Nosokomiale Infektionen
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Infektion frühestens 48 h nach Hospitalisierung — anderes Keimspektrum als ambulant
- 2. Häufigste: Wundinfektion (1.) > Harnwegsinfektion (2.) > Pneumonie (3.)
- 3. Größte Gefahr: Multiresistente Erreger (MRE) — MRSA und MRGN
- 4. MRSA: Therapie mit Vancomycin; Dekolonisation mit Mupirocin nasal + Chlorhexidin oral
- 5. Prävention: Händedesinfektion ist die effektivste Einzelmaßnahme
Fallvignette
Ein 74-jähriger Patient entwickelt am 5. postoperativen Tag nach Hüft-TEP Fieber bis 39,1 °C, einen produktiven Husten mit gelblichem Auswurf und eine neu aufgetretene Verwirrtheit.
Er wurde auf der Intensivstation beatmet (Beatmungsdauer 3 Tage). Körperliche Untersuchung: RR 98/60 mmHg, HF 112/min, AF 26/min, SaO₂ 89 % unter 4 L O₂. Auskultation: rechtsseitig basal abgeschwächtes Atemgeräusch mit Rasselgeräuschen. Labor: Leukozyten 18.400/µl, CRP 214 mg/L, Procalcitonin 4,8 ng/mL. Röntgen Thorax: neu aufgetretenes rechtsseitiges Infiltrat. Blutkulturen und Trachealsekret zur Kultur abgenommen.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Nosokomiale Infektionen
Auf einen Blick
- Infektion frühestens 48 h nach Hospitalisierung — anderes Keimspektrum als ambulant
- Häufigste: Wundinfektion (1.) > Harnwegsinfektion (2.) > Pneumonie (3.)
- Größte Gefahr: Multiresistente Erreger (MRE) — MRSA und MRGN
- MRSA: Therapie mit Vancomycin; Dekolonisation mit Mupirocin nasal + Chlorhexidin oral
- Prävention: Händedesinfektion ist die effektivste Einzelmaßnahme
Fallvignette
Ein 74-jähriger Patient entwickelt am 5. postoperativen Tag nach Hüft-TEP Fieber bis 39,1 °C, einen produktiven Husten mit gelblichem Auswurf und eine neu aufgetretene Verwirrtheit.
Er wurde auf der Intensivstation beatmet (Beatmungsdauer 3 Tage). Körperliche Untersuchung: RR 98/60 mmHg, HF 112/min, AF 26/min, SaO₂ 89 % unter 4 L O₂. Auskultation: rechtsseitig basal abgeschwächtes Atemgeräusch mit Rasselgeräuschen. Labor: Leukozyten 18.400/µl, CRP 214 mg/L, Procalcitonin 4,8 ng/mL. Röntgen Thorax: neu aufgetretenes rechtsseitiges Infiltrat. Blutkulturen und Trachealsekret zur Kultur abgenommen.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Infektion, die frühestens 48 Stunden nach Hospitalisierung auftritt (auch in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen).
Charakteristika:
- Anderes Keimspektrum als ambulant erworbene Infektionen → andere Antibiotikaauswahl
- Schwerwiegende Komplikation: Sepsis
Prädisponierende Faktoren
- Hohes Alter
- Langer stationärer Aufenthalt
- Diabetes mellitus und Immunsuppression
- Fremdmaterial: Blasenkatheter, Venenverweilkanülen, Endotrachealtubus, ZVK
Erreger
| Gruppe | Erreger |
|---|---|
| Pfützenkeime (feuchte Umgebung) | Pseudomonas, E. coli, Klebsiellen, Proteus |
| Luftkeime | S. epidermidis, S. aureus, Enterococcus |
Multiresistente Erreger (MRE)
MRSA — Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
Resistenzmechanismus: Modifiziertes Penicillin-Bindeprotein (PBP2a) → Resistenz gegen nahezu alle Beta-Laktam-Antibiotika
Screening: Bei stationärer Aufnahme → Nasen-Rachen-Abstrich
Hygienemaßnahmen bei MRSA
| Maßnahme | Details |
|---|---|
| Isolation | Einzelzimmer |
| Händedesinfektion | Vor Betreten und Verlassen des Patientenzimmers |
| Schutzkleidung | Schutzkittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Maske, Kopfhaube |
| Abwurf | Schutzkleidung im Patientenzimmer entsorgen |
| Utensilien | Patientenbezogen (Stethoskop, Stauschlauch — Sprühdesinfektion) |
| Nach Entlassung | Abschlussdesinfektion des Zimmers |
Dekolonisation bei MRSA-Trägern
| Lokalisation | Maßnahme |
|---|---|
| Nasal | Mupirocin-Salbe |
| Oropharyngeal | Mundspülung + Gurgeln mit Chlorhexidin |
| Hautbesiedlung | Ganzkörperwaschungen mit antiseptischen Waschlösungen |
| Erfolgskontrolle | Nach 3 negativen Abstrichen → Aufhebung der Isolierung |
Therapie einer MRSA-Infektion: Vancomycin i.v. (Alternativen: Linezolid p.o./i.v. oder Daptomycin i.v.)
MRGN — Multiresistente Gram-negative Stäbchen
Definition: Resistenz gegen mindestens 3 der 4 Leitsubstanzklassen:
- Piperacillin
- Cephalosporine der 3./4. Generation
- Fluorchinolone
- Carbapeneme
| Grad | Resistenz | Therapie |
|---|---|---|
| 3-MRGN | 3 von 4 Klassen | Carbapeneme wirken noch |
| 4-MRGN | Alle 4 Klassen | Colistin (Reserveantibiotikum) |
4-MRGN sind meldepflichtig!
Erreger: E. coli, Klebsiella, Enterobacter, Proteus, Pseudomonas aeruginosa
Hygiene MRGN:
- 3-MRGN: Ggf. Isolierung bei Nachweis
- 4-MRGN: Isolierung bei Verdacht und Nachweis
- Dekolonisation: nein (Kolonisation im Verdauungstrakt)
Häufigste Nosokomiale Infektionen
1. Nosokomiale Wundinfektion (häufigste!)
- Häufigste Erreger: S. aureus, S. epidermidis
- Therapie: Wundbehandlung, ggf. chirurgische Revision
2. Nosokomiale Harnwegsinfektion (zweithäufigste)
- Häufigster Erreger: Escherichia coli
- Größter Risikofaktor: Blasenkatheter
- Therapie:
- Kalkuliert: analog zur ambulanten Urozystitis
- Bei MRE oder septischem Schock: Piperacillin + Tazobactam
- Bei einliegendem Katheter: Katheterwechsel vor Antibiotikabeginn!
- Prophylaxe: Strenge Indikationsstellung für Dauerkatheter, Hygienevorschriften
3. Nosokomiale Pneumonie (dritthäufigste)
- Therapie:
- Ohne MRE-Risikofaktoren: Ampicillin + Sulbactam
- Mit MRE-Risikofaktoren oder septischem Schock: Piperacillin + Tazobactam
- Prophylaxe: Hände- und Gerätedesinfektion, Mobilisation, Atemtherapie
Differentialdiagnosen
| Befund | DD |
|---|---|
| Fieber > 48h nach OP | Nosokomiale Infektion vs. resorbierendes Fieber |
| Roter, geschwollener ZVK | Katheterinfektion vs. Thrombophlebitis |
| Dysurie nach Katheter | Nosokomiale HWI vs. Katheterreizung |
Klinische Perlen
1. Händedesinfektion ist die wichtigste Präventionsmaßnahme — vor und nach jedem Patientenkontakt, auch mit Handschuhen!
2. MRSA-Screening bei Aufnahme — Risikogruppen: Patienten aus Pflegeheimen, Dialysepatienten, Patienten mit bekanntem MRSA in der Vorgeschichte.
3. Katheterwechsel vor Antibiotikagabe bei nosokomialem HWI mit liegendem Katheter — sonst ist der Biofilm die Infektionsquelle.
4. 4-MRGN: Colistin als letztes Mittel — hohes Nephrotoxizitätsrisiko, nur bei keiner anderen Option.
Prüfungstipps
- Reihenfolge Häufigkeit: Wundinfektion > HWI > Pneumonie
- MRSA-Therapie: Vancomycin — nicht vergessen
- 4-MRGN ist meldepflichtig — Standardfrage
- Dekolonisation MRSA: 3 negative Abstriche für Aufhebung der Isolierung
- Blasenkatheter = Risikofaktor Nummer 1 für nosokomiales HWI
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Nosokomial | Infektion frühestens 48 h nach Hospitaliserung |
| MRSA | Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus — Beta-Laktam-resistent durch PBP2a |
| MRGN | Multiresistente gram-negative Stäbchen — resistent gegen 3 oder 4 Antibiotikaklassen |
| Dekolonisation | Beseitigung der MRSA-Besiedlung ohne aktive Infektion |
| Pfützenkeime | Feuchtigkeitsliebende Erreger (Pseudomonas, E. coli, Klebsiella) |
| Colistin | Reserveantibiotikum bei 4-MRGN |
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Ätiologie
Nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfektionen) entstehen durch Erreger, die im Krankenhaus oder innerhalb von 48–72 Stunden nach Aufnahme erworben werden. Die häufigsten Erreger und Risikofaktoren umfassen:
- Harnwegsinfektionen (häufigste NI, ~30 %): Meist katheterassoziiert; Erreger: E. coli, Klebsiella, Enterococcus
- Pneumonie (beatmungsassoziiert, VAP): Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus (MRSA), gramnegative Stäbchen
- Wundinfektionen (postoperativ): S. aureus, koagulase-negative Staphylokokken, E. coli
- Katheterassoziierte Bakteriämien: Koagulase-negative Staphylokokken, S. aureus, Candida spp.
- Gastrointestinale Infektionen: Clostridioides difficile (nach Antibiotikaexposition)
- Multiresistente Erreger (MRE): MRSA, VRE, ESBL-bildende Enterobakterien, 4MRGN – besondere Hygieneherausforderung
- Patientenrisikofaktoren: Immunsuppression, Diabetes mellitus, hohes Alter, Malnutrition, invasive Maßnahmen (ZVK, DK, Beatmung)
Symptome
Die klinische Präsentation nosokomialer Infektionen variiert je nach Infektionsort und Erreger. Allgemeine Zeichen einer Infektion stehen häufig im Vordergrund:
- Fieber (> 38,3 °C) oder Hypothermie (< 36 °C), besonders bei älteren Patienten oder Immunsupprimierten atypisch
- Katheterassoziierte HWI: Dysurie, Pollakisurie, Flankenschmerz, Trübung des Urins
- Beatmungsassoziierte Pneumonie: Neues Infiltrat im Röntgen-Thorax, purulentes Trachealsekret, Verschlechterung der Oxygenierung
- Postoperative Wundinfektionen: Rötung, Schwellung, Sekretion, Druckschmerz an der Operationswunde
- Sepsis/Bakteriämie: Tachykardie, Hypotonie, veränderter Bewusstseinszustand, erhöhte Laktatwerte (SOFA-Score-Anstieg)
- C.-difficile-Kolitis: Wässrige bis blutige Diarrhö, Bauchkrämpfe, erhöhtes CRP/Leukozyten
Prognose
Nosokomiale Infektionen sind eine der häufigsten Ursachen vermeidbarer Morbidität und Mortalität im Krankenhaus. Laut RKI sind in Deutschland jährlich ca. 400.000–600.000 Patienten betroffen.
- Mortalität: Je nach Infektionstyp 5–30 %; beatmungsassoziierte Pneumonie und Sepsis haben die höchste Sterblichkeit (20–50 %)
- Verlängerte Hospitalisierung: Durchschnittlich 5–10 zusätzliche Krankenhaustage pro NI-Episode
- MRE-Infektionen: Erheblich schlechtere Prognose durch eingeschränkte Therapieoptionen; MRSA-Bakteriämie: Mortalität ~20–30 %
- Prävention ist entscheidend: Händehygiene (WHO-5-Momente), Kathetermanagementsysteme, Antibiotic Stewardship – laut KRINKO-Empfehlungen
- Günstige Prognose bei frühzeitiger Erkennung, gezielter Antibiose nach Antibiogramm und konsequenter Infektionskontrolle
Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Ätiologie & Erreger
Nosokomiale Infektionen (Healthcare-associated Infections, HAI) entstehen ≥ 48 h nach Krankenhausaufnahme oder ≤ 30 Tage nach Entlassung. Typische Erreger variieren je nach Infektionstyp:
- Harnwegsinfektionen (häufigste nosokominale Infektion, ~30 %): E. coli, Klebsiella, Enterococcus, Candida — oft katheter-assoziiert (CAUTI)
- Pneumonie (HAP/VAP, ~15–20 %): Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Staphylococcus aureus (inkl. MRSA), Acinetobacter baumannii
- Wundinfektionen (SSI, ~15 %): Staphylococcus aureus (MRSA), Streptococcus, koagulase-negative Staphylokokken, gramnegative Erreger
- Katheter-assoziierte Blutstrominfektion (CLABSI, ~10 %): Koagulase-negative Staphylokokken, S. aureus, Candida
- Clostridium difficile-Infektion (CDI): Häufig nach Antibiotikagabe — Durchfall, Kolitis, pseudomembranöse Kolitis; Sporenbildner, schwer zu eradizieren
Multiresistente Erreger (MRE):
- MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus): Risiko bei nasalen Trägern, Pflegeheimbewohnern, vorangegangener Antibiotikaexposition
- ESBL-bildende Enterobacteriaceae: Breitspektrum-Beta-Laktamase-Bildner; resistent gegen Penicilline und Cephalosporine
- MRGN (Multi-resistente gramnegative Stäbchen): 3MRGN und 4MRGN — nur wenige Reserveantibiotika wirksam (Colistin, Tigecyclin)
Symptome & Klinik
Die klinische Präsentation nosokomialer Infektionen hängt von Infektionsherd und Erreger ab:
- Allgemeinsymptome: Fieber (neu aufgetretenes Fieber bei hospitalisierten Patienten → immer Infektquelle suchen!), Schüttelfrost, Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Harnwegsinfektion: Dysurie, Pollakisurie, suprapubischer Schmerz, trüber/übelriechender Urin; bei Pyelonephritis: Flankenschmerz, Fieber
- Pneumonie: Neu auftretendes Fieber, purulentes Trachealsekret, Infiltrat im Röntgen/CT, O₂-Abfall, erhöhtes CRP/PCT
- Wundinfektion: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Sekretion aus der Wunde, Schmerz, Fieber
- Clostridium difficile: Wässrige Durchfälle (≥ 3 × tägl.), krampfartige Bauchschmerzen, Fieber; bei schwerer Kolitis: Megakolon, Perforation möglich
- CLABSI: Fieber + Schüttelfrost ohne andere Infektquelle bei liegendem ZVK; Sepsis-Symptomatik
Prognose
Nosokomiale Infektionen verlängern den Krankenhausaufenthalt erheblich, erhöhen die Morbidität und Mortalität und verursachen hohe Kosten. Besonders gefährdet sind intensivpflichtige Patienten, Immunsupprimierte und ältere Patienten. Die Prognose ist bei MRE-Infektionen schlechter, da therapeutische Optionen eingeschränkt sind.
Prävention ist entscheidend: Händehygiene (wichtigste Einzelmaßnahme nach WHO), aseptische Katheter-Insertion und -Pflege, frühzeitige Entfernung invasiver Devices, Antibiotic Stewardship (rationale Antibiotikatherapie zur Vermeidung von Resistenzentwicklung), Isolierungsmaßnahmen bei MRE-Trägern, Screening bei Risikogruppen (MRSA-Abstrich bei Aufnahme).
Ätiologie & Erreger
Nosokomiale Infektionen (Healthcare-associated Infections, HAI) entstehen ≥ 48 h nach Krankenhausaufnahme oder ≤ 30 Tage nach Entlassung. Typische Erreger variieren je nach Infektionstyp:
- Harnwegsinfektionen (häufigste nosokominale Infektion, ~30 %): E. coli, Klebsiella, Enterococcus, Candida — oft katheter-assoziiert (CAUTI)
- Pneumonie (HAP/VAP, ~15–20 %): Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Staphylococcus aureus (inkl. MRSA), Acinetobacter baumannii
- Wundinfektionen (SSI, ~15 %): Staphylococcus aureus (MRSA), Streptococcus, koagulase-negative Staphylokokken, gramnegative Erreger
- Katheter-assoziierte Blutstrominfektion (CLABSI, ~10 %): Koagulase-negative Staphylokokken, S. aureus, Candida
- Clostridium difficile-Infektion (CDI): Häufig nach Antibiotikagabe — Durchfall, Kolitis, pseudomembranöse Kolitis; Sporenbildner, schwer zu eradizieren
Multiresistente Erreger (MRE):
- MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus): Risiko bei nasalen Trägern, Pflegeheimbewohnern, vorangegangener Antibiotikaexposition
- ESBL-bildende Enterobacteriaceae: Breitspektrum-Beta-Laktamase-Bildner; resistent gegen Penicilline und Cephalosporine
- MRGN (Multi-resistente gramnegative Stäbchen): 3MRGN und 4MRGN — nur wenige Reserveantibiotika wirksam (Colistin, Tigecyclin)
Symptome & Klinik
Die klinische Präsentation nosokomialer Infektionen hängt von Infektionsherd und Erreger ab:
- Allgemeinsymptome: Fieber (neu aufgetretenes Fieber bei hospitalisierten Patienten → immer Infektquelle suchen!), Schüttelfrost, Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Harnwegsinfektion: Dysurie, Pollakisurie, suprapubischer Schmerz, trüber/übelriechender Urin; bei Pyelonephritis: Flankenschmerz, Fieber
- Pneumonie: Neu auftretendes Fieber, purulentes Trachealsekret, Infiltrat im Röntgen/CT, O₂-Abfall, erhöhtes CRP/PCT
- Wundinfektion: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Sekretion aus der Wunde, Schmerz, Fieber
- Clostridium difficile: Wässrige Durchfälle (≥ 3 × tägl.), krampfartige Bauchschmerzen, Fieber; bei schwerer Kolitis: Megakolon, Perforation möglich
- CLABSI: Fieber + Schüttelfrost ohne andere Infektquelle bei liegendem ZVK; Sepsis-Symptomatik
Prognose
Nosokomiale Infektionen verlängern den Krankenhausaufenthalt erheblich, erhöhen die Morbidität und Mortalität und verursachen hohe Kosten. Besonders gefährdet sind intensivpflichtige Patienten, Immunsupprimierte und ältere Patienten. Die Prognose ist bei MRE-Infektionen schlechter, da therapeutische Optionen eingeschränkt sind.
Prävention ist entscheidend: Händehygiene (wichtigste Einzelmaßnahme nach WHO), aseptische Katheter-Insertion und -Pflege, frühzeitige Entfernung invasiver Devices, Antibiotic Stewardship (rationale Antibiotikatherapie zur Vermeidung von Resistenzentwicklung), Isolierungsmaßnahmen bei MRE-Trägern, Screening bei Risikogruppen (MRSA-Abstrich bei Aufnahme).
Definition 🔗
Infektion, die frühestens 48 Stunden nach Hospitalisierung auftritt (auch in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen).
Charakteristika:
- Anderes Keimspektrum als ambulant erworbene Infektionen → andere Antibiotikaauswahl
- Schwerwiegende Komplikation: Sepsis
Differentialdiagnosen 🔗
| Befund | DD |
|---|---|
| Fieber > 48h nach OP | Nosokomiale Infektion vs. resorbierendes Fieber |
| Roter, geschwollener ZVK | Katheterinfektion vs. Thrombophlebitis |
| Dysurie nach Katheter | Nosokomiale HWI vs. Katheterreizung |
✨ Clinical Pearls
**1. Händedesinfektion ist die wichtigste Präventionsmaßnahme** — vor und nach jedem Patientenkontakt, auch mit Handschuhen!
**2. MRSA-Screening bei Aufnahme** — Risikogruppen: Patienten aus Pflegeheimen, Dialysepatienten, Patienten mit bekanntem MRSA in der Vorgeschichte.
**3. Katheterwechsel vor Antibiotikagabe** bei nosokomialem HWI mit liegendem Katheter — sonst ist der Biofilm die Infektionsquelle.
**4. 4-MRGN: Colistin als letztes Mittel** — hohes Nephrotoxizitätsrisiko, nur bei keiner anderen Option.
Prüfungstipps
- - Reihenfolge Häufigkeit: Wundinfektion > HWI > Pneumonie
- - MRSA-Therapie: Vancomycin — nicht vergessen
- - 4-MRGN ist meldepflichtig — Standardfrage
- - Dekolonisation MRSA: 3 negative Abstriche für Aufhebung der Isolierung
- - Blasenkatheter = Risikofaktor Nummer 1 für nosokomiales HWI
Schlüsselbegriffe
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