ)
- Seltener: Insulinom, Gastrinom (funktionelle Tumoren)
Symptome & Klinik
Keine Frühsymptome!
Mögliche Symptome
- Oberbauchschmerzen (dumpf, tief, ggf. Ausstrahlung in Rücken — DD: chronische Pankreatitis)
- Schmerzloser Ikterus (bei Pankreaskopfkarzinom → Kompression Ductus choledochus)
- Übelkeit, Erbrechen
- Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwäche (B-Symptome)
Courvoisier-Zeichen
Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Verschluss des Ductus choledochus von außen (Tumor) → Gallenblase kann sich füllen, ohne vorher entzündet zu sein
Merke: Bei Choledocholithiasis ist die Gallenblase oft entzündet/narbig → nicht tastbar. Bei Tumor ist sie weich und prall → tastbar!
Paraneoplastische Syndrome
- Hyperkoagulabilität
- Trousseau-Syndrom: Thrombophlebitis migrans — rezidivierende Entzündungen oberflächlicher Venen an wechselnden Lokalisationen (v.a. bei Pankreas- und Bronchialkarzinom)
- Rezidivierende Thrombosen (Phlebothrombose, Milzvenenthrombose)
Diagnostik
Labor
- Tumormarker: CA 19-9 und CEA — nur zur Verlaufskontrolle, nicht zur Primärdiagnostik
- Evtl. Lipase↑ bei Begleitpankreatitis
Bildgebung — Stufendiagnostik
- Abdomensonographie + Endosonographie (erste Schritte)
- CT-Abdomen mit KM (wichtigstes Staging-Verfahren)
- Ggf. MRT + MRCP + MR-Angiographie
- Ggf. ERCP
Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign
- Gleichzeitige Dilatation des Ductus choledochus (Gallengang) UND des Ductus pancreaticus (Wirsung-Gang)
- Entsteht durch Kompression/Infiltration beider Gänge durch den Tumor im Pankreaskopf
Typische Befunde:
- Raumforderung meist im Pankreaskopf
- Dilatation der Gallenwege (Double-Duct-Sign)
- Ggf. Lebermetastasen, Peritonealkarzinose
Differentialdiagnosen
- Chronische Pankreatitis (wichtigste DD — kann Karzinom imitieren; Begleitpankreatitis beim Karzinom möglich)
- Pankreaszyste
- Pankreasmetastasen (sehr selten)
- Choledocholithiasis (Ikterus durch Stein, nicht Tumor)
Therapie
Kurative Therapie (nur ~15–20 % der Patienten)
Pankreaskopfkarzinom:
| Verfahren | Indikation |
|---|---|
| Pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie (nach Traverso) | Methode der Wahl |
| Whipple-OP (partielle Duodenopankreatektomie) | Bei Infiltration des Bulbus duodeni |
Traverso-OP: Pankreaskopfresektion + Duodenumteilresektion + Resektion von Gallenblase und Ductus choledochus + Lymphadenektomie. Pylorus wird erhalten!
Whipple-OP: Wie Traverso, aber zusätzlich distale Magenteilresektion. Rekonstruktion durch Roux-Y-Schlinge.
Karzinom Korpus/Schwanz:
- Pankreaslinksresektion mit Splenektomie
- Ggf. totale Pankreatektomie
Adjuvante Chemotherapie nach R0-Resektion (Gemcitabin oder FOLFIRINOX)
Palliative Therapie (Mehrheit der Patienten)
| Problem | Lösung |
|---|---|
| Cholestase (Ikterus) | ERCP mit Stenteinlage |
| Passagestörung | Prokinetika, ggf. PEJ (perkutane endoskopische Jejunostomie) |
| Schmerzen | WHO-Stufenschema; ggf. Plexus-coeliacus-Blockade |
| Exokrine Insuffizienz | Substitution pankreatischer Enzyme |
| Systemisch | Palliative Chemotherapie (Gemcitabin, FOLFIRINOX) |
Komplikationen
- Frühe Metastasierung: Peritonealkarzinose, Lebermetastasen, Lungen-/Knochenmetastasen
- Magenausgangsstenose
- Stenose des Ductus choledochus (Cholestase)
- Pankreopriver Diabetes mellitus (exokrine + endokrine Insuffizienz)
- Verbrauchskoagulopathie (DIC)
Prognose
- 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit: <2 % (eine der schlechtesten Prognosen in der Onkologie)
- Grund: Keine Frühsymptome → Diagnose meist im Stadium IV
Klinische Perlen
1. Courvoisier-Zeichen ist ein Tumorzeichen. Tastbare, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Tumor, der den Ductus choledochus von außen komprimiert (nicht Stein — der macht Entzündung).
2. Double-Duct-Sign ist pathognomonisch. Beide Gänge erweitert = Pankreaskopftumor.
3. Trousseau-Syndrom denken. Wandernde Thrombophlebitiden bei unbekanntem Primärtumor → immer Pankreas, Lunge und Magen untersuchen.
4. CA 19-9 nicht zur Diagnose. Erhöhter CA 19-9 ist auch bei benignen Erkrankungen möglich — nur für Verlaufskontrolle verwenden.
Prüfungstipps
- Courvoisier-Zeichen auswendig lernen — klassische Prüfungsfrage
- Double-Duct-Sign = Pankreaskopfkarzinom bis zum Beweis des Gegenteils
- Trousseau-Syndrom = Thrombophlebitis migrans bei Karzinom — nicht mit Trousseau-Zeichen (Hypokalzämie) verwechseln!
- Whipple vs. Traverso: Traverso = pylorus-erhaltend (Methode der Wahl)
- Prognose merken: 5-JÜR <2 % — schlechteste unter den GI-Karzinomen
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Double-Duct-Sign | Gleichzeitige Dilatation von Ductus choledochus und pankreaticus — Hinweis auf Pankreaskopftumor |
| Courvoisier-Zeichen | Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus — Tumorbedingte Cholestase |
| Trousseau-Syndrom | Thrombophlebitis migrans als paraneoplastisches Syndrom (Pankreas, Lunge) |
| Whipple-OP | Partielle Duodenopankreatektomie mit distaler Magenresektion |
| Traverso-OP | Pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie — Methode der Wahl |
| CA 19-9 | Tumormarker zur Verlaufskontrolle (nicht Primärdiagnose) |
| Pankreopriver Diabetes | Insulinmangel nach Pankreasresektion oder -zerstörung |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Ätiologie 🔗
- Ätiologie meist unklar
- Genetische Disposition
- Rauchen (wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor)
- Adipositas
- Alkoholkonsum
- Chronische Pankreatitis
Symptome & Klinik 🔗
Keine Frühsymptome!
Mögliche Symptome
- Oberbauchschmerzen (dumpf, tief, ggf. Ausstrahlung in Rücken — DD: chronische Pankreatitis)
- Schmerzloser Ikterus (bei Pankreaskopfkarzinom → Kompression Ductus choledochus)
- Übelkeit, Erbrechen
- Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwäche (B-Symptome)
Courvoisier-Zeichen
Prallelastische, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Verschluss des Ductus choledochus von außen (Tumor) → Gallenblase kann sich füllen, ohne vorher entzündet zu sein
Merke: Bei Choledocholithiasis ist die Gallenblase oft entzündet/narbig → nicht tastbar. Bei Tumor ist sie weich und prall → tastbar!
Paraneoplastische Syndrome
- Hyperkoagulabilität
- Trousseau-Syndrom: Thrombophlebitis migrans — rezidivierende Entzündungen oberflächlicher Venen an wechselnden Lokalisationen (v.a. bei Pankreas- und Bronchialkarzinom)
- Rezidivierende Thrombosen (Phlebothrombose, Milzvenenthrombose)
Diagnostik 🔗
Labor
- Tumormarker: CA 19-9 und CEA — nur zur Verlaufskontrolle, nicht zur Primärdiagnostik
- Evtl. Lipase↑ bei Begleitpankreatitis
Bildgebung — Stufendiagnostik
- Abdomensonographie + Endosonographie (erste Schritte)
- CT-Abdomen mit KM (wichtigstes Staging-Verfahren)
- Ggf. MRT + MRCP + MR-Angiographie
- Ggf. ERCP
Wegweisender Befund: Double-Duct-Sign
- Gleichzeitige Dilatation des Ductus choledochus (Gallengang) UND des Ductus pancreaticus (Wirsung-Gang)
- Entsteht durch Kompression/Infiltration beider Gänge durch den Tumor im Pankreaskopf
Typische Befunde:
- Raumforderung meist im Pankreaskopf
- Dilatation der Gallenwege (Double-Duct-Sign)
- Ggf. Lebermetastasen, Peritonealkarzinose
Differentialdiagnosen 🔗
- Chronische Pankreatitis (wichtigste DD — kann Karzinom imitieren; Begleitpankreatitis beim Karzinom möglich)
- Pankreaszyste
- Pankreasmetastasen (sehr selten)
- Choledocholithiasis (Ikterus durch Stein, nicht Tumor)
Therapie 🔗
Kurative Therapie (nur ~15–20 % der Patienten)
Pankreaskopfkarzinom:
| Verfahren | Indikation |
|---|---|
| Pyloruserhaltende partielle Duodenopankreatektomie (nach Traverso) | Methode der Wahl |
| Whipple-OP (partielle Duodenopankreatektomie) | Bei Infiltration des Bulbus duodeni |
Traverso-OP: Pankreaskopfresektion + Duodenumteilresektion + Resektion von Gallenblase und Ductus choledochus + Lymphadenektomie. Pylorus wird erhalten!
Whipple-OP: Wie Traverso, aber zusätzlich distale Magenteilresektion. Rekonstruktion durch Roux-Y-Schlinge.
Karzinom Korpus/Schwanz:
- Pankreaslinksresektion mit Splenektomie
- Ggf. totale Pankreatektomie
Adjuvante Chemotherapie nach R0-Resektion (Gemcitabin oder FOLFIRINOX)
Palliative Therapie (Mehrheit der Patienten)
| Problem | Lösung |
|---|---|
| Cholestase (Ikterus) | ERCP mit Stenteinlage |
| Passagestörung | Prokinetika, ggf. PEJ (perkutane endoskopische Jejunostomie) |
| Schmerzen | WHO-Stufenschema; ggf. Plexus-coeliacus-Blockade |
| Exokrine Insuffizienz | Substitution pankreatischer Enzyme |
| Systemisch | Palliative Chemotherapie (Gemcitabin, FOLFIRINOX) |
Komplikationen 🔗
- Frühe Metastasierung: Peritonealkarzinose, Lebermetastasen, Lungen-/Knochenmetastasen
- Magenausgangsstenose
- Stenose des Ductus choledochus (Cholestase)
- Pankreopriver Diabetes mellitus (exokrine + endokrine Insuffizienz)
- Verbrauchskoagulopathie (DIC)
Prognose 🔗
- 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit: <2 % (eine der schlechtesten Prognosen in der Onkologie)
- Grund: Keine Frühsymptome → Diagnose meist im Stadium IV
✨ Clinical Pearls
**1. Courvoisier-Zeichen ist ein Tumorzeichen.** Tastbare, schmerzlose Gallenblase + Ikterus = Tumor, der den Ductus choledochus von außen komprimiert (nicht Stein — der macht Entzündung).
**2. Double-Duct-Sign ist pathognomonisch.** Beide Gänge erweitert = Pankreaskopftumor.
**3. Trousseau-Syndrom denken.** Wandernde Thrombophlebitiden bei unbekanntem Primärtumor → immer Pankreas, Lunge und Magen untersuchen.
**4. CA 19-9 nicht zur Diagnose.** Erhöhter CA 19-9 ist auch bei benignen Erkrankungen möglich — nur für Verlaufskontrolle verwenden.
Prüfungstipps
- - Courvoisier-Zeichen auswendig lernen — klassische Prüfungsfrage
- - Double-Duct-Sign = Pankreaskopfkarzinom bis zum Beweis des Gegenteils
- - Trousseau-Syndrom = Thrombophlebitis migrans bei Karzinom — nicht mit Trousseau-Zeichen (Hypokalzämie) verwechseln!
- - Whipple vs. Traverso: Traverso = pylorus-erhaltend (Methode der Wahl)
- - Prognose merken: 5-JÜR <2 % — schlechteste unter den GI-Karzinomen
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