★★ Wichtig Gastroenterologie 20 Min.

Leistenhernie

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Ausstülpung von Peritoneum durch Schwachstelle der Bauchwand in der Leiste
  • 2. Indirekte > direkte Hernie (2:1) — ♂ >> ♀ (9:1)
  • 3. Direkte: medial der Vasa epigastrica, immer erworben, ältere Männer
  • 4. Indirekte: lateral der Vasa epigastrica, im Samenstrang, angeboren oder erworben
  • 5. Behandlung: operative Netzeinlage — laparoskopisch bevorzugt

Fallvignette

Ein 72-jähriger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor mit seit 6 Stunden bestehenden starken Schmerzen in der rechten Leiste, Übelkeit und einmaligem Erbrechen. Er berichtet über eine seit Jahren bekannte rechtsseitige Leistenbeule, die nun nicht mehr zurückdrückbar sei.

Körperliche Untersuchung: in der rechten Leiste eine harte, gerötete, überwärmte und hochgradig druckdolente Schwellung von ca. 4 cm, die sich weder reponieren noch zurückverlagern lässt. Abdomen gespannt, spärliche Peristaltik. Temperatur 38,1 °C, Puls 108/min. Labor: Leukozyten 14,2 × 10⁹/L, CRP 68 mg/L, Laktat 2,1 mmol/L. Sonographie: Darmschlingen im Bruchsack ohne Peristaltik, kein Fluss in der Bruchsackwand.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Leistenhernie

Auf einen Blick

  1. Ausstülpung von Peritoneum durch Schwachstelle der Bauchwand in der Leiste
  2. Indirekte > direkte Hernie (2:1) — ♂ >> ♀ (9:1)
  3. Direkte: medial der Vasa epigastrica, immer erworben, ältere Männer
  4. Indirekte: lateral der Vasa epigastrica, im Samenstrang, angeboren oder erworben
  5. Behandlung: operative Netzeinlage — laparoskopisch bevorzugt

Fallvignette

Ein 72-jähriger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor mit seit 6 Stunden bestehenden starken Schmerzen in der rechten Leiste, Übelkeit und einmaligem Erbrechen. Er berichtet über eine seit Jahren bekannte rechtsseitige Leistenbeule, die nun nicht mehr zurückdrückbar sei.

Körperliche Untersuchung: in der rechten Leiste eine harte, gerötete, überwärmte und hochgradig druckdolente Schwellung von ca. 4 cm, die sich weder reponieren noch zurückverlagern lässt. Abdomen gespannt, spärliche Peristaltik. Temperatur 38,1 °C, Puls 108/min. Labor: Leukozyten 14,2 × 10⁹/L, CRP 68 mg/L, Laktat 2,1 mmol/L. Sonographie: Darmschlingen im Bruchsack ohne Peristaltik, kein Fluss in der Bruchsackwand.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Ausstülpung von Peritoneum, ggf. mit intraabdominellen Strukturen, durch eine Schwachstelle der Bauchwand im Bereich der Leiste. Die körperliche Untersuchung ist das wichtigste Kriterium zur Diagnosestellung.


Epidemiologie

  • Indirekte > direkte Leistenhernie (2:1)
  • Rechtsseitig > linksseitig
  • Geschlecht: ♂ >> ♀ (9:1)

Klassifikation & Anatomie

Direkte Leistenhernie

Merkmal Beschreibung
Lokalisation Medial der Vasa epigastrica
Verlauf Orthogonal zur Bauchwand, ohne Bezug zum Samenstrang
Bruchpforte Hesselbach-Dreieck (innere Bruchpforte) + äußerer Leistenring
Ätiologie Immer erworben
Typisches Alter Ältere Männer
Risikofaktoren Intraabdominelle Druckerhöhung (Obstipation), Bindegewebsschwäche

Indirekte Leistenhernie

Merkmal Beschreibung
Lokalisation Lateral der Vasa epigastrica
Verlauf Im Leistenkanal innerhalb des Samenstrangs, parallel zur Bauchwand
Bruchpforte Innerer und äußerer Leistenring
Ätiologie Angeboren oder erworben
Typisches Alter Neugeborene, Kinder, junge Männer
Sonderform Skrotalhernie: Bruchsack reicht bis in den Hoden

Merkhilfe: Indirekte Hernie = i wie „im Kanal“ = verläuft im Leistenkanal


Der Leistenkanal (Canalis inguinalis)

  • Röhrenförmige Verbindung zwischen Bauchhöhle und äußerer Genitalregion
  • Öffnungen: innerer und äußerer Leistenring
  • Inhalt beim Mann: Funiculus spermaticus (Ductus deferens + Blutgefäße)
  • Inhalt bei der Frau: Ligamentum teres uteri

Klinik

  • Vorwölbung in der Leistenregion (reponibel bei einfacher Hernie)
  • Ggf. Vergrößerung des Skrotums
  • Fremdkörpergefühl und/oder Schmerzen, Zunahme bei Belastung oder Husten
  • Bei Inkarzeration: Ileussymptomatik + starke Schmerzzunahme → Notfall!

Diagnostik

Körperliche Untersuchung (wichtigstes Kriterium!)

  • Inspektion: reponible Vorwölbung in der Leiste
  • Beschwerdezunahme bei Belastung oder Husten
  • Palpation des Leistenkanals im Stehen und Liegen beidseits
  • Beim Mann: durch Skrotalhaut bis zum äußeren Leistenring tasten → husten lassen → Hustenanprall?
  • Auskultation: ggf. Darmgeräusche

Bildgebung

  • Sonographie: Darstellung von Bruchpforte und Bruchinhalt
  • MRT: bei unklaren Befunden und Abgrenzung von Differentialdiagnosen
  • Kaltlichtlampe: Differenzierung Skrotalhernie vs. Hydrozele

Differentialdiagnosen

Erkrankung Merkmal
Hydrozele testis Schmerzlose Skrotalvergrößerung ohne Rötung, diaphan
Varikozele testis Schmerzlose Skrotalvergrößerung, Erweiterung der Hodenvenen
Hodentumor Schmerzlose Skrotalvergrößerung, derb
Abszess Überwärmt, gerötet, druckschmerzhaft
Schenkelhernie Vorwölbung am Oberschenkel, häufiger bei Frauen

Therapie

Konservative Therapie

  • Abwartendes Verhalten: nur bei asymptomatischen, nicht-progredienten Leistenhernien beim Mann

Operative Therapie

Indikationen:

  • Alle symptomatischen oder progredienten Hernien
  • Alle Hernien bei der Frau (hohes Inkarzerationsrisiko!)
  • Inkarzerierte Hernie → Notfalloperation

Verfahren:

Methode Beschreibung
Shouldice (offen, nahtbasiert) Verstärken des Leistenkanals mittels Naht
Lichtenstein (offen, netzbasiert) Netzeinlage durch offenen Zugang
TAPP (laparoskopisch) Transabdominelle präperitoneale Plastik — Netzeinlage
TEP/TEPP (laparoskopisch) Total extraperitoneale Plastik — Netzeinlage

Wahl des Verfahrens:

  • Immer minimalinvasiv: bei allen Hernien der Frau, bei beidseitigen Hernien
  • Minimalinvasiv ODER offen: bei primärer einseitiger Hernie beim Mann

Vorteil netzbasierter Verfahren: seltenere Rezidive | Vorteil laparoskopischer Verfahren: seltener chronische Schmerzsyndrome


Komplikation: Inkarzeration

Definition: Einklemmung von Bruchinhalt in der Bruchpforte → Unterbrechung der Durchblutung → Darmischämie, Nekrose, Peritonitis

Risikofaktoren: kleine Bruchpforte

Klinik:

  • Irreponible Schwellung
  • Schmerzen und Rötung
  • Ileussymptomatik (Übelkeit, Erbrechen, Stuhlverhalt)
  • Hochfrequente, spritzende Darmgeräusche
  • Ggf. Sepsis, Peritonismus

Therapie: Notfalloperation → Hernienversorgung ± Resektion des betroffenen Darmabschnitts

Prognose: Letalität bei inkarzerierter Hernie ~20 % (trotz Operation)


Prognose

  • Rezidivrate nach OP: ~5 %

Klinische Perlen

1. Hustenanprall beim Palpieren = Hernie. Lässt der Patient husten, spürt man den Druckanstieg im Bruchsack am Finger — zuverlässiges klinisches Zeichen.

2. Bei der Frau immer operieren, auch wenn asymptomatisch — das Inkarzerationsrisiko bei Frauen ist höher als bei Männern.

3. Netz = weniger Rezidive. Nahtbasierte Verfahren (Shouldice) haben höhere Rezidivrate. Heute wird meist Netz verwendet.


Prüfungstipps

  • Unterschied direkt/indirekt: medial vs. lateral der Vasa epigastrica — merken!
  • Inkarzeration = Notfall, absolute OP-Indikation
  • Hesselbach-Dreieck kennen: muskelfreie Stelle der Bauchwand (medial der Epigastrica)
  • TAPP und TEP: laparoskopische Netzverfahren — Unterschied (TAPP transabdominell, TEP extraperitoneal)

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Hesselbach-Dreieck Muskelfreie Stelle der Bauchwand — Bruchpforte der direkten Leistenhernie
Inkarzeration Einklemmung von Bruchinhalt → Durchblutungsunterbrechung
Funiculus spermaticus Samenstrang — Inhalt des Leistenkanals beim Mann
TAPP Transabdominelle präperitoneale Plastik — laparoskopisches Netzverfahren
Skrotalhernie Indirekte Leistenhernie mit Ausdehnung bis in das Skrotum

🎓 Jetzt für KP & FSP vorbereiten

Dieses KP-Buch-Kapitel ist Teil unserer Kursvorbereitung. Im All-in-One Masterkurs findest du alle Fachgebiete, Prüfungsprotokolle und Arztbrief-Training.

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Ausstülpung von Peritoneum, ggf. mit intraabdominellen Strukturen, durch eine Schwachstelle der Bauchwand im Bereich der Leiste. Die körperliche Untersuchung ist das wichtigste Kriterium zur Diagnosestellung.


Symptome & Klinik 🔗

Direkte Leistenhernie

Merkmal Beschreibung
Lokalisation Medial der Vasa epigastrica
Verlauf Orthogonal zur Bauchwand, ohne Bezug zum Samenstrang
Bruchpforte Hesselbach-Dreieck (innere Bruchpforte) + äußerer Leistenring
Ätiologie Immer erworben
Typisches Alter Ältere Männer
Risikofaktoren Intraabdominelle Druckerhöhung (Obstipation), Bindegewebsschwäche

Indirekte Leistenhernie

Merkmal Beschreibung
Lokalisation Lateral der Vasa epigastrica
Verlauf Im Leistenkanal innerhalb des Samenstrangs, parallel zur Bauchwand
Bruchpforte Innerer und äußerer Leistenring
Ätiologie Angeboren oder erworben
Typisches Alter Neugeborene, Kinder, junge Männer
Sonderform Skrotalhernie: Bruchsack reicht bis in den Hoden

Merkhilfe: Indirekte Hernie = i wie "im Kanal" = verläuft im Leistenkanal


Diagnostik 🔗

Körperliche Untersuchung (wichtigstes Kriterium!)

  • Inspektion: reponible Vorwölbung in der Leiste
  • Beschwerdezunahme bei Belastung oder Husten
  • Palpation des Leistenkanals im Stehen und Liegen beidseits
  • Beim Mann: durch Skrotalhaut bis zum äußeren Leistenring tasten → husten lassen → Hustenanprall?
  • Auskultation: ggf. Darmgeräusche

Bildgebung

  • Sonographie: Darstellung von Bruchpforte und Bruchinhalt
  • MRT: bei unklaren Befunden und Abgrenzung von Differentialdiagnosen
  • Kaltlichtlampe: Differenzierung Skrotalhernie vs. Hydrozele

Differentialdiagnosen 🔗

Erkrankung Merkmal
Hydrozele testis Schmerzlose Skrotalvergrößerung ohne Rötung, diaphan
Varikozele testis Schmerzlose Skrotalvergrößerung, Erweiterung der Hodenvenen
Hodentumor Schmerzlose Skrotalvergrößerung, derb
Abszess Überwärmt, gerötet, druckschmerzhaft
Schenkelhernie Vorwölbung am Oberschenkel, häufiger bei Frauen

Therapie 🔗

Konservative Therapie

  • Abwartendes Verhalten: nur bei asymptomatischen, nicht-progredienten Leistenhernien beim Mann

Operative Therapie

Indikationen:

  • Alle symptomatischen oder progredienten Hernien
  • Alle Hernien bei der Frau (hohes Inkarzerationsrisiko!)
  • Inkarzerierte Hernie → Notfalloperation

Verfahren:

Methode Beschreibung
Shouldice (offen, nahtbasiert) Verstärken des Leistenkanals mittels Naht
Lichtenstein (offen, netzbasiert) Netzeinlage durch offenen Zugang
TAPP (laparoskopisch) Transabdominelle präperitoneale Plastik — Netzeinlage
TEP/TEPP (laparoskopisch) Total extraperitoneale Plastik — Netzeinlage

Wahl des Verfahrens:

  • Immer minimalinvasiv: bei allen Hernien der Frau, bei beidseitigen Hernien
  • Minimalinvasiv ODER offen: bei primärer einseitiger Hernie beim Mann

Vorteil netzbasierter Verfahren: seltenere Rezidive | Vorteil laparoskopischer Verfahren: seltener chronische Schmerzsyndrome


Prognose 🔗

  • Rezidivrate nach OP: ~5 %

✨ Clinical Pearls

**1. Hustenanprall beim Palpieren = Hernie.** Lässt der Patient husten, spürt man den Druckanstieg im Bruchsack am Finger — zuverlässiges klinisches Zeichen.

**2. Bei der Frau immer operieren**, auch wenn asymptomatisch — das Inkarzerationsrisiko bei Frauen ist höher als bei Männern.

**3. Netz = weniger Rezidive.** Nahtbasierte Verfahren (Shouldice) haben höhere Rezidivrate. Heute wird meist Netz verwendet.

Prüfungstipps

  • - Unterschied direkt/indirekt: medial vs. lateral der Vasa epigastrica — merken!
  • - Inkarzeration = Notfall, absolute OP-Indikation
  • - Hesselbach-Dreieck kennen: muskelfreie Stelle der Bauchwand (medial der Epigastrica)
  • - TAPP und TEP: laparoskopische Netzverfahren — Unterschied (TAPP transabdominell, TEP extraperitoneal)

Schlüsselbegriffe

BegriffHesselbach-DreieckInkarzerationFuniculus spermaticusTAPPSkrotalhernie

Wissen testen

Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.