★★ Wichtig Unfallchirurgie 20 Min.

Distale Radiusfraktur

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Häufigste Fraktur des Menschen — Sturz auf die ausgestreckte Hand
  • 2. Extensionsfraktur (Colles) >> Flexionsfraktur (Smith) — 95 % der Fälle
  • 3. Diagnose: Röntgen in 2 Ebenen — Böhler-Winkel, palmare/radioulnare Inklination
  • 4. Therapie: konservativ (nicht-disloziert) oder operativ (disloziert/offen/Begleitverletzungen)
  • 5. Spezielle Komplikation: CRPS (komplexes regionales Schmerzsyndrom)

Fallvignette

Eine 67-jährige Patientin stellt sich in der Notaufnahme vor, nachdem sie auf dem Gehweg gestürzt ist und sich dabei reflexartig mit der rechten Hand abgestützt hat.

Die Patientin klagt über starke Schmerzen im rechten Handgelenk. Klinisch zeigt sich eine typische Bajonett-Deformität mit dorsaler Prominenz des distalen Radius. Das Handgelenk ist geschwollen und druckschmerzhaft. Faustschluss eingeschränkt, Daumen- und Zeigefingersensibilität intakt. Röntgen Handgelenk in 2 Ebenen: Distale Radiusfraktur mit dorsaler Angulation von 20° und radialer Verkürzung um 4 mm (Böhler-Winkel aufgehoben), kein Gelenkflächeneinbruch. Bekannte Osteoporose, keine weiteren Vorerkrankungen.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Distale Radiusfraktur

Auf einen Blick

  1. Häufigste Fraktur des Menschen — Sturz auf die ausgestreckte Hand
  2. Extensionsfraktur (Colles) >> Flexionsfraktur (Smith) — 95 % der Fälle
  3. Diagnose: Röntgen in 2 Ebenen — Böhler-Winkel, palmare/radioulnare Inklination
  4. Therapie: konservativ (nicht-disloziert) oder operativ (disloziert/offen/Begleitverletzungen)
  5. Spezielle Komplikation: CRPS (komplexes regionales Schmerzsyndrom)

Fallvignette

Eine 67-jährige Patientin stellt sich in der Notaufnahme vor, nachdem sie auf dem Gehweg gestürzt ist und sich dabei reflexartig mit der rechten Hand abgestützt hat.

Die Patientin klagt über starke Schmerzen im rechten Handgelenk. Klinisch zeigt sich eine typische Bajonett-Deformität mit dorsaler Prominenz des distalen Radius. Das Handgelenk ist geschwollen und druckschmerzhaft. Faustschluss eingeschränkt, Daumen- und Zeigefingersensibilität intakt. Röntgen Handgelenk in 2 Ebenen: Distale Radiusfraktur mit dorsaler Angulation von 20° und radialer Verkürzung um 4 mm (Böhler-Winkel aufgehoben), kein Gelenkflächeneinbruch. Bekannte Osteoporose, keine weiteren Vorerkrankungen.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Epidemiologie

  • Häufigste Fraktur des Menschen
  • Betrifft v.a. ältere Frauen (mit Osteoporose) + Sportler + Kinder
  • Häufigkeitsgipfel: bei älteren Frauen nach Sturz, bei Kindern beim Sport

Ätiologie & Klassifikation

Extensionsfraktur (häufig, ~95 %)

Form Typ Beschreibung
Colles-Fraktur Extraartikulär Sturz auf dorsalextendierte Hand → dist. Fragment nach dorsal + radial
Barton-Fraktur Partiell-artikulär Extensionsfraktur mit Gelenkbeteiligung

Flexionsfraktur (selten, ~5 %)

Form Typ Beschreibung
Smith-Fraktur Extraartikulär Sturz auf palmarflektierte Hand → dist. Fragment nach palmar + radial
Reversed-Barton-Fraktur Partiell-artikulär Flexionsfraktur mit Gelenkbeteiligung

Merkhilfe: Colles = C wie Cowboy-Handzeichen (Daumen hoch, Hand nach hinten) — dorsale Dislokation


Anatomie & Pathophysiologie

  • Zwei betroffene Gelenke:
  • Radiokarpalgelenk (Hand)
  • Distales Radioulnargelenk (DRUG)

  • Begleitverletzungen:

  • Skaphoidfraktur (Kahnbein) — DD bei Schmerzen Tabatière!
  • Abrissfraktur des Processus styloideus ulnae
  • Weichteilverletzungen (Nerven, Gefäße, Sehnen)
  • Kompartmentsyndrom

Klinik

  • Frakturzeichen (Dolor, Tumor, Calor, Functio laesa)
  • Colles: typische Abknickung nach dorso-radial („Silbergabel-Deformität“)
  • Smith: Abknickung nach palmar (Schaufel-Deformität)
  • Schwellung, Hämatom, Bewegungsschmerz

Diagnostik

Klinische Untersuchung

  • pDMS prüfen: Durchblutung, Motorik, Sensibilität (peripherer Nerv- und Gefäßstatus!)

Röntgen des Handgelenks in 2 Ebenen (a.p. + seitlich)

Beurteilung:

  • Frakturlinie, Dislokation
  • Böhler-Winkel des distalen Radius (Gelenkflächenneigung)
  • Radioulnare Inklination: Normwert ~20–25°
  • Palmare Inklination: Normwert ~10–15°

Dislozierung liegt vor, wenn diese Winkel von der Norm abweichen — Entscheidung über OP vs. Konservativ

Ggf. CT/MRT

  • Bei komplexen Frakturen, Gelenkbeteiligung oder V.a. Skaphoidfraktur

Differentialdiagnosen

  • Prellung oder Distorsion (keine Fehlstellung, keine Frakturlinie)
  • Schaftfrakturen des Unterarms (proximalere Lokalisation)
  • Skaphoidfraktur — anatomische Tabatière druckschmerzhaft, Röntgen oft unauffällig → MRT!

Therapie

Konservative Therapie

Indikation:

  • Einfache, nicht-dislozierte geschlossene Frakturen: Ruhigstellung ohne Reposition
  • Dislozierte Frakturen mit OP-Kontraindikation: Ruhigstellung nach geschlossener Reposition

Mehrfache Repositionsversuche unbedingt vermeiden — erhöhtes CRPS-Risiko!

Durchführung:

  • Unterarmgips für 4–6 Wochen

Operative Therapie

Indikation:

  • Dislozierte Frakturen
  • Offene Frakturen
  • Schwere Weichteilverletzung
  • Begleitverletzungen (Gefäße, Nerven)
  • Kompartmentsyndrom
  • Versagen der konservativen Therapie

Verfahren:

Methode Indikation
Spickdrahtosteosynthese Kinder, einfache Frakturen
Schraubenosteosynthese Schaftfrakturen
Plattenosteosynthese Häufigste Methode beim Erwachsenen
Fixateur externe Offene Fraktur, Weichteilschaden

Allgemeine Maßnahmen

  • Schmerzadaptierte Analgesie (Ibuprofen)
  • Klinische und radiologische Kontrollen (nach 1, 3, 6 Wochen)
  • Physiotherapie (nach Gipsabnahme)

Komplikationen

Allgemein

  • Blutung, Weichteilverletzungen
  • Fehlstellung, Pseudarthrose
  • Arthrose (bei artikulären Frakturen)
  • Kompartmentsyndrom, Wundinfektion, Osteomyelitis (bei offenen Frakturen)

Spezifische Komplikationen

  • Posttraumatisches Karpaltunnelsyndrom (N. medianus komprimiert)
  • CRPS (Morbus Sudeck): Komplexes regionales Schmerzsyndrom — anhaltende Schmerzen, trophische Störungen, Bewegungseinschränkung; Risiko steigt bei wiederholten Repositionsversuchen!
  • Sekundäre Dislokation (im Gips)
  • Sehnenruptur: v.a. M. extensor pollicis longus (EPL-Sehne)

Kindliche distale Radiusfrakturen

  • Hohes Korrekturpotenzial: < 10 Jahre: sehr hoch; > 10 Jahre: wenig
  • Frakturformen: Wulstfraktur (Stauchungsfraktur), Grünholzfraktur, Epiphysenbeteiligung
  • Therapie:
  • Konservativ (undisloziert, extraartikulär): Unterarmgips 3–4 Wochen
  • Operativ (instabil): K-Draht-Osteosynthese
  • Spezifische Komplikation: Wachstumsstörungen bei Epiphysenverletzung

Klinische Perlen

1. pDMS prüfen — immer! Vor und nach Reposition: Durchblutung, Motorik, Sensibilität der Hand überprüfen. N. medianus ist besonders gefährdet.

2. CRPS droht bei falscher Behandlung. Wenige Repositionsversuche, frühzeitige Physiotherapie, ausreichende Analgesie — präventive Maßnahmen gegen Sudeck.

3. Silbergabel-Deformität = Colles-Fraktur. Dieses klassische Bild (dorsale Abknickung, wie der Griff einer Gabel) ist prüfungsrelevant.


Prüfungstipps

  • Colles = Extension (dorsal), Smith = Flexion (palmar) — merken!
  • Häufigste Fraktur des Menschen — Prüfungsstarter
  • CRPS nach distaler Radiusfraktur: Risikofaktoren kennen (wiederholte Repositionen)
  • Skaphoidfraktur als wichtigste Differentialdiagnose: Tabatière-Druckschmerz + unauffälliges Röntgen → MRT
  • pDMS-Prüfung ist Pflichtteil der klinischen Untersuchung bei jeder Extremitätenfraktur

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Colles-Fraktur Extensionsfraktur des distalen Radius mit dorsaler Dislokation — häufigste Form
Smith-Fraktur Flexionsfraktur des distalen Radius mit palmarer Dislokation
CRPS (Morbus Sudeck) Komplexes regionales Schmerzsyndrom — neuropathischer Schmerz + trophische Störungen
Böhler-Winkel Röntgenmorphologisches Maß der Gelenkflächenneigung des distalen Radius
pDMS Peripherer Gefäß-/Nervenstatus: Durchblutung, Motorik, Sensibilität
Skaphoidfraktur Kahnbeinfraktur — häufig übersehen, Druckschmerz in der anatomischen Tabatière

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Ätiologie 🔗

Extensionsfraktur (häufig, ~95 %)

Form Typ Beschreibung
Colles-Fraktur Extraartikulär Sturz auf dorsalextendierte Hand → dist. Fragment nach dorsal + radial
Barton-Fraktur Partiell-artikulär Extensionsfraktur mit Gelenkbeteiligung

Flexionsfraktur (selten, ~5 %)

Form Typ Beschreibung
Smith-Fraktur Extraartikulär Sturz auf palmarflektierte Hand → dist. Fragment nach palmar + radial
Reversed-Barton-Fraktur Partiell-artikulär Flexionsfraktur mit Gelenkbeteiligung

Merkhilfe: Colles = C wie Cowboy-Handzeichen (Daumen hoch, Hand nach hinten) — dorsale Dislokation


Diagnostik 🔗

Klinische Untersuchung

  • pDMS prüfen: Durchblutung, Motorik, Sensibilität (peripherer Nerv- und Gefäßstatus!)

Röntgen des Handgelenks in 2 Ebenen (a.p. + seitlich)

Beurteilung:

  • Frakturlinie, Dislokation
  • Böhler-Winkel des distalen Radius (Gelenkflächenneigung)
  • Radioulnare Inklination: Normwert ~20–25°
  • Palmare Inklination: Normwert ~10–15°

Dislozierung liegt vor, wenn diese Winkel von der Norm abweichen — Entscheidung über OP vs. Konservativ

Ggf. CT/MRT

  • Bei komplexen Frakturen, Gelenkbeteiligung oder V.a. Skaphoidfraktur

Differentialdiagnosen 🔗

  • Prellung oder Distorsion (keine Fehlstellung, keine Frakturlinie)
  • Schaftfrakturen des Unterarms (proximalere Lokalisation)
  • Skaphoidfraktur — anatomische Tabatière druckschmerzhaft, Röntgen oft unauffällig → MRT!

Therapie 🔗

Konservative Therapie

Indikation:

  • Einfache, nicht-dislozierte geschlossene Frakturen: Ruhigstellung ohne Reposition
  • Dislozierte Frakturen mit OP-Kontraindikation: Ruhigstellung nach geschlossener Reposition

Mehrfache Repositionsversuche unbedingt vermeiden — erhöhtes CRPS-Risiko!

Durchführung:

  • Unterarmgips für 4–6 Wochen

Operative Therapie

Indikation:

  • Dislozierte Frakturen
  • Offene Frakturen
  • Schwere Weichteilverletzung
  • Begleitverletzungen (Gefäße, Nerven)
  • Kompartmentsyndrom
  • Versagen der konservativen Therapie

Verfahren:

Methode Indikation
Spickdrahtosteosynthese Kinder, einfache Frakturen
Schraubenosteosynthese Schaftfrakturen
Plattenosteosynthese Häufigste Methode beim Erwachsenen
Fixateur externe Offene Fraktur, Weichteilschaden

Allgemeine Maßnahmen

  • Schmerzadaptierte Analgesie (Ibuprofen)
  • Klinische und radiologische Kontrollen (nach 1, 3, 6 Wochen)
  • Physiotherapie (nach Gipsabnahme)

Komplikationen 🔗

Allgemein

  • Blutung, Weichteilverletzungen
  • Fehlstellung, Pseudarthrose
  • Arthrose (bei artikulären Frakturen)
  • Kompartmentsyndrom, Wundinfektion, Osteomyelitis (bei offenen Frakturen)

Spezifische Komplikationen

  • Posttraumatisches Karpaltunnelsyndrom (N. medianus komprimiert)
  • CRPS (Morbus Sudeck): Komplexes regionales Schmerzsyndrom — anhaltende Schmerzen, trophische Störungen, Bewegungseinschränkung; Risiko steigt bei wiederholten Repositionsversuchen!
  • Sekundäre Dislokation (im Gips)
  • Sehnenruptur: v.a. M. extensor pollicis longus (EPL-Sehne)

✨ Clinical Pearls

**1. pDMS prüfen — immer!** Vor und nach Reposition: Durchblutung, Motorik, Sensibilität der Hand überprüfen. N. medianus ist besonders gefährdet.

**2. CRPS droht bei falscher Behandlung.** Wenige Repositionsversuche, frühzeitige Physiotherapie, ausreichende Analgesie — präventive Maßnahmen gegen Sudeck.

**3. Silbergabel-Deformität = Colles-Fraktur.** Dieses klassische Bild (dorsale Abknickung, wie der Griff einer Gabel) ist prüfungsrelevant.

Prüfungstipps

  • - Colles = Extension (dorsal), Smith = Flexion (palmar) — merken!
  • - Häufigste Fraktur des Menschen — Prüfungsstarter
  • - CRPS nach distaler Radiusfraktur: Risikofaktoren kennen (wiederholte Repositionen)
  • - Skaphoidfraktur als wichtigste Differentialdiagnose: Tabatière-Druckschmerz + unauffälliges Röntgen → MRT
  • - pDMS-Prüfung ist Pflichtteil der klinischen Untersuchung bei jeder Extremitätenfraktur

Schlüsselbegriffe

BegriffColles-FrakturSmith-FrakturCRPS (Morbus Sudeck)Böhler-WinkelpDMSSkaphoidfraktur

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