Schlaganfall (Apoplex)
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Akute zerebrale Durchblutungsstörung — 80–85 % ischämisch, 15–20 % hämorrhagisch
- 2. Leitsymptom: Akutes fokal-neurologisches Defizit — FAST-Schema: Face, Arm, Speech, Time
- 3. Wichtigste Erstmaßnahme: cCT nativ — Ischämie oder Blutung? Diese Unterscheidung bestimmt die Therapie!
- 4. Thrombolyse (Alteplase) bei ischämischem Schlaganfall innerhalb 4,5 Stunden nach Symptombeginn
- 5. "Time is Brain" — jede Minute zählt, je früher Rekanalisation, desto mehr Gehirn gerettet
Fallvignette
Ein 68-jähriger Hypertoniker wird notfallmäßig eingeliefert mit akuter Hemiparese rechts und Aphasie seit 45 Minuten.
Laut Ehefrau begann er plötzlich zu lallen und ließ den Arm hängen. Vitalzeichen: RR 210/110 mmHg, Puls 88/min regelmäßig. Neurologisch: Fazialisparese rechts, Armparese 2/5 rechts, globale Aphasie.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Schlaganfall (Apoplex)
Auf einen Blick
- Akute zerebrale Durchblutungsstörung — 80–85 % ischämisch, 15–20 % hämorrhagisch
- Leitsymptom: Akutes fokal-neurologisches Defizit — FAST-Schema: Face, Arm, Speech, Time
- Wichtigste Erstmaßnahme: cCT nativ — Ischämie oder Blutung? Diese Unterscheidung bestimmt die Therapie!
- Thrombolyse (Alteplase) bei ischämischem Schlaganfall innerhalb 4,5 Stunden nach Symptombeginn
- „Time is Brain“ — jede Minute zählt, je früher Rekanalisation, desto mehr Gehirn gerettet
Fallvignette
Ein 68-jähriger Hypertoniker wird notfallmäßig eingeliefert mit akuter Hemiparese rechts und Aphasie seit 45 Minuten.
Laut Ehefrau begann er plötzlich zu lallen und ließ den Arm hängen. Vitalzeichen: RR 210/110 mmHg, Puls 88/min regelmäßig. Neurologisch: Fazialisparese rechts, Armparese 2/5 rechts, globale Aphasie.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Ein Schlaganfall ist eine akute, fokal-neurologische Dysfunktion durch zerebrovaskuläre Ischämie oder intrakranielle Blutung. Er ist ein medizinischer Notfall — nach Herzerkrankungen und Krebserkrankungen dritthäufigste Todesursache und häufigste Ursache dauerhafter Behinderung im Erwachsenenalter.
Epidemiologie: ~270.000 Schlaganfälle/Jahr in Deutschland | Mortalität ~20 % im 1. Monat
Ätiologie
Ischämischer Schlaganfall (80–85 %)
| Mechanismus | Details |
|---|---|
| Makroangiopathie (Atherosklerose) | Arterioarterielle Embolie (z.B. von Karotisgabel) oder Thrombose |
| Mikroangiopathie | Lakunäre Ischämien kleiner penetrierender Arterien |
| Kardiale Embolie | Vorhofflimmern (häufigste Ursache!), Herzwandaneurysma, Endokarditis |
| PFO + paradoxe Embolie | Offenes Foramen ovale + Phlebothrombose → venöser Thrombus ins arterielle System |
| Sonstige | Karotis-/Vertebralisdissektion, Vaskulitis |
Hämorrhagischer Schlaganfall (15–20 %)
- Intrazerebrale Blutung: Mikroangiopathie bei arterieller Hypertonie (häufigste Ursache), Gerinnungsstörungen
- Subarachnoidalblutung: Aneurysmaruptur (→ eigenes Kapitel)
- Arteriovenöse Malformationen (AVM)
Risikofaktoren für ischämischen Schlaganfall
- Arterielle Hypertonie (wichtigster Risikofaktor!)
- Vorhofflimmern
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- Dyslipidämie
- Alter, männliches Geschlecht
Klassifikation
Nach Verlauf
| Typ | Definition | Prognose |
|---|---|---|
| TIA (Transitorische ischämische Attacke) | Vorübergehende fokale Ischämie, kein Infarktnachweis im MRT, Dauer meist Minuten | Wichtiges Warnsignal! 10 % Schlaganfall innerhalb von 48h |
| Minor Stroke | Schlaganfall mit geringer Symptomatik | Relativ gut |
| Ischämischer Schlaganfall | Infarkt mit Läsionsnachweis im MRT | Variabel |
| Progressive Stroke | Neurologische Defizite nehmen zu | Schlecht |
TIA = „Warnschuss“: 10 % Schlaganfallrisiko innerhalb von 48h → stationäre Aufnahme und schnelle Abklärung auch bei vollständiger Remission!
Nach betroffenem Gefäß
| Gefäß | Symptome |
|---|---|
| A. cerebri media (Mediainfarkt) | Kontralaterale brachiofaziale sensomotorische Hemisymptomatik, Dysarthrie, ggf. Aphasie (dominant) |
| A. cerebri anterior | Kontralaterale beinbetonte Hemisymptomatik |
| A. cerebri posterior | Kontralaterale homonyme Hemianopsie |
| A. vertebralis | Ataxie, Schwindel, Hirnstammsymptome |
| A. basilaris | Vigilanzminderung, schwere motorische Störung — lebensbedrohlich! |
Symptome & Klinik
FAST-Schema (im Notfall sofort anwenden)
- F (Face) — Gesichtslähmung: hängender Mundwinkel, Lächeln asymmetrisch?
- A (Arm) — Armlähmung: kann Patient beide Arme anheben und halten?
- S (Speech) — Sprachstörung: gestörtes Sprachverständnis oder -produktion?
- T (Time is Brain) — Bei einem positiven Kriterium: sofort Notaufnahme!
Weitere Leitsymptome
- Plötzliche Hemiparese oder Hemihypästhesie
- Sehstörungen (Hemianopsie, Amaurosis fugax bei TIA)
- Bewusstseinseintrübung
- Schwindel, Gangstörung, Ataxie (Hinternstromsymptome)
- Aphasie / Dysarthrie
Diagnostik
Bildgebung — der entscheidende Schritt
Verdacht auf Schlaganfall → SOFORT cCT nativ
Ziel: Ischämie oder Blutung unterscheiden!
→ Das bestimmt alles: Lyse möglich? Antikoagulation möglich?
cCT nativ:
- Wichtigste Untersuchung — schnell, überall verfügbar
- Blutung: Hyperdense Raumforderung (akute Blutung = weiß)
- Ischämie: In den ersten Stunden oft unauffällig! Ischämische Frühzeichen:
- 2–6 h: Verlust der Mark-Rinden-Grenze
- 12–24 h: Hypodensität im Infarktgebiet
cMRT:
- Sensitiver, insb. für frühe Ischämien und vertebrobasiläre Infarkte
- Diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI): Infarkt innerhalb von Minuten sichtbar
- Indikation: Unklares Zeitfenster, V.a. vertebrobasilärer Infarkt, >4,5h nach Beginn
Weitere Diagnostik
| Untersuchung | Ziel |
|---|---|
| EKG + Langzeit-EKG | Vorhofflimmern als Emboliequelle |
| Echokardiographie (TEE) | Kardiale Thromben, PFO |
| Doppler-Sonographie Karotis | Stenosen, Dissektionen |
| CT/MR-Angiographie | Gefäßdarstellung vor Thrombektomie |
| Labor | Gerinnung, Blutbild, BZ, Elektrolyte |
| NIHSS | Klinische Schweregradbewertung (0–42 Punkte) |
Differentialdiagnosen
- Intrazerebrale Blutung (cCT entscheidend)
- Subarachnoidalblutung (Vernichtungskopfschmerz + Meningismus)
- Subdurales Hämatom (oft subakut, älterer Patient)
- Hirntumor (langsam progredient, Hirndruckzeichen)
- Enzephalitis (Fieber, Liquorbefund)
- Hypoglykämie (BZ-Messung — immer ausschließen!)
- Epileptischer Anfall (Todd-Parese nach Anfall)
Therapie
Präklinisches Management
- Transport in Krankenhaus mit Stroke Unit (deutlich bessere Outcomes)
- Stabilisierung der Vitalfunktionen
- Ggf. O₂ über Nasensonde
- Blutdruck tolerieren (Penumbra-Perfusion erhalten!):
- Zielwerte: systolisch ≤220 mmHg (kein Hypertoniker) / ≤180 mmHg (Hypertoniker)
- Ausnahmen: kardiales Lungenödem, Aortendissektion
Akuttherapie im Krankenhaus
Schritt 1: Blutungsausschluss im cCT
Schritt 2: Rekanalisierende Therapie (nur bei ischämischem Schlaganfall!)
Thrombolysetherapie (Alteplase i.v.):
→ Indikation: Ischämischer Schlaganfall, Symptombeginn <4,5 h, keine KI
→ Schnellstmögliche Durchführung — jede Minute zählt!
→ Wirkprinzip: Plasminogenaktivierung → Plasmin → Fibrinolyse
Kontraindikationen für Lyse:
- Intrazerebrale Blutung (!)
- Thrombozyten <100.000
- INR >1,7
- OP/Trauma in den letzten 2 Wochen
- Schwangerschaft
- Unkontrollierter RR >185/110 mmHg
Interventionelle Therapie (mechanische Thrombektomie):
→ Indikation: Akuter Verschluss großer Hirnarterien (M1/M2, Basilaris)
→ CT-Angiographie → Stent-Retriever einführen → Thrombus entfernen
→ Kann zusätzlich zur Lyse erfolgen (kombiniert besser!)
Monitoring auf der Stroke Unit
- Kontinuierliches EKG, Puls, RR, Atmung, O₂-Sättigung, Temperatur
- Blutzucker: Korrektur ab ≥200 mg/dL (Hyperglykämie verschlechtert Prognose)
- Temperatur: Senken ab 37,5 °C (Fieber erhöht Infarktgröße)
- Dysphagie-Screening vor erster oraler Nahrung (Aspirationspneumonie vermeiden)
- Thromboseprophylaxe (Heparin s.c.)
- Frühmobilisation und Rehabilitation: Physio-, Ergo-, Logopädie
Sekundärprävention
Nach ischämischem Schlaganfall durch Atherosklerose
- ASS 100 mg/Tag (oder Clopidogrel 75 mg bei Unverträglichkeit)
- Statin (LDL-Senkung, Plaquesstabilisierung)
- Risikofaktorbehandlung: RR, BZ, Gewicht, Rauchen
Nach ischämischem Schlaganfall bei Vorhofflimmern
- Orale Antikoagulation (DOAK bevorzugt gegenüber Vitamin-K-Antagonisten)
Karotisstenose
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Symptomatische Stenose >50 % | Thrombendarteriektomie empfohlen (insb. >70 %) |
| Asymptomatische Stenose >60 % | Thrombendarteriektomie kann erwogen werden |
Komplikationen
- Hirnödem mit Einklemmung (maligner Mediainfarkt → ggf. Hemikraniektomie)
- Epileptische Anfälle
- Aspirationspneumonie (bei Dysphagie)
- Tiefe Venenthrombose / Lungenembolie
- Dekubitus, Infektionen (bei immobilen Patienten)
- Depression nach Schlaganfall (30–50 %)
- Demenz nach Schlaganfall
Klinische Perlen
1. Blutzucker messen bei jedem Bewusstlosen — Hypoglykämie kann Schlaganfall imitieren und ist sofort behandelbar. Bei unklarem neurologischem Defizit: BZ sofort messen!
2. Blutdrucksenkung im Akutschlaganfall ist gefährlich — Die ischämische Penumbra (Randzone) ist auf hohen Perfusionsdruck angewiesen. RR senken → Penumbra stirbt ab. Ausnahme: RR >220 systolisch (unkontrolliert) oder wenn Lyse geplant (dann <185 mmHg).
3. TIA = Notfall! Vollständige Remission bedeutet nicht: „kein Problem“. 10 % Schlaganfallrisiko innerhalb von 48h → stationäre Aufnahme, EKG, Echo, Doppler, schnelle Antikoagulation bei Vorhofflimmern.
4. NIHSS lernen: Skala 0–42 — Punkte: Bewusstsein, Blickbewegungen, Gesichtsfeld, Fazialisparese, Motorik Arm/Bein, Ataxie, Sensibilität, Sprache, Dysarthrie, Neglect. Prüfer fragen oft nach der Bewertungsdimension.
Prüfungstipps
- Lyse-Zeitfenster: 4,5 Stunden nach Symptombeginn — absolute Zahl auswendig lernen
- Lyse-KI: Blutung im CT → Lyse absolut kontraindiziert
- Vorhofflimmern = häufigste kardiale Emboliequelle → nach Schlaganfall immer EKG!
- FAST-Schema wird im OSCE gefragt — kann Leben retten
- Mediainfarkt-Symptome: kontralaterale brachiofaziale Hemisymptomatik + ggf. Aphasie links
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| TIA | Transitorische Ischämische Attacke — vorübergehende Ischämie ohne Infarkt |
| Penumbra | Ischämische Randzone mit reversibel geschädigtem, aber noch vitalem Gewebe |
| NIHSS | National Institute of Health Stroke Scale — Schweregradeinteilung |
| Thrombolyse | Medikamentöse Auflösung eines Thrombus (Alteplase = rt-PA) |
| Thrombektomie | Mechanische Entfernung eines Thrombus mittels Stent-Retriever |
| Time is Brain | Prinzip: pro Minute sterben ~1,9 Mio. Neuronen — Schnelligkeit ist entscheidend |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Ein Schlaganfall ist eine akute, fokal-neurologische Dysfunktion durch zerebrovaskuläre Ischämie oder intrakranielle Blutung. Er ist ein medizinischer Notfall — nach Herzerkrankungen und Krebserkrankungen dritthäufigste Todesursache und häufigste Ursache dauerhafter Behinderung im Erwachsenenalter.
Epidemiologie: ~270.000 Schlaganfälle/Jahr in Deutschland | Mortalität ~20 % im 1. Monat
Ätiologie 🔗
Ischämischer Schlaganfall (80–85 %)
| Mechanismus | Details |
|---|---|
| Makroangiopathie (Atherosklerose) | Arterioarterielle Embolie (z.B. von Karotisgabel) oder Thrombose |
| Mikroangiopathie | Lakunäre Ischämien kleiner penetrierender Arterien |
| Kardiale Embolie | Vorhofflimmern (häufigste Ursache!), Herzwandaneurysma, Endokarditis |
| PFO + paradoxe Embolie | Offenes Foramen ovale + Phlebothrombose → venöser Thrombus ins arterielle System |
| Sonstige | Karotis-/Vertebralisdissektion, Vaskulitis |
Hämorrhagischer Schlaganfall (15–20 %)
- Intrazerebrale Blutung: Mikroangiopathie bei arterieller Hypertonie (häufigste Ursache), Gerinnungsstörungen
- Subarachnoidalblutung: Aneurysmaruptur (→ eigenes Kapitel)
- Arteriovenöse Malformationen (AVM)
Risikofaktoren für ischämischen Schlaganfall
- Arterielle Hypertonie (wichtigster Risikofaktor!)
- Vorhofflimmern
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- Dyslipidämie
- Alter, männliches Geschlecht
Symptome & Klinik 🔗
Nach Verlauf
| Typ | Definition | Prognose |
|---|---|---|
| TIA (Transitorische Ischämische Attacke) | Vorübergehende fokale Ischämie, kein Infarktnachweis im MRT, Dauer meist Minuten | Wichtiges Warnsignal! 10 % Schlaganfall innerhalb von 48h |
| Minor Stroke | Schlaganfall mit geringer Symptomatik | Relativ gut |
| Ischämischer Schlaganfall | Infarkt mit Läsionsnachweis im MRT | Variabel |
| Progressive Stroke | Neurologische Defizite nehmen zu | Schlecht |
TIA = "Warnschuss": 10 % Schlaganfallrisiko innerhalb von 48h → stationäre Aufnahme und schnelle Abklärung auch bei vollständiger Remission!
Nach betroffenem Gefäß
| Gefäß | Symptome |
|---|---|
| A. cerebri media (Mediainfarkt) | Kontralaterale brachiofaziale sensomotorische Hemisymptomatik, Dysarthrie, ggf. Aphasie (dominant) |
| A. cerebri anterior | Kontralaterale beinbetonte Hemisymptomatik |
| A. cerebri posterior | Kontralaterale homonyme Hemianopsie |
| A. vertebralis | Ataxie, Schwindel, Hirnstammsymptome |
| A. basilaris | Vigilanzminderung, schwere motorische Störung — lebensbedrohlich! |
FAST-Schema (im Notfall sofort anwenden)
- F (Face) — Gesichtslähmung: hängender Mundwinkel, Lächeln asymmetrisch?
- A (Arm) — Armlähmung: kann Patient beide Arme anheben und halten?
- S (Speech) — Sprachstörung: gestörtes Sprachverständnis oder -produktion?
- T (Time is Brain) — Bei einem positiven Kriterium: sofort Notaufnahme!
Weitere Leitsymptome
- Plötzliche Hemiparese oder Hemihypästhesie
- Sehstörungen (Hemianopsie, Amaurosis fugax bei TIA)
- Bewusstseinseintrübung
- Schwindel, Gangstörung, Ataxie (Hinternstromsymptome)
- Aphasie / Dysarthrie
Diagnostik 🔗
Bildgebung — der entscheidende Schritt
Verdacht auf Schlaganfall → SOFORT cCT nativ
Ziel: Ischämie oder Blutung unterscheiden!
→ Das bestimmt alles: Lyse möglich? Antikoagulation möglich?
cCT nativ:
- Wichtigste Untersuchung — schnell, überall verfügbar
- Blutung: Hyperdense Raumforderung (akute Blutung = weiß)
- Ischämie: In den ersten Stunden oft unauffällig! Ischämische Frühzeichen:
- 2–6 h: Verlust der Mark-Rinden-Grenze
- 12–24 h: Hypodensität im Infarktgebiet
cMRT:
- Sensitiver, insb. für frühe Ischämien und vertebrobasiläre Infarkte
- Diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI): Infarkt innerhalb von Minuten sichtbar
- Indikation: Unklares Zeitfenster, V.a. vertebrobasilärer Infarkt, >4,5h nach Beginn
Weitere Diagnostik
| Untersuchung | Ziel |
|---|---|
| EKG + Langzeit-EKG | Vorhofflimmern als Emboliequelle |
| Echokardiographie (TEE) | Kardiale Thromben, PFO |
| Doppler-Sonographie Karotis | Stenosen, Dissektionen |
| CT/MR-Angiographie | Gefäßdarstellung vor Thrombektomie |
| Labor | Gerinnung, Blutbild, BZ, Elektrolyte |
| NIHSS | Klinische Schweregradbewertung (0–42 Punkte) |
Differentialdiagnosen 🔗
- Intrazerebrale Blutung (cCT entscheidend)
- Subarachnoidalblutung (Vernichtungskopfschmerz + Meningismus)
- Subdurales Hämatom (oft subakut, älterer Patient)
- Hirntumor (langsam progredient, Hirndruckzeichen)
- Enzephalitis (Fieber, Liquorbefund)
- Hypoglykämie (BZ-Messung — immer ausschließen!)
- Epileptischer Anfall (Todd-Parese nach Anfall)
Therapie 🔗
Präklinisches Management
- Transport in Krankenhaus mit Stroke Unit (deutlich bessere Outcomes)
- Stabilisierung der Vitalfunktionen
- Ggf. O₂ über Nasensonde
- Blutdruck tolerieren (Penumbra-Perfusion erhalten!):
- Zielwerte: systolisch ≤220 mmHg (kein Hypertoniker) / ≤180 mmHg (Hypertoniker)
- Ausnahmen: kardiales Lungenödem, Aortendissektion
Akuttherapie im Krankenhaus
Schritt 1: Blutungsausschluss im cCT
Schritt 2: Rekanalisierende Therapie (nur bei ischämischem Schlaganfall!)
Thrombolysetherapie (Alteplase i.v.):
→ Indikation: Ischämischer Schlaganfall, Symptombeginn <4,5 h, keine KI
→ Schnellstmögliche Durchführung — jede Minute zählt!
→ Wirkprinzip: Plasminogenaktivierung → Plasmin → Fibrinolyse
Kontraindikationen für Lyse:
- Intrazerebrale Blutung (!)
- Thrombozyten <100.000
- INR >1,7
- OP/Trauma in den letzten 2 Wochen
- Schwangerschaft
- Unkontrollierter RR >185/110 mmHg
Interventionelle Therapie (mechanische Thrombektomie):
→ Indikation: Akuter Verschluss großer Hirnarterien (M1/M2, Basilaris)
→ CT-Angiographie → Stent-Retriever einführen → Thrombus entfernen
→ Kann zusätzlich zur Lyse erfolgen (kombiniert besser!)
Monitoring auf der Stroke Unit
- Kontinuierliches EKG, Puls, RR, Atmung, O₂-Sättigung, Temperatur
- Blutzucker: Korrektur ab ≥200 mg/dL (Hyperglykämie verschlechtert Prognose)
- Temperatur: Senken ab 37,5 °C (Fieber erhöht Infarktgröße)
- Dysphagie-Screening vor erster oraler Nahrung (Aspirationspneumonie vermeiden)
- Thromboseprophylaxe (Heparin s.c.)
- Frühmobilisation und Rehabilitation: Physio-, Ergo-, Logopädie
Komplikationen 🔗
- Hirnödem mit Einklemmung (maligner Mediainfarkt → ggf. Hemikraniektomie)
- Epileptische Anfälle
- Aspirationspneumonie (bei Dysphagie)
- Tiefe Venenthrombose / Lungenembolie
- Dekubitus, Infektionen (bei immobilen Patienten)
- Depression nach Schlaganfall (30–50 %)
- Demenz nach Schlaganfall
Prüfungstipps
- - Lyse-Zeitfenster: 4,5 Stunden nach Symptombeginn — absolute Zahl auswendig lernen
- - Lyse-KI: Blutung im CT → Lyse absolut kontraindiziert
- - Vorhofflimmern = häufigste kardiale Emboliequelle → nach Schlaganfall immer EKG!
- - FAST-Schema wird im OSCE gefragt — kann Leben retten
- - Mediainfarkt-Symptome: kontralaterale brachiofaziale Hemisymptomatik + ggf. Aphasie links
