★★★ Sehr wichtig Kardiologie 30 Min.

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. KHK = Atherosklerose der Koronararterien → Minderdurchblutung des Myokards — weltweit häufigste Todesursache
  • 2. Leitsymptom: Angina pectoris — retrosternales Druckgefühl, Ausstrahlung in Arm, Kiefer, Rücken
  • 3. Stabile AP: belastungsabhängig, Besserung durch Ruhe und Nitrate; Instabile AP: in Ruhe, >20 min, keine Besserung → Notfall!
  • 4. Wichtigster Schritt: Ischämienachweis (Belastungs-EKG) → dann Koronarangiographie bei Revaskularisationsindikation
  • 5. Therapieziel: LDL <70 mg/dL (ggf. <55), Beta-Blocker + Nitrate + ASS als Basistherapie

Fallvignette

Ein 55-jähriger Raucher stellt sich vor mit belastungsabhängiger retrosternaler Enge seit 3 Monaten.

Die Beschwerden treten beim Treppensteigen auf und bessern sich in Ruhe nach ca. 5 Minuten. Er hat einen Diabetes mellitus Typ 2 und einen BMI von 31. RR 148/92 mmHg, Puls 78/min, Ruhe-EKG unauffällig.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Koronare Herzkrankheit (KHK)

Auf einen Blick

  1. KHK = Atherosklerose der Koronararterien → Minderdurchblutung des Myokards — weltweit häufigste Todesursache
  2. Leitsymptom: Angina pectoris — retrosternales Druckgefühl, Ausstrahlung in Arm, Kiefer, Rücken
  3. Stabile AP: belastungsabhängig, Besserung durch Ruhe und Nitrate; Instabile AP: in Ruhe, >20 min, keine Besserung → Notfall!
  4. Wichtigster Schritt: Ischämienachweis (Belastungs-EKG) → dann Koronarangiographie bei Revaskularisationsindikation
  5. Therapieziel: LDL <70 mg/dL (ggf. <55), Beta-Blocker + Nitrate + ASS als Basistherapie

Fallvignette

Ein 55-jähriger Raucher stellt sich vor mit belastungsabhängiger retrosternaler Enge seit 3 Monaten.

Die Beschwerden treten beim Treppensteigen auf und bessern sich in Ruhe nach ca. 5 Minuten. Er hat einen Diabetes mellitus Typ 2 und einen BMI von 31. RR 148/92 mmHg, Puls 78/min, Ruhe-EKG unauffällig.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Die KHK bezeichnet die atherosklerotisch bedingte Einengung der Koronararterien, die zu einem Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf des Herzmuskelgewebes führt.

Anatomische Stromgebiete:

  • A. coronaria sinistra (LCA): teilt sich in RIVA (LAD) und RCX — versorgt Vorderwand, Septum, laterale Wand
  • A. coronaria dextra (RCA): versorgt Hinterwand, AV-Knoten, Teile des rechten Ventrikels

Prävalenz: >65 Jahre: Männer 30 %, Frauen 20 % — ♂ > ♀


Ätiologie & Risikofaktoren

Die KHK ist immer Ausdruck einer sySTEMIschen Atherosklerose. Risikofaktoren entsprechen denen der Atherosklerose:

Risikofaktor Bedeutung
Tabakkonsum Stärkster beeinflussbarer Einzelrisikofaktor
Diabetes mellitus Fördert Makro- und Mikroangiopathie
Arterielle Hypertonie Mechanische Endothelschädigung
Dyslipidämie LDL >160 mg/dL; HDL ♂ <40, ♀ <50 mg/dL
Alter ♂ ≥45 Jahre, ♀ ≥55 Jahre
Familienanamnese KV-Ereignis bei Verwandten 1. Grades vor 55. (♂) / 65. (♀) LJ

Metabolisches Syndrom: Kombination aus Diabetes, arterieller Hypertonie, Dyslipidämie und Adipositas — besonders hohes KHK-Risiko


Pathophysiologie

Entstehung der atherosklerotischen Plaque:

Risikofaktoren
    → Endotheldysfunktion
    → Lipideinlagerung in die Intima
    → Einwanderung von Monozyten/Makrophagen (Schaumzellen)
    → Fibröse Kappe bildet sich über Lipidkern
    → Stenosierende Plaque (stabile AP)
    → Ggf. Plaqueruptur → Thrombusbildung → akuter Verschluss (ACS)

Relative Koronarinsuffizienz (= stabile AP):
Fixe Stenose vermindert den koronaren Fluss nur unter Belastung → Sauerstoffbedarf übersteigt das Angebot → Ischämie mit Schmerz

Absolute Koronarinsuffizienz:
Kompletter Verschluss (durch Thrombose auf Plaqueruptur) → persistierende Ischämie → Myokardnekrose (Herzinfarkt)


Klassifikation

Stabile Angina pectoris (CCS-Klassen)

CCS-Grad Klinik
0 Asymptomatisch (stumme Ischämie)
I Beschwerden nur bei sehr schwerer Belastung
II Leichte Einschränkung normaler Aktivität
III Erhebliche Einschränkung normaler Aktivität
IV Beschwerden bei minimaler Belastung oder in Ruhe

Verlaufsformen der Angina pectoris

Form Charakteristika Notfall?
Stabile AP Belastungsabhängig, Besserung durch Ruhe/Nitrate Nein
Instabile AP Ruhe-AP, >20 min, kein/verzögertes Nitransprechen Ja
Prinzmetal-AP Koronarspasmen, belastungsunabhängig, ST-Hebung (reversibel) Ggf.
Walking-through Sistiert bei Fortsetzung der Belastung (Vasodilatation) Nein

Merkhilfe: Instabile AP = eine Form des ACS → immer stationäre Aufnahme und Troponinkontrolle!


Symptome & Klinik

Typische Angina pectoris

  • Retrosternales Druckgefühl — „wie ein Stein auf der Brust“
  • Ausstrahlung in linken Arm, Hals, Unterkiefer, Oberbauch oder Rücken
  • Begleitsymptome: Unruhe, Angst, Dyspnoe, Nausea, Schweißausbruch

Atypische Präsentation (vor allem bei Frauen, Diabetikern, Älteren)

  • Isolierte Dyspnoe ohne Schmerzen
  • Oberbauchschmerzen („gastrointestinal“)
  • Erschöpfung und allgemeine Schwäche

Diabetiker: häufig schmerzlose (stumme) Ischämie durch autonome Neuropathie!


Diagnostik

Basisdiagnostik

Anamnese:

  • Schmerzcharakter, Auslöser, Dauer, Ansprechen auf Nitrate
  • Risikofaktoren, Familienanamnese, Medikamente

Körperliche Untersuchung:

  • Oft unauffällig
  • Strömungsgeräusche über Karotiden oder Aorta, fehlende Fußpulse → systemische Atherosklerose

Labor: BB, Kreatinin, Kalium, Natrium, Glukose, HbA1c, Lipidprofil (Gesamtchol, LDL, HDL, TG), Troponin (bei V.a. ACS), BNP

EKG:

  • Bei stabiler AP oft unauffällig
  • ST-Senkungen können unter Belastung auftreten

Echokardiographie:

  • Beurteilung der LVEF und regionaler Wandbewegungsstörungen
  • Ausschluss von Differentialdiagnosen (Aortenstenose)

Erweiterte Diagnostik

Belastungs-EKG (Ergometrie) — Basistest für Ischämienachweis:

  • Kontrollierte körperliche Belastung (Fahrrad-Ergometer)
  • Kontinuierliches 12-Kanal-EKG + Blutdruck + Herzfrequenz
Befund Pathologisch wenn…
Klinisch Angina-pectoris-Anfall unter Belastung
EKG Deszendierende oder horizontale ST-Senkung ≥0,1 mV

Kontraindikationen Ergometrie: Akuter MI, akute Herzinsuffizienz, Peri-/Myokarditis, TVT, Lungenembolie

Weitere Ischämienahweise:

  • Myokardszintigraphie: Bildliche Perfusionsdarstellung (Funktionsstoffwechsel)
  • Stress-Echokardiographie: Wandbewegungsstörungen unter pharmakologischer Belastung
  • Stress-MRT: Hohe Auflösung, besonders bei unklaren Befunden

Wichtige Befunde

Koronarangiographie (Goldstandard):

  • Darstellung von Koronarstenosen und deren Schweregrad
  • Ermöglicht direkte therapeutische Intervention (PCI/Stent)
  • Nur indiziert bei therapeutischer Konsequenz im Sinne einer Revaskularisation!

Differentialdiagnosen

Symptom DD Unterscheidung
Retrosternaler Schmerz Akutes Koronarsyndrom Troponin ↑, EKG-Veränderungen, Ruheschmerz
Retrosternaler Schmerz Perikarditis Atemabhängig, lageabhängig, Reibegeräusch, ST-Hebung alle Ableitungen
Retrosternaler Schmerz Refluxkrankheit (GERD) Sodbrennen, Besserung durch Antazida, keine EKG-Korrelation
Retrosternaler Schmerz Ösophagusspasmus Krampfartig, besserung durch Nitrate möglich (Verwechslungsgefahr!)
Thoraxschmerz Da-Costa-Syndrom (Herzneurose) Linksthorakal, Angst, kein organisches Korrelat, normales EKG

Therapie

Allgemeinmaßnahmen

  • Nikotinkarenz (wichtigste Maßnahme)
  • Diätoptimierung und Gewichtsreduktion
  • Körperliches Ausdauertraining (nach Therapiebeginn)
  • Blutdruckeinstellung (<140/90 mmHg)
  • Blutzuckereinstellung (HbA1c <7 %)

Medikamentöse Therapie

Medikament Indikation Ziel
Statin (Atorvastatin) Alle KHK-Patienten LDL <70 mg/dL (ggf. <55 mg/dL)
ASS 75–100 mg/d oder Clopidogrel Alle Stadien Thrombozytenaggregationshemmung
Beta-Blocker (Bisoprolol) Stabile AP, Z.n. Infarkt Herzfrequenz ↓, Ischämieschutz
Nitrate (Nitroglycerin sublingual) Akute AP-Attacke Koronare Vasodilatation
Calciumantagonisten (Amlodipin) Wenn Beta-Blocker kontraindiziert Antianginöse Wirkung

Prinzmetal-AP: Beta-Blocker kontraindiziert! (fördert Koronarspasmen) → Calciumantagonisten + Nitrate

Interventionell / Operativ

PCI (Perkutane Koronarintervention = PTCA + Stent):

  1. Führungsdraht über die Stenose vorschieben
  2. Ballonkatheter einführen → Dilatation der Engstelle
  3. Stentimplantation (Drug-eluting Stent bevorzugt)

Vorteile PCI: Geringeres Risiko, kürzerer Aufenthalt, weniger invasiv

Bypass-Operation (ACB):

  • Material: 1. Wahl = A. thoracica interna (LITA/RITA); 2. Wahl = Venengraft (V. saphena)
  • Bessere Langzeitergebnisse bei komplexer Mehrgefäß-KHK

Auswahl PCI vs. Bypass:

  • Eingefäß-KHK → PCI bevorzugt
  • Komplexe Mehrgefäß-KHK (hoher SYNTAX-Score) → Bypass-OP überlegen
  • Entscheidung nach individuellem Operationsrisiko (EuroSCORE)

Komplikationen

  • Myokardinfarkt (bei Plaqueruptur + Thrombose)
  • Herzinsuffizienz (durch Vernarbung des Myokards)
  • Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre Arrhythmien, AV-Block)
  • Plötzlicher Herztod (durch Kammerflimmern)
  • Kardiogener Schock (bei ausgedehntem Infarkt)

Prognose

  • Stabile AP: Jährliche Mortalität ca. 5 %; 25 % erleiden innerhalb von 5 Jahren einen MI
  • Höhergradige Stenosen (Hauptstamm, Dreigefäß-KHK) → deutlich schlechtere Prognose
  • Unter optimaler medikamentöser Therapie + Revaskularisation: erhebliche Prognoseverbesserung

Prävention

Primärprävention:

  • Risikofaktorkontrolle: RR, Blutzucker, Cholesterin, Gewicht
  • Nikotinverzicht, mediterrane Ernährung, regelmäßige Bewegung

Sekundärprävention (nach Ereignis):

  • Dauerhafte ASS-Therapie + Statin + Beta-Blocker
  • Regelmäßige kardiologische Kontrollen
  • Herzrehabilitation

Klinische Perlen

1. Prinzmetal-Angina hat ST-Hebungen im EKG — aber das Troponin bleibt negativ. Der wichtigste Unterschied zum STEMI: die ST-Hebung ist reversibel und tritt spontan auf. Beta-Blocker sind kontraindiziert!

2. Stilles EKG schließt KHK nicht aus. Das Ruhe-EKG ist bei stabiler AP in >50 % der Fälle normal. Erst das Belastungs-EKG deckt die Ischämie auf.

3. LDL-Ziel bei KHK ist anspruchsvoll. Bei manifester KHK gilt LDL <70 mg/dL als Mindest-Ziel — bei sehr hohem Risiko sogar <55 mg/dL. Eine 50 %ige Reduktion ist immer Ziel.

4. KHK als Systemerkrankung denken. Patienten mit KHK haben oft gleichzeitig pAVK oder Karotisstenose. Immer das kardiovaskuläre Gesamtrisiko bewerten.


Prüfungstipps

  • CCS-Klassifikation wird regelmäßig gefragt: Grad II = Einschränkung bei normaler Aktivität
  • Stabile vs. instabile AP: Troponin ist bei instabiler AP negativ (anders als beim NSTEMI!) — aber trotzdem Notfall!
  • Belastungs-EKG: Kontraindikationen kennen (akuter MI, schwere Herzinsuffizienz, Lungenembolie)
  • Koronarangiographie: Nur wenn Revaskularisation geplant — nicht als erstes diagnostisches Mittel!
  • Prinzmetal-Angina: ST-Hebung + negatives Troponin + Beta-Blocker KI = Prüfungsklassiker
  • Bypass vs. PCI: Bei Hauptstammstenose oder komplexer 3-Gefäß-KHK → Bypass bevorzugt

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Angina pectoris Retrosternales Druckgefühl durch Myokardischämie
Stabile AP Belastungsinduziert, spricht auf Ruhe/Nitrate an, stabiles Muster
Instabile AP Ruhe-AP, >20 min, kein Nitransprechen → ACS
Prinzmetal-Angina Vasospastische AP, belastungsunabhängig, reversible ST-Hebung
RIVA / LAD Ramus interventricularis anterior — häufigste betroffene Koronararterie
PCI / PTCA Perkutane Koronarintervention mit Ballondilatation + Stent
SYNTAX-Score Komplexitätsmaß der Koronarstenosen — entscheidet PCI vs. Bypass
EuroSCORE Risikokalkulator für herzchirurgische Eingriffe
LDL-Ziel KHK <70 mg/dL (ggf. <55 mg/dL) bei manifester KHK

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Die KHK bezeichnet die atherosklerotisch bedingte Einengung der Koronararterien, die zu einem Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf des Herzmuskelgewebes führt.

Anatomische Stromgebiete:

  • A. coronaria sinistra (LCA): teilt sich in RIVA (LAD) und RCX — versorgt Vorderwand, Septum, laterale Wand
  • A. coronaria dextra (RCA): versorgt Hinterwand, AV-Knoten, Teile des rechten Ventrikels

Prävalenz: >65 Jahre: Männer 30 %, Frauen 20 % — ♂ > ♀


Ätiologie 🔗

Die KHK ist immer Ausdruck einer systemischen Atherosklerose. Risikofaktoren entsprechen denen der Atherosklerose:

Risikofaktor Bedeutung
Tabakkonsum Stärkster beeinflussbarer Einzelrisikofaktor
Diabetes mellitus Fördert Makro- und Mikroangiopathie
Arterielle Hypertonie Mechanische Endothelschädigung
Dyslipidämie LDL >160 mg/dL; HDL ♂ <40, ♀ <50 mg/dL
Alter ♂ ≥45 Jahre, ♀ ≥55 Jahre
Familienanamnese KV-Ereignis bei Verwandten 1. Grades vor 55. (♂) / 65. (♀) LJ

Metabolisches Syndrom: Kombination aus Diabetes, arterieller Hypertonie, Dyslipidämie und Adipositas — besonders hohes KHK-Risiko


Pathophysiologie 🔗

Entstehung der atherosklerotischen Plaque:

Risikofaktoren
    → Endotheldysfunktion
    → Lipideinlagerung in die Intima
    → Einwanderung von Monozyten/Makrophagen (Schaumzellen)
    → Fibröse Kappe bildet sich über Lipidkern
    → Stenosierende Plaque (stabile AP)
    → Ggf. Plaqueruptur → Thrombusbildung → akuter Verschluss (ACS)

Relative Koronarinsuffizienz (= stabile AP): Fixe Stenose vermindert den koronaren Fluss nur unter Belastung → Sauerstoffbedarf übersteigt das Angebot → Ischämie mit Schmerz

Absolute Koronarinsuffizienz: Kompletter Verschluss (durch Thrombose auf Plaqueruptur) → persistierende Ischämie → Myokardnekrose (Herzinfarkt)


Symptome & Klinik 🔗

Stabile Angina pectoris (CCS-Klassen)

CCS-Grad Klinik
0 Asymptomatisch (stumme Ischämie)
I Beschwerden nur bei sehr schwerer Belastung
II Leichte Einschränkung normaler Aktivität
III Erhebliche Einschränkung normaler Aktivität
IV Beschwerden bei minimaler Belastung oder in Ruhe

Verlaufsformen der Angina pectoris

Form Charakteristika Notfall?
Stabile AP Belastungsabhängig, Besserung durch Ruhe/Nitrate Nein
Instabile AP Ruhe-AP, >20 min, kein/verzögertes Nitransprechen Ja
Prinzmetal-AP Koronarspasmen, belastungsunabhängig, ST-Hebung (reversibel) Ggf.
Walking-through Sistiert bei Fortsetzung der Belastung (Vasodilatation) Nein

Merkhilfe: Instabile AP = eine Form des ACS → immer stationäre Aufnahme und Troponinkontrolle!


Typische Angina pectoris

  • Retrosternales Druckgefühl — "wie ein Stein auf der Brust"
  • Ausstrahlung in linken Arm, Hals, Unterkiefer, Oberbauch oder Rücken
  • Begleitsymptome: Unruhe, Angst, Dyspnoe, Nausea, Schweißausbruch

Atypische Präsentation (vor allem bei Frauen, Diabetikern, Älteren)

  • Isolierte Dyspnoe ohne Schmerzen
  • Oberbauchschmerzen ("gastrointestinal")
  • Erschöpfung und allgemeine Schwäche

Diabetiker: häufig schmerzlose (stumme) Ischämie durch autonome Neuropathie!


Diagnostik 🔗

Basisdiagnostik

Anamnese:

  • Schmerzcharakter, Auslöser, Dauer, Ansprechen auf Nitrate
  • Risikofaktoren, Familienanamnese, Medikamente

Körperliche Untersuchung:

  • Oft unauffällig
  • Strömungsgeräusche über Karotiden oder Aorta, fehlende Fußpulse → systemische Atherosklerose

Labor: BB, Kreatinin, Kalium, Natrium, Glukose, HbA1c, Lipidprofil (Gesamtchol, LDL, HDL, TG), Troponin (bei V.a. ACS), BNP

EKG:

  • Bei stabiler AP oft unauffällig
  • ST-Senkungen können unter Belastung auftreten

Echokardiographie:

  • Beurteilung der LVEF und regionaler Wandbewegungsstörungen
  • Ausschluss von Differentialdiagnosen (Aortenstenose)

Erweiterte Diagnostik

Belastungs-EKG (Ergometrie) — Basistest für Ischämienachweis:

  • Kontrollierte körperliche Belastung (Fahrrad-Ergometer)
  • Kontinuierliches 12-Kanal-EKG + Blutdruck + Herzfrequenz
Befund Pathologisch wenn...
Klinisch Angina-pectoris-Anfall unter Belastung
EKG Deszendierende oder horizontale ST-Senkung ≥0,1 mV

Kontraindikationen Ergometrie: Akuter MI, akute Herzinsuffizienz, Peri-/Myokarditis, TVT, Lungenembolie

Weitere Ischämienahweise:

  • Myokardszintigraphie: Bildliche Perfusionsdarstellung (Funktionsstoffwechsel)
  • Stress-Echokardiographie: Wandbewegungsstörungen unter pharmakologischer Belastung
  • Stress-MRT: Hohe Auflösung, besonders bei unklaren Befunden

Wichtige Befunde

Koronarangiographie (Goldstandard):

  • Darstellung von Koronarstenosen und deren Schweregrad
  • Ermöglicht direkte therapeutische Intervention (PCI/Stent)
  • Nur indiziert bei therapeutischer Konsequenz im Sinne einer Revaskularisation!

Differentialdiagnosen 🔗

Symptom DD Unterscheidung
Retrosternaler Schmerz Akutes Koronarsyndrom Troponin ↑, EKG-Veränderungen, Ruheschmerz
Retrosternaler Schmerz Perikarditis Atemabhängig, lageabhängig, Reibegeräusch, ST-Hebung alle Ableitungen
Retrosternaler Schmerz Refluxkrankheit (GERD) Sodbrennen, Besserung durch Antazida, keine EKG-Korrelation
Retrosternaler Schmerz Ösophagusspasmus Krampfartig, besserung durch Nitrate möglich (Verwechslungsgefahr!)
Thoraxschmerz Da-Costa-Syndrom (Herzneurose) Linksthorakal, Angst, kein organisches Korrelat, normales EKG

Therapie 🔗

Allgemeinmaßnahmen

  • Nikotinkarenz (wichtigste Maßnahme)
  • Diätoptimierung und Gewichtsreduktion
  • Körperliches Ausdauertraining (nach Therapiebeginn)
  • Blutdruckeinstellung (<140/90 mmHg)
  • Blutzuckereinstellung (HbA1c <7 %)

Medikamentöse Therapie

Medikament Indikation Ziel
Statin (Atorvastatin) Alle KHK-Patienten LDL <70 mg/dL (ggf. <55 mg/dL)
ASS 75–100 mg/d oder Clopidogrel Alle Stadien Thrombozytenaggregationshemmung
Beta-Blocker (Bisoprolol) Stabile AP, Z.n. Infarkt Herzfrequenz ↓, Ischämieschutz
Nitrate (Nitroglycerin sublingual) Akute AP-Attacke Koronare Vasodilatation
Calciumantagonisten (Amlodipin) Wenn Beta-Blocker kontraindiziert Antianginöse Wirkung

Prinzmetal-AP: Beta-Blocker kontraindiziert! (fördert Koronarspasmen) → Calciumantagonisten + Nitrate

Interventionell / Operativ

PCI (Perkutane Koronarintervention = PTCA + Stent):

  1. Führungsdraht über die Stenose vorschieben
  2. Ballonkatheter einführen → Dilatation der Engstelle
  3. Stentimplantation (Drug-eluting Stent bevorzugt)

Vorteile PCI: Geringeres Risiko, kürzerer Aufenthalt, weniger invasiv

Bypass-Operation (ACB):

  • Material: 1. Wahl = A. thoracica interna (LITA/RITA); 2. Wahl = Venengraft (V. saphena)
  • Bessere Langzeitergebnisse bei komplexer Mehrgefäß-KHK

Auswahl PCI vs. Bypass:

  • Eingefäß-KHK → PCI bevorzugt
  • Komplexe Mehrgefäß-KHK (hoher SYNTAX-Score) → Bypass-OP überlegen
  • Entscheidung nach individuellem Operationsrisiko (EuroSCORE)

Komplikationen 🔗

  • Myokardinfarkt (bei Plaqueruptur + Thrombose)
  • Herzinsuffizienz (durch Vernarbung des Myokards)
  • Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre Arrhythmien, AV-Block)
  • Plötzlicher Herztod (durch Kammerflimmern)
  • Kardiogener Schock (bei ausgedehntem Infarkt)

Prognose 🔗

  • Stabile AP: Jährliche Mortalität ca. 5 %; 25 % erleiden innerhalb von 5 Jahren einen MI
  • Höhergradige Stenosen (Hauptstamm, Dreigefäß-KHK) → deutlich schlechtere Prognose
  • Unter optimaler medikamentöser Therapie + Revaskularisation: erhebliche Prognoseverbesserung

Prävention 🔗

Primärprävention:

  • Risikofaktorkontrolle: RR, Blutzucker, Cholesterin, Gewicht
  • Nikotinverzicht, mediterrane Ernährung, regelmäßige Bewegung

Sekundärprävention (nach Ereignis):

  • Dauerhafte ASS-Therapie + Statin + Beta-Blocker
  • Regelmäßige kardiologische Kontrollen
  • Herzrehabilitation

Prüfungstipps

  • - CCS-Klassifikation wird regelmäßig gefragt: Grad II = Einschränkung bei normaler Aktivität
  • - Stabile vs. instabile AP: Troponin ist bei instabiler AP negativ (anders als beim NSTEMI!) — aber trotzdem Notfall!
  • - Belastungs-EKG: Kontraindikationen kennen (akuter MI, schwere Herzinsuffizienz, Lungenembolie)
  • - Koronarangiographie: Nur wenn Revaskularisation geplant — nicht als erstes diagnostisches Mittel!
  • - Prinzmetal-Angina: ST-Hebung + negatives Troponin + Beta-Blocker KI = Prüfungsklassiker
  • - Bypass vs. PCI: Bei Hauptstammstenose oder komplexer 3-Gefäß-KHK → Bypass bevorzugt

Schlüsselbegriffe

BegriffAngina pectorisStabile APInstabile APPrinzmetal-AnginaRIVA / LADPCI / PTCASYNTAX-ScoreEuroSCORELDL-Ziel KHK