Elektrolytstörungen
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Hypokaliämie (5,0 mmol/l) sind lebensbedrohlich — beide führen zu EKG-Veränderungen und können Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern verursachen.
- 2. Hyponatriämie (<135 mmol/l) ist die häufigste Elektrolytstörung — langsame Korrektur ist zwingend; zu schnelle Korrektur → pontine Myelinolyse (osmotisches Demyelinisierungssyndrom).
- 3. Hypokalzämie führt zu Tetanie (Chvostek- und Trousseau-Zeichen); Hyperkalzämie zum "Stein-Bein-Magen-Pein"-Syndrom.
- 4. Die Korrekturgeschwindigkeit ist bei Hyponatriämie kritisch: maximal 8–10 mmol/l pro 24 Stunden — nicht schneller!
- 5. Notfallmanagement: Hyperkaliämie → Kalziumgluconat i.v. (Membranstabilisierung sofort!); Hypokalzämie mit Tetanie → Kalziumgluconat i.v.
Fallvignette
Eine 71-jährige Patientin wird vom Pflegepersonal bewusstseinsgetrübt und desorientiert aufgefunden. Sie nimmt seit 3 Wochen ein Thiaziddiuretikum neu ein und hat in den letzten Tagen wenig getrunken.
RR 108/72 mmHg, HF 88/min, Turgor der Haut vermindert, trockene Schleimhäute. Neurologisch: Glasgow Coma Scale 13, keine Herdzeichen. Labor: Natrium 118 mmol/L, Kalium 3,2 mmol/L, Kreatinin 1,4 mg/dL, Osmolalität Serum 248 mosmol/kg, Urin-Natrium 42 mmol/L, Urin-Osmolalität 480 mosmol/kg. EKG: flache T-Wellen.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Elektrolytstörungen
Auf einen Blick
- Hypokaliämie (<3,5 mmol/l) und Hyperkaliämie (>5,0 mmol/l) sind lebensbedrohlich — beide führen zu EKG-Veränderungen und können Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern verursachen.
- Hyponatriämie (<135 mmol/l) ist die häufigste Elektrolytstörung — langsame Korrektur ist zwingend; zu schnelle Korrektur → pontine Myelinolyse (osmotisches Demyelinisierungssyndrom).
- Hypokalzämie führt zu Tetanie (Chvostek- und Trousseau-Zeichen); Hyperkalzämie zum „Stein-Bein-Magen-Pein“-Syndrom.
- Die Korrekturgeschwindigkeit ist bei Hyponatriämie kritisch: maximal 8–10 mmol/l pro 24 Stunden — nicht schneller!
- Notfallmanagement: Hyperkaliämie → Kalziumgluconat i.v. (Membranstabilisierung sofort!); Hypokalzämie mit Tetanie → Kalziumgluconat i.v.
Fallvignette
Eine 71-jährige Patientin wird vom Pflegepersonal bewusstseinsgetrübt und desorientiert aufgefunden. Sie nimmt seit 3 Wochen ein Thiaziddiuretikum neu ein und hat in den letzten Tagen wenig getrunken.
RR 108/72 mmHg, HF 88/min, Turgor der Haut vermindert, trockene Schleimhäute. Neurologisch: Glasgow Coma Scale 13, keine Herdzeichen. Labor: Natrium 118 mmol/L, Kalium 3,2 mmol/L, Kreatinin 1,4 mg/dL, Osmolalität Serum 248 mosmol/kg, Urin-Natrium 42 mmol/L, Urin-Osmolalität 480 mosmol/kg. EKG: flache T-Wellen.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Elektrolytstörungen sind Abweichungen der Serumelektrolytkonzentrationen vom Normbereich, die durch veränderte Zufuhr, Ausscheidung, Verteilung oder Regulation entstehen. Sie können asymptomatisch sein oder lebensbedrohliche kardiale, neurologische und neuromuskuläre Komplikationen verursachen.
Kaliumpathologien
Normwert: 3,5 – 5,0 mmol/l
Hypokaliämie (<3,5 mmol/l)
Ätiologie
| Ursache | Beispiele |
|---|---|
| Renaler Verlust | Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika), primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom), RTA Typ 1 und 2 |
| Gastrointestinaler Verlust | Erbrechen, Diarrhö, Laxanzienabusus, Ileostomadrains |
| Transzelluläre Verschiebung | Insulin, Beta-Agonisten, Alkalose (H+ aus Zelle → K+ in Zelle) |
| Mangelernährung / Anorexie | Unzureichende Zufuhr |
EKG-Veränderungen bei Hypokaliämie
Früh: T-Abflachung, prominente U-Welle
Spät: Verlängerte QU-Zeit, ST-Senkung, ventrikuläre Extrasystolen
Schwer: Ventrikuläre Tachykardie, Torsade de Pointes, Kammerflimmern
Klinik
- Muskelschwäche, Myalgie, Paresen
- Verstopfung, Ileus (Hypomotilität)
- Herzrhythmusstörungen
- Polyurie, Polydipsie (hypokaliämische Nephropathie bei chronischem Defizit)
Therapie Hypokaliämie
| Schweregrad | Therapie |
|---|---|
| Leicht (3,0–3,5 mmol/l) | Orale Substitution: Kaliumchlorid-Retardtabletten, kaliumreiche Kost |
| Moderat (2,5–3,0 mmol/l) | Orale oder i.v. Substitution, engmaschiges EKG-Monitoring |
| Schwer (<2,5 mmol/l oder EKG-Veränderungen) | i.v. KCl-Infusion: max. 20 mmol/h über periphere Vene; schneller nur über ZVK mit Monitor |
Cave: Niemals KCl i.v. als Bolus — tödlich! Immer als verdünnte Infusion.
Hyperkaliämie (>5,0 mmol/l)
Ätiologie
| Ursache | Beispiele |
|---|---|
| Niereninsuffizienz | Häufigste Ursache; verminderte renale Ausscheidung |
| Medikamente | ACE-Hemmer, Sartane, Kaliumsparende Diuretika (Spironolacton), NSAR, Heparin |
| Transzelluläre Freisetzung | Azidose, Insulinmangel (DKA), Hämolyse, Rhabdomyolyse, Tumorlysesyndrom |
| Exzessive Zufuhr | Kalium-Substitution, Bluttransfusionen |
| Pseudohyperkaliämie | Hämolyse in vitro, Thrombozytose; Kontrollblutabnahme! |
EKG-Veränderungen bei Hyperkaliämie (WICHTIG!)
K+ 5,5–6,5: Hohe, spitze T-Wellen ("Zelt-T")
K+ 6,5–7,5: PR-Verlängerung, QRS-Verbreiterung
K+ 7,5–9,0: Sinusbradykardie, AV-Block, Sinuswelle (Merging P+QRS)
K+ >9,0: Kammerflimmern, Asystolie
Klinik
- Muskelschwäche, Parästhesien, aufsteigende Lähmungen
- Bradykardie, Herzrhythmusstörungen
- Übelkeit, Bauchschmerzen
Therapie Hyperkaliämie — Stufenschema (NOTFALL!)
Schritt 1: Membranstabilisierung (sofort!)
Kalziumgluconat 10% 10–20 ml i.v. über 2–5 Min → stabilisiert Herzmuskel-Membranpotenzial. Wirkt innerhalb von 1–3 Minuten. Kein Kalium wird gesenkt!
Schritt 2: Verschiebung in die Zelle (innerhalb 15–30 Min)
| Mittel | Dosis | Wirkung |
|–––|––-|–––|
| Insulin + Glukose | 10 IE Insulin + 50 g Glukose i.v. | K+ sinkt ~0,5–1,0 mmol/l |
| Natriumbikarbonat | Bei Azidose: 8,4% NaHCO3 i.v. | H+ raus, K+ rein in Zelle |
| Beta-2-Agonisten | Salbutamol inhalativ/i.v. | Zusatzoption |
Schritt 3: Elimination aus dem Körper (dauerhaft)
| Methode | Details |
|–––|–––|
| Schleifendiuretika (Furosemid) | Renale Ausscheidung; nur bei Diuresefähigkeit |
| Kationen-Austauscher (Resonium/Patiromer) | Bindung im Darm; langsam wirkend |
| Hämodialyse | Schnellste und effektivste Methode; bei Nierenversagen |
Natriumpathologien
Normwert: 135 – 145 mmol/l
Hyponatriämie (<135 mmol/l)
Ätiologie (nach Volumensstatus)
| Volumensstatus | Ursachen |
|---|---|
| Hypovolämisch | Erbrechen, Diarrhö, Diuretika, M. Addison, Schwitzen |
| Euvolämisch | SIADH (häufigste Form!), Hypothyreose, Glucocorticoidmangel, psychogene Polydipsie |
| Hypervolämisch | Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Nephrotisches Syndrom |
SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion):
- Ursachen: Pulmonal (Pneumonie, Bronchialkarzinom), ZNS (Meningitis, SAB, Schlaganfall), Medikamente (SSRIs, Carbamazepin, Cyclophosphamid), Postoperativ
Klinik nach Schwere
| Schwere | Na+ (mmol/l) | Symptome |
|---|---|---|
| Leicht | 130–135 | Oft asymptomatisch, Übelkeit |
| Moderat | 125–130 | Kopfschmerzen, Verwirrtheit |
| Schwer | <125 | Somnolenz, Krampfanfälle, Koma |
Therapie Hyponatriämie
Die Korrekturgeschwindigkeit ist entscheidend!
Chronische Hyponatriämie (>48 Stunden):
- Maximale Korrektur: 8–10 mmol/l pro 24 Stunden (Gefahr der pontinen Myelinolyse!)
- Bei SIADH: Flüssigkeitsrestriktion (800–1000 ml/Tag) ist erste Maßnahme
- Tolvaptan (V2-Rezeptorantagonist) bei therapierefraktärem SIADH
Akute symptomatische Hyponatriämie (Krampfanfall, Koma):
- Hypertone NaCl 3% i.v. — sofort 150 ml über 20 Minuten; danach stündliche Kontrolle
- Ziel: Na+-Anstieg ~2 mmol/l/h bis Symptome bessern; dann strenge Kontrolle
Pontine Myelinolyse (osmotisches Demyelinisierungssyndrom):
- Durch zu schnelle Korrektur der Hyponatriämie
- Klinik: Dysarthrie, Dysphagie, Tetraparese, Locked-in-Syndrom
- Irreversible Schädigung möglich; keine spezifische Therapie
Hypernatriämie (>145 mmol/l)
Ätiologie
- Wasserverlust: Diabetes insipidus (zentral oder nephrogen), Fieber, starkes Schwitzen, Diarrhö
- Natriumüberschuss: Hypertone NaCl-Infusionen, primärer Hyperaldosteronismus
- Mangelnde Trinkmenge: Bewusstlose, Pflegebedürftige
Klinik
- Durst (Frühzeichen), Schleimhautaustrocknung
- Neurologisch: Verwirrtheit, Krämpfe, Koma
- „Cerebral dehydration“: Schrumpfung des Gehirns → Riss von Brückenvenen → Subduralhämatom
Therapie
- Langsame Korrektur mit freiem Wasser (oral) oder NaCl 0,9% i.v.
- Maximale Korrektur: 10 mmol/l pro 24 Stunden
- Diabetes insipidus centralis: Desmopressin (DDAVP) nasal oder i.v.
Kalziumpathologien
Normwert: 2,2 – 2,6 mmol/l (ionisiert: 1,1–1,3 mmol/l)
Regulation: PTH (Parathormon), Vitamin D, Kalzitonin
Hypokalzämie (<2,2 mmol/l)
Ätiologie
| Ursache | Beispiele |
|---|---|
| Hypoparathyreoidismus | Postoperativ (Schilddrüsen-OP!), Autoimmun, DiGeorge-Syndrom |
| Vitamin-D-Mangel | Unzureichende Sonneneinstrahlung, Malabsorption, Niereninsuffizienz |
| Hypomagnesiämie | Verhindert PTH-Sekretion; Mg muss korrigiert werden |
| Hypoalbuminämie | Niedriges Albumin → niedriges Gesamt-Ca; ionisiertes Ca normal (Pseudohypokalzämie) |
| Pankreatitis | Saponifikation: Ca bindet an Fettsäuren |
| Alkalose | Erhöhte Proteinbindung → ionisiertes Ca sinkt |
EKG bei Hypokalzämie
- Verlängertes QT-Intervall → erhöhtes Risiko für ventrikuläre Arrhythmien (Torsade de Pointes)
Klinische Zeichen
| Zeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Chvostek-Zeichen | Beklopfen des N. facialis → Zuckung der Gesichtsmuskulatur |
| Trousseau-Zeichen | RR-Manschette aufpumpen → Pfötchenstellung der Hand (Karpopedalspasmen) |
| Tetanie | Muskelkrämpfe, Parästhesien, Kribbeln (periboral, Finger) |
| Laryngospasmus | Akuter Stimmritzenkrampf (lebensbedrohlich!) |
| Stimmungsveränderungen | Depression, Angst, Psychose |
Therapie Hypokalzämie
| Schwere | Therapie |
|---|---|
| Akute Tetanie / Laryngospasmus | Kalziumgluconat 10% i.v. 10–20 ml langsam über 10–15 Min |
| Chronisch / leicht | Kalzium oral + Vitamin D3 oral |
| Bei Hypomagnesiämie | Erst Magnesium ersetzen — sonst spricht Hypokalzämie nicht an! |
Hyperkalzämie (>2,6 mmol/l)
Ätiologie
| Ursache | Häufigkeit |
|---|---|
| Primärer Hyperparathyreoidismus | Häufigste Ursache ambulant; meist Adenom |
| Maligne Erkrankungen | Häufigste Ursache stationär; Knochenmetastasen (Brust, Lunge, Niere), PTHrP-Sekretion |
| Sarkoidose / Granulomatöse Erkrankungen | Vitamin-D-Aktivierung durch Makrophagen |
| Vitamin-D-Intoxikation | Überdosierung |
| Immobilisierung | Erhöhter Knochenabbau |
| Thiazid-Diuretika | Verminderte renale Ca-Ausscheidung |
Klinik — „Stein, Bein, Magenpein“ + Psyche
| Organssystem | Symptome |
|---|---|
| Stein (Niere) | Nephrolithiasis (Ca-Oxalat/-Phosphat), Nephrokalzinose, Polyurie |
| Bein (Knochen) | Knochenschmerzen, pathologische Frakturen, Osteitis fibrosa cystica |
| Magenpein (GI) | Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Pankreatitis, Ulkus |
| Psyche | Apathie, Depression, Verwirrtheit, Koma (bei >3,5 mmol/l) |
EKG bei Hyperkalzämie
- Verkürztes QT-Intervall → Bradykardie, AV-Block, Herzstillstand bei Extremwerten
Therapie Hyperkalzämie (Notfall bei >3,0 mmol/l)
| Schritt | Maßnahme |
|---|---|
| 1. Rehydrierung | NaCl 0,9% i.v. (2–4 l/Tag) → forcierte renale Ausscheidung |
| 2. Furosemid | Nach Rehydrierung (nicht vorher!) → fördert Ca-Ausscheidung |
| 3. Bisphosphonate | Zoledronat i.v. oder Ibandronat i.v. → hemmen Osteoklastenaktivität (Wirkung nach 2–4 Tagen) |
| 4. Kortikosteroide | Bei Sarkoidose, hämatologischen Malignomen |
| 5. Hämodialyse | Bei lebensbedrohlicher Hyperkalzämie und Niereninsuffizienz |
| 6. Kausale Therapie | Parathyreoidektomie bei primärem HPT |
Übersichtstabelle: Elektrolytstörungen
| Parameter | Niedrig | Hoch | EKG |
|---|---|---|---|
| Kalium | Schwäche, Ileus, U-Welle | Bradykardie, Spitz-T, QRS-Verbreiterung | Immer EKG! |
| Natrium | Verwirrtheit, Krämpfe | Durst, Dehydratation, Koma | Kein typisches EKG |
| Kalzium | Tetanie, Chvostek, QT↑ | Stein-Bein-Magenpein, QT↓ | QT-Veränderungen |
Differentialdiagnosen
| Symptom | Mögliche Elektrolytstörung |
|---|---|
| Tetanie | Hypokalzämie, Hypomagnesiämie, Hyperventilation (respiratorische Alkalose) |
| Verwirrtheit | Hyponatriämie, Hypernatriämie, Hyperkalzämie |
| Muskelschwäche | Hypokaliämie, Hyperkaliämie, Hypokalzämie |
| EKG-Veränderungen | Kalium- und Kalziumstörungen (immer Elektrolyte bei EKG-Anomalien!) |
Klinische Perlen
Pontine Myelinolyse: Der häufigste iatrogene Fehler bei Hyponatriämie — zu schnelle Korrektur. Merksatz: „Natriumkorrektur langsam wie Weinstock wächst“ — maximal 8–10 mmol/l pro 24 Stunden!
Hyperkaliämie-Notfall: Die Reihenfolge ist entscheidend: (1) Kalziumgluconat sofort (Membranschutz), (2) Insulin+Glukose (Verschiebung), (3) Elimination. Merke: Erst schützen, dann verschieben, dann eliminieren.
Pseudohypokalzämie: Niedriges Gesamtkalzium bei Hypoalbuminämie ist kein echtes Problem — das ionisierte Kalzium ist normal. Korrektur: Kalzium + 0,2 mmol/l pro 10 g/l Albumin unter Normwert (40 g/l).
Hypomagnesiämie muss immer ausgeschlossen/behandelt werden bei therapierefraktärer Hypokalzämie — Magnesium ist für die PTH-Sekretion notwendig!
Prüfungstipps
- EKG bei Hyperkaliämie: hohe spitze T-Wellen → QRS-Verbreiterung → Sinuswelle → Kammerflimmern
- Pontine Myelinolyse: Folge der zu schnellen Natriumkorrektur; maximal 8–10 mmol/l/24h
- Kalziumgluconat i.v. sofort bei Hyperkaliämie mit EKG-Zeichen (Membranstabilisierung!) und bei Hypokalzämie mit Tetanie
- Hyponatriämie nach Volumen einteilen: hypovolämisch/euvolämisch/hypervolämisch → SIADH ist euvolämisch
- „Stein-Bein-Magenpein“ = Hyperkalzämie; „Tetanie-Chvostek-Trousseau“ = Hypokalzämie
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Hyponatriämie | Na+ <135 mmol/l; häufigste Elektrolytstörung |
| SIADH | Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion; euvolämische Hyponatriämie |
| Pontine Myelinolyse | Osmotisches Demyelinisierungssyndrom durch zu schnelle Na-Korrektur |
| Hyperkaliämie | K+ >5,0 mmol/l; kardial gefährlich |
| Kalziumgluconat | Notfallmedikament bei Hyperkaliämie (Membranschutz) und Hypokalzämie |
| Tetanie | Neuromuskuläre Übererregbarkeit bei Hypokalzämie |
| Chvostek-Zeichen | N.-facialis-Beklopfung → Gesichtszuckung; Zeichen der Hypokalzämie |
| Trousseau-Zeichen | RR-Manschette → Pfötchenstellung; Zeichen der Hypokalzämie |
| QT-Verlängerung | Bei Hypokalzämie; erhöhtes Arrhythmierisiko |
| Tolvaptan | V2-Rezeptorantagonist; bei SIADH |
| Bisphosphonate | Zoledronat/Ibandronat i.v.; Therapie der Hyperkalzämie |
| Pseudohyperkaliämie | Hämolyse in vitro; Kontrollblutabnahme notwendig |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Elektrolytstörungen sind Abweichungen der Serumelektrolytkonzentrationen vom Normbereich, die durch veränderte Zufuhr, Ausscheidung, Verteilung oder Regulation entstehen. Sie können asymptomatisch sein oder lebensbedrohliche kardiale, neurologische und neuromuskuläre Komplikationen verursachen.
Differentialdiagnosen 🔗
| Symptom | Mögliche Elektrolytstörung |
|---|---|
| Tetanie | Hypokalzämie, Hypomagnesiämie, Hyperventilation (respiratorische Alkalose) |
| Verwirrtheit | Hyponatriämie, Hypernatriämie, Hyperkalzämie |
| Muskelschwäche | Hypokaliämie, Hyperkaliämie, Hypokalzämie |
| EKG-Veränderungen | Kalium- und Kalziumstörungen (immer Elektrolyte bei EKG-Anomalien!) |
Prüfungstipps
- - EKG bei Hyperkaliämie: hohe spitze T-Wellen → QRS-Verbreiterung → Sinuswelle → Kammerflimmern
- - Pontine Myelinolyse: Folge der zu schnellen Natriumkorrektur; maximal 8–10 mmol/l/24h
- - Kalziumgluconat i.v. sofort bei Hyperkaliämie mit EKG-Zeichen (Membranstabilisierung!) und bei Hypokalzämie mit Tetanie
- - Hyponatriämie nach Volumen einteilen: hypovolämisch/euvolämisch/hypervolämisch → SIADH ist euvolämisch
- - "Stein-Bein-Magenpein" = Hyperkalzämie; "Tetanie-Chvostek-Trousseau" = Hypokalzämie
