★★ Wichtig Kardiologie 20 Min.

AV-Block

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Überleitungsstörung zwischen Vorhof und Kammer — drei Schweregrade
  • 2. AV-Block I° = harmlos; AV-Block II° Typ 2 = Notfall (kann in Grad III übergehen); AV-Block III° = lebensbedrohlich
  • 3. EKG ist das entscheidende Diagnosewerkzeug — PQ-Zeit und QRS-Komplexe beurteilen
  • 4. AV-Block III° → Herzschrittmacher (permanent)
  • 5. Adams-Stokes-Anfall = Synkope durch Herzrhythmusstörung — kann bei Grad III auftreten

Fallvignette

Ein 71-jähriger Patient stellt sich vor mit wiederholten Schwindelepisoden und einer Synkope beim Aufstehen aus dem Bett heute Morgen.

Der Patient berichtet über mehrere Sekunden dauernde Bewusstlosigkeit mit spontaner Erholung, keine Zungenbiss, kein Einnässen. Bekannte koronare Herzerkrankung nach Hinterwandinfarkt vor 3 Jahren. EKG: PP-Abstand regelmäßig 820 ms; PQ-Zeit wechselnd; gelegentlich fällt eine P-Welle ohne nachfolgenden QRS aus — nach jedem nicht übergeleitetem P normaler Überleitung. Herzfrequenz 38/min. RR 88/52 mmHg. Troponin negativ. Im Langzeit-EKG: Pausen bis 4,2 Sekunden.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


AV-Block

Auf einen Blick

  1. Überleitungsstörung zwischen Vorhof und Kammer — drei Schweregrade
  2. AV-Block I° = harmlos; AV-Block II° Typ 2 = Notfall (kann in Grad III übergehen); AV-Block III° = lebensbedrohlich
  3. EKG ist das entscheidende Diagnosewerkzeug — PQ-Zeit und QRS-Komplexe beurteilen
  4. AV-Block III° → Herzschrittmacher (permanent)
  5. Adams-Stokes-Anfall = Synkope durch Herzrhythmusstörung — kann bei Grad III auftreten

Fallvignette

Ein 71-jähriger Patient stellt sich vor mit wiederholten Schwindelepisoden und einer Synkope beim Aufstehen aus dem Bett heute Morgen.

Der Patient berichtet über mehrere Sekunden dauernde Bewusstlosigkeit mit spontaner Erholung, keine Zungenbiss, kein Einnässen. Bekannte koronare Herzerkrankung nach Hinterwandinfarkt vor 3 Jahren. EKG: PP-Abstand regelmäßig 820 ms; PQ-Zeit wechselnd; gelegentlich fällt eine P-Welle ohne nachfolgenden QRS aus — nach jedem nicht übergeleitetem P normaler Überleitung. Herzfrequenz 38/min. RR 88/52 mmHg. Troponin negativ. Im Langzeit-EKG: Pausen bis 4,2 Sekunden.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Ein AV-Block ist eine Überleitungsstörung zwischen Vorhof (Atrium) und Kammer (Ventrikel). Die Erregung, die im Sinusknoten entsteht und über die Vorhöfe läuft, wird verzögert oder gar nicht mehr auf die Kammern übertragen.

Physiologischer Erregungsweg:

Sinusknoten → Vorhöfe → AV-Knoten (Verzögerung) → His-Bündel → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern → Myokard

Ätiologie & Risikofaktoren

Ursache Beispiele
Idiopathisch (degenerativ) Häufigste Ursache im Alter
Kardiale Grunderkrankung KHK (Ischämie des Reizleitungssystems), Myokarditis
Medikamente Digitalis, Betablocker, Amiodaron, Calciumantagonisten (Verapamil, Diltiazem)
Elektrolytstörungen Hyperkaliämie (verlangsamt AV-Überleitung)
Iatrogen Nach Ablation, herzchirurgischen Eingriffen

Pathophysiologie

Die Verzögerung entsteht im AV-Knoten oder im His-Bündel/Tawara-Schenkel:

  • Je distaler die Blockade → desto verbreiterter der QRS-Komplex (durch aberrante Erregungsleitung)
  • Je distaler → desto langsamer und unzuverlässiger der Ersatzrhythmus
  • Je distaler → desto schlechter die Prognose

Klassifikation

AV-Block I°

Merkmal Befund
PQ-Zeit >200 ms (verlängert)
QRS nach jeder P-Welle Ja — jede Vorhofaktion wird übergeleitet
Herzfrequenz = Sinusknotenfrequenz
Klinische Bedeutung Oft harmlos, auch bei Sportlern mit erhöhtem Vagotonus

AV-Block II° — Typ 1 (Wenckebach)

Merkmal Befund
PQ-Zeit Progressive Verlängerung bis ein QRS ausfällt
Ausfall 1 QRS-Komplex nach normaler P-Welle
Muster Periodisch — nach Ausfall beginnt Zyklus neu mit kürzerer PQ-Zeit
HF < Sinusfrequenz, rhythmisch mit plötzlicher Pause

AV-Block II° — Typ 2 (Mobitz)

Merkmal Befund
PQ-Zeit Konstant (verlängert oder normal)
Ausfall Plötzlicher Ausfall eines QRS ohne vorherige PQ-Verlängerung
Überleitung 2:1 (jede 2. P-Welle übergeleitet) oder 3:1 (jede 3. P-Welle)
Pause = Doppeltes PP-Intervall

Mobitz = Notfall! Kann jederzeit in AV-Block III° übergehen → Herzschrittmacher notwendig!

AV-Block III° (Totaler AV-Block)

Merkmal Befund
Überleitung Komplett unterbrochen
P-Wellen Regelmäßig, unabhängig von QRS
QRS-Komplexe Regelmäßig, aber langsam — Ersatzrhythmus
AV-Dissoziation P-Wellen und QRS vollständig entkoppelt

Ersatzrhythmen:

Ursprung Frequenz QRS-Morphologie Prognose
AV-Knoten (jonktionaler Rhythmus) 40–50/min Schmal Besser
His-Bündel/Tawara-Schenkel (ventrikulär) 20–30/min Breit, deformiert Schlechter

Je peripherer das Autonomiezentrum: langsamer Rhythmus + breiter QRS + schlechtere Prognose


Symptome & Klinik

Abhängig vom Schweregrad

Grad Symptome
In der Regel asymptomatisch
II° Typ 1 Oft asymptomatisch, ggf. Palpitationen
II° Typ 2 Ggf. Schwindel, Synkope — Notfall!
III° Schwere Bradykardie mit Organminderperfusion

Symptome bei III° (abhängig von Pausendauer und Ersatzrhythmus)

Pausendauer Symptom
2–5 Sekunden Übelkeit, Schwindel
5–30 Sekunden Synkope (Bewusstseinsverlust)
>30 Sekunden Adams-Stokes-Anfall

Adams-Stokes-Anfall: Durch Herzrhythmusstörung induzierte Synkope — plötzlich, ohne Prodromi, mit rascher Erholung. Kann Krampfanfälle imitieren.

Weitere Symptome bei Bradykardie:

  • Apathie, kognitive Störungen (zerebrale Minderversorgung)
  • Herzinsuffizienz (Bradykardie → reduziertes Herzminutenvolumen)
  • Dyspnoe
  • Kardiogener Schock

Diagnostik

EKG (Schlüsseldiagnostik)

AV-Block EKG-Befund
PQ-Zeit >200 ms, alle P-Wellen geleitet
II° Typ 1 (Wenckebach) Progressive PQ-Verlängerung → QRS-Ausfall
II° Typ 2 (Mobitz) Konstante PQ-Zeit → plötzlicher QRS-Ausfall
III° P-Wellen und QRS vollständig dissoziiert

Anamnese und Untersuchung

  • Medikamentenanamnese (Digitalis, Betablocker?)
  • Grunderkrankungen (KHK, Myokarditis?)
  • Elektrolyte (Kalium!)
  • Herzfrequenz, Blutdruck

Differentialdiagnosen

Diagnose Unterschied
Linksanteriorer Hemiblock Blockade des vorderen Faszikels am linken Tawara-Schenkel — kein AV-Block
Linksposteriorer Hemiblock Blockade des hinteren Faszikels — kein AV-Block
Linksschenkelblock Breiter QRS, aber normale PQ-Zeit und Überleitung
Rechtsschenkelblock Breiter QRS mit rSR‘-Muster in V1
Sinuatrialer Block Überleitungsstörung im Sinusknoten selbst

Therapie

AV-Block I°

  • In der Regel keine Therapie notwendig
  • Ggf. kausale Therapie: Grunderkrankung behandeln, Elektrolyte ausgleichen, auslösende Medikamente absetzen

AV-Block II° Typ 1 (Wenckebach)

  • Wie Grad I° (meistens keine Therapie)
  • Bei symptomatischem Block oder Hinweisen auf intra-/infrahisären Block: Herzschrittmacher erwägen

AV-Block II° Typ 2 (Mobitz) — Notfall!

  • Permanenter Herzschrittmacher — meist DDD
  • Ggf. kausale Therapie

AV-Block III° — Notfall!

Akuttherapie:

  1. Ggf. Reanimation
  2. Atropin 0,5–1,0 mg i.v. (erhöht AV-Überleitung — Cave: kontraindiziert bei Block unterhalb des His-Bündels!)
  3. Bei Atropinversagen: Orciprenalin über Perfusor (Adrenalin als Alternative)
  4. Temporärer Herzschrittmacher (transvenös)

Dauertherapie:

  • Permanenter Herzschrittmacher (DDD) nach Stabilisierung

Komplikationen

  • Adams-Stokes-Anfall → Synkope, Sturzverletzungen
  • Kardiogener Schock bei schwerer Bradykardie
  • Herzstillstand bei Ausfall des Ersatzrhythmus
  • Schrittmacherkomplikationen: Sondenverschiebung, Infektion, Batterieversagen

Prognose

  • AV-Block I°: Gutartig, keine Auswirkung auf Lebenserwartung
  • AV-Block II° Typ 2 und III°: Ohne Schrittmacher lebensbedrohlich
  • Mit Schrittmacherimplantation: Normalisierung der Lebenserwartung möglich

Prävention

  • Ursächliche Erkrankungen behandeln (KHK, Myokarditis)
  • Vorsicht bei kombinierten negativ dromotropen Medikamenten (Betablocker + Verapamil)
  • Regelmäßige Schrittmacherkontrolle nach Implantation

Klinische Perlen

1. Mobitz Typ 2 = Notfall, Wenckebach nicht. Wenckebach ist „gutartig“ (PQ verlängert sich schrittweise, Pausen kündigen sich an). Mobitz 2 ist unvorhersehbar — plötzlicher Schenkelblock oder totaler AV-Block möglich.

2. PQ-Zeit merken: >200 ms = Block I°. Normal ist <200 ms (5 kleine Kästchen im EKG bei Normgeschwindigkeit).

3. Adams-Stokes = Herzsynkope. Unterschied zum epileptischen Anfall: Beginn nach Bewusstlosigkeit, keine Aura, rasche vollständige Erholung.

4. AV-Dissoziation im EKG = Grad III. P-Wellen und QRS-Komplexe laufen unabhängig — klinisch immer ein Notfall.


Prüfungstipps

  • Drei Typen im EKG beschreiben können — PQ, QRS-Ausfall, AV-Dissoziation
  • Mobitz Typ 2 = Notfall — das unterscheidet ihn von Wenckebach
  • Adams-Stokes-Anfall definieren können — durch Rhythmusstörungen induzierte Synkope
  • Atropin kontraindiziert bei infrahisärem Block — das ist eine Lieblingsfrage
  • DDD-Schrittmacher = Standard bei III° — D für sensing + pacing in beiden Kammern

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
AV-Block Überleitungsstörung zwischen Vorhof und Kammer
PQ-Zeit Abstand P-Welle bis QRS-Anfang — Maß der AV-Überleitung (normal <200 ms)
Wenckebach AV-Block II° Typ 1: progressive PQ-Verlängerung → QRS-Ausfall
Mobitz AV-Block II° Typ 2: konstante PQ-Zeit → plötzlicher QRS-Ausfall — Notfall!
AV-Dissoziation Vollständige Entkopplung von P-Wellen und QRS — AV-Block III°
Adams-Stokes-Anfall Durch Herzrhythmusstörung induzierte Synkope
DDD-Schrittmacher Herzschrittmacher mit Sensing und Pacing in Vorhof und Kammer

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Ein AV-Block ist eine Überleitungsstörung zwischen Vorhof (Atrium) und Kammer (Ventrikel). Die Erregung, die im Sinusknoten entsteht und über die Vorhöfe läuft, wird verzögert oder gar nicht mehr auf die Kammern übertragen.

Physiologischer Erregungsweg:

Sinusknoten → Vorhöfe → AV-Knoten (Verzögerung) → His-Bündel → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern → Myokard

Ätiologie 🔗

Ursache Beispiele
Idiopathisch (degenerativ) Häufigste Ursache im Alter
Kardiale Grunderkrankung KHK (Ischämie des Reizleitungssystems), Myokarditis
Medikamente Digitalis, Betablocker, Amiodaron, Calciumantagonisten (Verapamil, Diltiazem)
Elektrolytstörungen Hyperkaliämie (verlangsamt AV-Überleitung)
Iatrogen Nach Ablation, herzchirurgischen Eingriffen

Pathophysiologie 🔗

Die Verzögerung entsteht im AV-Knoten oder im His-Bündel/Tawara-Schenkel:

  • Je distaler die Blockade → desto verbreiterter der QRS-Komplex (durch aberrante Erregungsleitung)
  • Je distaler → desto langsamer und unzuverlässiger der Ersatzrhythmus
  • Je distaler → desto schlechter die Prognose

Symptome & Klinik 🔗

AV-Block I°

Merkmal Befund
PQ-Zeit >200 ms (verlängert)
QRS nach jeder P-Welle Ja — jede Vorhofaktion wird übergeleitet
Herzfrequenz = Sinusknotenfrequenz
Klinische Bedeutung Oft harmlos, auch bei Sportlern mit erhöhtem Vagotonus

AV-Block II° — Typ 1 (Wenckebach)

Merkmal Befund
PQ-Zeit Progressive Verlängerung bis ein QRS ausfällt
Ausfall 1 QRS-Komplex nach normaler P-Welle
Muster Periodisch — nach Ausfall beginnt Zyklus neu mit kürzerer PQ-Zeit
HF < Sinusfrequenz, rhythmisch mit plötzlicher Pause

AV-Block II° — Typ 2 (Mobitz)

Merkmal Befund
PQ-Zeit Konstant (verlängert oder normal)
Ausfall Plötzlicher Ausfall eines QRS ohne vorherige PQ-Verlängerung
Überleitung 2:1 (jede 2. P-Welle übergeleitet) oder 3:1 (jede 3. P-Welle)
Pause = Doppeltes PP-Intervall

Mobitz = Notfall! Kann jederzeit in AV-Block III° übergehen → Herzschrittmacher notwendig!

AV-Block III° (Totaler AV-Block)

Merkmal Befund
Überleitung Komplett unterbrochen
P-Wellen Regelmäßig, unabhängig von QRS
QRS-Komplexe Regelmäßig, aber langsam — Ersatzrhythmus
AV-Dissoziation P-Wellen und QRS vollständig entkoppelt

Ersatzrhythmen:

Ursprung Frequenz QRS-Morphologie Prognose
AV-Knoten (jonktionaler Rhythmus) 40–50/min Schmal Besser
His-Bündel/Tawara-Schenkel (ventrikulär) 20–30/min Breit, deformiert Schlechter

Je peripherer das Autonomiezentrum: langsamer Rhythmus + breiter QRS + schlechtere Prognose


Abhängig vom Schweregrad

Grad Symptome
In der Regel asymptomatisch
II° Typ 1 Oft asymptomatisch, ggf. Palpitationen
II° Typ 2 Ggf. Schwindel, Synkope — Notfall!
III° Schwere Bradykardie mit Organminderperfusion

Symptome bei III° (abhängig von Pausendauer und Ersatzrhythmus)

Pausendauer Symptom
2–5 Sekunden Übelkeit, Schwindel
5–30 Sekunden Synkope (Bewusstseinsverlust)
>30 Sekunden Adams-Stokes-Anfall

Adams-Stokes-Anfall: Durch Herzrhythmusstörung induzierte Synkope — plötzlich, ohne Prodromi, mit rascher Erholung. Kann Krampfanfälle imitieren.

Weitere Symptome bei Bradykardie:

  • Apathie, kognitive Störungen (zerebrale Minderversorgung)
  • Herzinsuffizienz (Bradykardie → reduziertes Herzminutenvolumen)
  • Dyspnoe
  • Kardiogener Schock

Diagnostik 🔗

EKG (Schlüsseldiagnostik)

AV-Block EKG-Befund
PQ-Zeit >200 ms, alle P-Wellen geleitet
II° Typ 1 (Wenckebach) Progressive PQ-Verlängerung → QRS-Ausfall
II° Typ 2 (Mobitz) Konstante PQ-Zeit → plötzlicher QRS-Ausfall
III° P-Wellen und QRS vollständig dissoziiert

Anamnese und Untersuchung

  • Medikamentenanamnese (Digitalis, Betablocker?)
  • Grunderkrankungen (KHK, Myokarditis?)
  • Elektrolyte (Kalium!)
  • Herzfrequenz, Blutdruck

Differentialdiagnosen 🔗

Diagnose Unterschied
Linksanteriorer Hemiblock Blockade des vorderen Faszikels am linken Tawara-Schenkel — kein AV-Block
Linksposteriorer Hemiblock Blockade des hinteren Faszikels — kein AV-Block
Linksschenkelblock Breiter QRS, aber normale PQ-Zeit und Überleitung
Rechtsschenkelblock Breiter QRS mit rSR'-Muster in V1
Sinuatrialer Block Überleitungsstörung im Sinusknoten selbst

Therapie 🔗

AV-Block I°

  • In der Regel keine Therapie notwendig
  • Ggf. kausale Therapie: Grunderkrankung behandeln, Elektrolyte ausgleichen, auslösende Medikamente absetzen

AV-Block II° Typ 1 (Wenckebach)

  • Wie Grad I° (meistens keine Therapie)
  • Bei symptomatischem Block oder Hinweisen auf intra-/infrahisären Block: Herzschrittmacher erwägen

AV-Block II° Typ 2 (Mobitz) — Notfall!

  • Permanenter Herzschrittmacher — meist DDD
  • Ggf. kausale Therapie

AV-Block III° — Notfall!

Akuttherapie:

  1. Ggf. Reanimation
  2. Atropin 0,5–1,0 mg i.v. (erhöht AV-Überleitung — Cave: kontraindiziert bei Block unterhalb des His-Bündels!)
  3. Bei Atropinversagen: Orciprenalin über Perfusor (Adrenalin als Alternative)
  4. Temporärer Herzschrittmacher (transvenös)

Dauertherapie:

  • Permanenter Herzschrittmacher (DDD) nach Stabilisierung

Komplikationen 🔗

  • Adams-Stokes-Anfall → Synkope, Sturzverletzungen
  • Kardiogener Schock bei schwerer Bradykardie
  • Herzstillstand bei Ausfall des Ersatzrhythmus
  • Schrittmacherkomplikationen: Sondenverschiebung, Infektion, Batterieversagen

Prognose 🔗

  • AV-Block I°: Gutartig, keine Auswirkung auf Lebenserwartung
  • AV-Block II° Typ 2 und III°: Ohne Schrittmacher lebensbedrohlich
  • Mit Schrittmacherimplantation: Normalisierung der Lebenserwartung möglich

Prävention 🔗

  • Ursächliche Erkrankungen behandeln (KHK, Myokarditis)
  • Vorsicht bei kombinierten negativ dromotropen Medikamenten (Betablocker + Verapamil)
  • Regelmäßige Schrittmacherkontrolle nach Implantation

Prüfungstipps

  • - Drei Typen im EKG beschreiben können — PQ, QRS-Ausfall, AV-Dissoziation
  • - Mobitz Typ 2 = Notfall — das unterscheidet ihn von Wenckebach
  • - Adams-Stokes-Anfall definieren können — durch Rhythmusstörungen induzierte Synkope
  • - Atropin kontraindiziert bei infrahisärem Block — das ist eine Lieblingsfrage
  • - DDD-Schrittmacher = Standard bei III° — D für sensing + pacing in beiden Kammern

Schlüsselbegriffe

BegriffAV-BlockPQ-ZeitWenckebachMobitzAV-DissoziationAdams-Stokes-AnfallDDD-Schrittmacher